Video Killed the TV Star

Mein Gastbeitrag für das Blog des Interactive TV Awards der Telekom.

Am 1. August 1981 ging MTV mit Video Killed the Radio Star auf Sendung. Seitdem hat MTV eine Achterbahnfahrt hinter sich. Dem Aufstieg des Musikfernsehens bis 2000 folgte in den letzten Jahren der Fall. Am jetzigen MTV Programmschema kann man den Wandel leicht ablesen – Musikvideos muss man dort lange suchen. Den neusten Tiefpunkt markierte die Weigerung von Vevo und Universal Music MTV.com Musikvideos zur Verfügung zu stellen. Musikfernsehen hat sich dank Vevo und YouTube vom Fernseher ins Netz verlagert und dort ist MTV nicht mehr erste Wahl.

MTV steht damit exemplarisch für einen Trend den wir in den nächsten Jahren verstärkt beobachten werden: TV (Bündelung) wird an Bedeutung verlieren und Videos (Einzelinhalte) werden an Bedeutung gewinnen. Ich werde versuchen einige Gründe für diesen Trend darzustellen und Implikationen aufzuzeigen.

TV verliert an Bedeutung

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Betrachtet man den Fernsehgeräte Markt zeichnen sich zwei große Entwicklungen ab:

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Kombiniert man diese beiden Trends kann man die Parallele zum Handymarkt ziehen. Auch dort wurde durch neue Geräte plötzlich das Internet attraktiv, was großen Einfluss auf die Handynutzung insgesamt hatte. Plötzlich ist das Telefonieren nicht mehr das wichtigste Feature sondern nur noch eines von vielen. Gleichzeitig ist z.B. die Videonutzung auf dem Handy rapide angestiegen. Ähnliches steht dem Fernsehen bevor:

  1. Fernsehhersteller werden versuchen sich zunehmend über Content in Form von Applikationen, Bewegtbildinhalten und Spielen zu differenzieren.
  2. Das Internet auf dem Fernseher wird dem Fernsehkonsum weh tun. Die Nutzer werden weniger fernsehen und dafür mehr alternative Applikationen und Inhalte nutzen.

Neben der neuen Konkurrenz durch das Internet auf demselben Screen sieht sich das Fernsehen einem massiven Unbundling durch das Internet ausgesetzt. TV ist ein Bündel aus Programmen, das die Auswahl und die zeitlichen Abfolge der Programme dem Konsumenten vorgibt. Diese Logik durchbrechen immer mehr User indem sie sich gezielt einzelne TV-Inhalte über das Internet ansehen. 33% der Amerikaner (59 Mio. Menschen!) schauen schon TV Serien im Netz insgesamt verschiebt sich die Videonutzung von User Generated Content hin zu TV-Inhalten.

Ein Trend den RTL und ProSieben mit ihrem angekündigten Joint Venture (ein europäisches Hulu?) aufgreifen und forcieren werden. Anbieter wie Netflix und Hulu aber auch kommende Startups werden ebenfalls diese Over the Top Chance nutzen und zu neuen Multichannel Video Programming Distributors mit globaler Reichweite und tiefen Taschen werden ohne dafür einen Anschluss oder einen TV-Kanal zu benötigen.

Video gewinnt an Bedeutung

Während das Fernsehen als Institution an Bedeutung verlieren wird werden die Fernsehinhalte in Form von Videos deutlich an Bedeutung gewinnen. Die Nachfrage nach diesen Inhalten steigt stetig – allein im letzten Jahr hat sich die online Sehdauer verdoppelt.

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Zur Nachfrage der Konsumenten kommt die Nachfrage von Plattformbetreibern und Consumer Electronics Herstellern. Beide benötigen (gute) Inhalte um sich zu differenzieren. Je mehr und einfacher Videos on demand auf den jeweiligen Geräten und Plattformen konsumiert werden können umso attraktiver werden sie für den Konsumenten. Wie weit diese Entwicklung gehen kann zeigt Seagate, die in Zukunft Festplatten nicht mehr leer sondern gefüllt mit Filmen ausliefern werden.

Chancen

Aus dem Bedeutungsverlust des Fernsehens und der wachsenden Bedeutung von Videos ergebnen sich meiner Ansicht nach drei Chancen.
Erstens können Dienste und Services den Fernseher als weitere Plattform mit eigenen Applikationen besetzen. Casual Games, Informationsdienste und TV-Widgets sind nur drei mögliche Typen von Applikationen, die dem Fernsehen den großen Screen im Wohnzimmer streitig machen könnten.
Zweitens profitieren Online Video Plattformen, wie Brightcove, Ooyala und thePlatform von dieser Entwicklung, denn das Verfügbarmachen von Videos on demand auf verschiedenen Plattformen, Diensten und Geräten will gemanaged werden.
Drittens profitieren Content Produzenten von der gesteigerten Nachfrage für ihre Inhalte. Auch wenn das Fernsehen perspektivisch an Bedeutung verliert werden sie in Summe besser dastehen als zuvor. Die Herausforderung ist durch geschickte Verhandlungen auf allen Plattformen und Geräten präsent zu sein und davon monetär zu profitieren.

Kommentare

Während die Verlage sich mit mäßigem Erfolg darum bemühen ihre Kunden zum Bezahlen zu animieren gibt es zunehmend Angebote, die mit Erfolg den Zugang zu Film- und TV-Inhalten gegen eine monatliche Gebühr anbieten. Wir erleben gerade die Geburtsstunde des PayTVs im Internet und anders als für Nachrichten sind die Nutzer bereit für Bewegtbildinhalte in die Tasche zu greifen – wenn das Angebot stimmt.

Vor kurzem hat Hulu seinen lang erwarteten Bezahlservice Hulu Plus gelauncht. Interessanterweise ist Hulu Plus keine werbefreie Version von Hulu sondern bietet einerseits Zugriff auf Katalogware (ganze Seasons alter TV Serien) und andererseits die Möglichkeit Hulu Inhalte auf alternativen Geräten zu konsumieren. Zum Start ist Hulu Plus für das iPad, das iPhone und Samsung-Geräte verfügbar. Das Interessante an diesem Angebot ist, dass Hulu annimmt den Nutzern sei der einfache Zugriff auf Katalogtitel über alternative Geräten knapp $10 im Monat wert. Sollte sich diese Annahme bestätigen ergeben sich viele neue Modelle, die auf einem ähnlichen Konzept beruhen könnten.

Deutsche Bemühungen

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Neben Hulu versuchen auch deutsche Anbieter für den Zugriff auf TV- und Filminhalte auf alternativen Geräten Geld zu verlangen. Sky hat eine iPad Applikation entwickelt, die Zugriff auf Live Streams und Statistiken von Sportevents bietet. Zwar ist diese Applikation im Moment für Sky Abonnenten kostenlos aber der Test läuft bald aus und es ist zu erwarten, dass sie dann Geld kosten wird (In UK können nicht Sky Abonnenten die Applikation für £35/Monat nutzen).

Auch RTL versucht sich darin über Applikationen seine Live-Streams zu Geld zu machen. Seit neustem können iPhone Kunden Teile des live Programms über eine iPhone Applikation empfangen. Dafür hätte RTL gerne – nach 30 Tagen kostenlosem Test – €1,59 im Monat. Wer nicht jeden Sender Einzel bezahlen möchte kann gleich zu Zattoo greifen. Dort erhält man für €2 im Monat Zugang zu live Streams der etablierten TV Sender und kann über den Browser auf die Programme zugreifen.

Leider ist die Value Proposition dieser Services ist deutlich schlechter als die von Hulu Plus, denn sie bieten weder mehr Inhalt noch weniger Werbung noch Zugang über mehrere Geräte. Die Applikationen erlauben lediglich den Zugriff auf die gleichen Inhalte an einem anderen Gerät. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser schwache Mehrwert den Kunden eine monatliche Gebühr entlocken wird.

Poster Child: Netflix

Es geht auch anders. Wie man ein erfolgreiches Streaming Angebot aufzieht für das die Kunden bereit sind zu bezahlen macht seit Jahren Netflix vor. Verfolgt der ehemalige DVD-Mailing Dienst seine Streaming-Strategie weiterhin so konsequent wie bisher wird er in Kürze der größte “PayTV” Anbieter der Welt werden und das ohne einen einzigen linearen TV Kanal. Alleine in den letzten drei Monaten hat Netflix über 1 Million neue Abonnenten gewonnen (PDF) und verzeichnet nun 15 Millionen zahlende Abonnenten. Zum Vergleich der größte Kabelnetzbetreiber in den USA, Comcast, hat 23,5 Millionen PayTV Abonnenten. Platziert man Netflix in das Ranking der Multichannel Video Programming Distributors (MVPD) steht der Dienst an Position #3 nach Comcast (23,5 Mio) und DirectTV (18,6 Mio) und vor Dish Network (14,3 Mio) und Time Warner Cable (12,8 Mio). Doch anders als die klassischen MVPDs wächst Netflix in atemberaubendem Tempo. Den Analysten wurden bis Ende des Jahres 18 Millionen Abonnenten versprochen (PDF), das bedeutet erneut eine Wachstumsrate von über 30% im Jahr – Werte von denen die klassischen MVPDs nur träumen können.

Netflix hat natürlich einen gänzlich anderen Hintergrund als die MVPDs. Eigentlich verschickte Netflix für eine monatliche Gebühr von $8,99 DVDs per Post an seine Kunden, die diese nach dem Anschauen wieder zurück schickten um die nächste DVD zu erhalten. Dies war der Regelfall bis die Firma vor drei Jahren mit Watch Instantly begann. Seitdem können Kunden Titel bei denen die Rechte geklärt sind direkt streamen statt sie sich per Post schicken zu lassen. In den letzten Jahren hat Netflix das streaming Angebot konsequent weiterentwickelt und mittlerweile ist Watch Instantly der wichtigste Treiber hinter dem Kundenwachstum.

Was macht Netflix so besonders?

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Watch Instantly ist ein kostenloses Zusatzfeature
Von Beginn an hat Netflix von seinen Kunden keine weiteren Gebühren für Watch Instantly verlangt sondern den Service kostenlos als Ergänzung zum existierenden Angebot bereitgestellt. Anders als z.B. RTL, das Gebühren verlangt um die Entwicklungs- und Distributionskosten wieder hereinzuholen, spart Netflix mit jedem über Watch-Instantly abgespielten Film Geld. Ein Roundtrip per Post kostet Netflix $0,90 während die Auslieferung eines Videos lediglich mit einem halben Cent zu Buche schlägt. Es ist also im ureigensten Interesse von Netflix möglichst viele Kunden möglichst schnell vom Streaming zu überzeugen.

Keine Werbung und premium Qualität
Obwohl Hulu betont die Akzeptanz bei einem bezahldienst Werbung zu sehen sei vorhanden, schmälert die Werbung doch die Attraktivität des Dienstes enorm. Netflix hingegen liefert großes Kino über das Internet ohne Werbung oder Ablenkung direkt nach Hause. Dank der Erfahrungen der letzten Jahre kann Netflix zudem mit die beste Videoqualität im Netz ausliefern.

Reiche Content-Auswahl
Netflix hat wohl eine der umfangreichsten Streamingbibliotheken der Welt. Reed Hastings war sogar bereit einen Teil des klassischen Verleihmarkts an Redbox abzugeben (aktuelle Titel) um Zugang zu mehr streaming Inhalten zu erhalten. Die seiner Zeit scharf kritisierte Entscheidung eine 28 Tage Sperre auf neue DVDs zu akzeptieren um den Studios mehr DVD Käufe zu bescheren erweist sich jetzt als weitsichtig. Denn als Ausgleich für dieses Entgegenkommen erhielt Netflix mehr Streamingrechte und exklusiven Zugriff auf TV-Inhalte wie z.B. Nip/Tuck, die Hulu somit verwehrt bleiben. Zudem hat Netflix angekündigt in Zukunft mehr in TV-Inhalte zu investieren und mehr Wert auf Exklusivität zu legen. Mit den 15 Millionen Abonnenten im Hintergrund hat Netflix finanziellen Spielraum um Inhalte (exklusiv) einzukaufen.

Technische Reichweite
Netflix hat als einer der ersten Anbieter konsequent einen Multi-Plattform-Ansatz verfolgt um so die Lücke zwischen dem Fernseher und dem Internet zu schließen. Netflix unterstützt alle drei großen Spielekonsolen, die meisten Internet Fernseher, iPads, Blu-Ray-Player und Internet-Boxen wie Roku. Mit diesen Plattformen ist Watch Instantly auf über 50 Millionen Geräten in den USA verfügbar und bis Ende des Jahres sollen es 100 Millionen Geräte sein. Diese Verbreitung ist eine hohe Eintrittshürde für andere Markteilnehmer. Hulu Plus ist zum Vergleich mit Unterstützung für Samsungs Blu-Ray-Player und iPads/iPhones gestartet. Mit seinem Multi-Plattform-Ansatz hat es Netflix zudem geschafft die klassischen Gatekeeper zum heimischen TV zu umgehen. Mit 50-100 Millionen Geräten adressiert Netflix einen deutlich größeren Markt als die normalen MVPDs, die meist regionalen Beschränkungen (DirectTV ist die Ausnahme) unterliegen und den Anschluss zusammen mit dem Content verkaufen müssen.

Recommendation Engine
Netflix besitzt wohl die ausgefeilteste Film Recommendation Engine weltweit. Allein die Verbesserung des Algorithmus um 10% hat in einem weltweiten Wettbewerb 3 Jahre gebraucht und den Gewinnern $1 Mio eingebracht. Im Empfehlungsalgorithmus steckt enorm viel Arbeit, Zeit und Geld und genau dies zahlt sich jetzt auch für den streaming Dienst aus. Müssen sich die Nutzer bei anderen Diensten wie Hulu mühsam ihre Inhalte zusammensuchen kann Netflix durch intelligente Vorschläge den Prozess optimieren und so dem Nutzer ein befriedigenderes Erlebnis verschaffen. Netflix ersetzt somit die lineare Programmierung eines TV-Kanals durch die Recommendation Engine, die den User mit den passenden Inhalten füttert.

Next Generation PayTV

Auch wenn sich Netflix wohl nie als PayTV Anbieter sehen wird, zeigt der Service doch wie das Angebot der nächsten Generation von PayTV-Playern aussehen könnte: Werbefreier Zugang zu einer breiten Auswahl an on demand Bewegtbildinhalten in hoher Qualität und das auf allen Geräten für eine moderate monatliche Gebühr.

Dieser Markt ist extrem attraktiv deshalb wird Netflix nicht mehr lange alleine seine Kreise ziehen. Mit Hulu Plus und TV Everywhere sind zwei Konkurrenten bereits gestartet und es ist anzunehmen dass Apple, Sony, Google und Amazon in Kürze auch entsprechende Angebote launchen werden.

Dieser Beitrag erschien im Rahmen der Gugel-Kolumne für das Blog des eVideo-Projektes der HTW Berlin. eVideo beschäftigt sich in ESF-geförderten, informalisierten Weiterbildungskursen mit verschiedenen Themen, um die Durchschlagskraft des Web 2.0 für die moderne Kommunikation zu erkunden.

Kommentare

Videos im Netz sind zum Standard geworden. Doch während es etwas stiller um die Videoseiten wird ergeben sich immer neue Einsatzmöglichkeiten und Herausforderungen im Videobereich. Video wird immer mehr zu einer Basis-Technologie auf die andere Dienste und Angebote aufsetzen. Daraus ergeben sich Geschäftsfelder, die in den letzten Monaten für viel Furore gesorgt haben. Allen voran die Videokommunikation, die durch Apple einen deutlichen Push bekommen hat, außerdem haben auch andere Felder wie das Screensharing, die Videotranscodierung oder die Videomanipulation neue Impulse bekommen.

Videokommunikation

Videocalls

Mit dem bevorstehenden Wechsel auf 4G Technologien im Mobilfunk stellt sich natürlich die Frage nach dem Killerfeature. Nachdem sich das Mobile Internet als 3G Treiber erwiesen hat müssen bandbreitenintensivere Dienste für den Abverkauf bei 4G sorgen. Diese Überlegungen hat sich auch Sprint gemacht, die ihre WiMax Initiative mit dem HTC EVO 4G vorantreiben. Dabei bietet das Gerät zwei wichtige Komponenten, die Video ins Zentrum rücken: Erstens eine Frontkamera zur Videokommunikation über Qik und zweitens einen HDMI Ausgang, der es erlaubt das Gerät direkt an den Fernseher anzuschließen. Diese Features erlauben es mit dem Handy Videocalls zu tätigen und seinen Fernseher bequem und einfach mit Medien zu bespielen indem man das Handy als Set-Top-Box-Ersatz nutzt.

Auch Apple geht mit dem neuen iPhone 4 in diese Richtung. Die Frontkamera ist der zentrale Unterschied zum iPhone 3 und mit Facetime will Apple der Videokommunikation (endlich) zum Durchbruch verhelfen. Dieses Anliegen hat auch Skype. Mit seiner neuen Plattformstrategie will Skype nicht mehr nur auf dem PC präsent sein sondern versucht direkt auf Consumer Electronic Geräten vorinstalliert zu werden. Dazu wird natürlich auf dem Fernseher die HD-Videochat Funktionalität in den Vordergrund gerückt.

All diesen Entwicklungen liegt eine robuste Videotechnologie zugrunde. Ohne die Fortschritte der letzten Jahre wäre keiner dieser Anwendungsfälle denkbar. Jede dieser Anwendungen benötigt eine schnelle und vor allem hochwertige Videocodierung. Zudem muss der Austausch der Videoinformationen quasi in Echtzeit erfolgen, Latenzzeiten sind vor allem bei Videokommunikation nicht akzeptabel, so dass die Video-Daten nicht nur schnell (de-)codiert werden müssen sondern auch noch schnell übertragen.

Screensharing

onlive

Screensharing wäre eigentlich streng genommen ein Unterpunkt der Videokommunikation. Angesichts der Möglichkeiten bietet es sich jedoch an noch einmal tiefer darauf einzugehen. Screensharing erlaubt es den Bildschirminhalt als Videostream an einen anderen Rechner zu übertragen. Die einfachste Form davon ist das klassische Screensharing, wie es zum Beispiel in Skype auch iChat implementiert ist. Mit Hilfe dieser Tools kann man seinen Bildschirm an einen anderen Nutzer übertragen. Doch das ist erst der Anfang.

Richtig Interessant wird es, wenn man Screensharing mit Services in der Cloud kombiniert. Das beste Beispiel dafür ist OnLive. Onlive erlaubt es auf so gut wie jeder Hardware extrem rechenintensive Spiele zu spielen indem der lokale Rechner lediglich den Input weiterreicht und den Videofeed des Servers darstellt. Natürlich ist der Service damit nicht an den Rechner gebunden sondern kann auf so gut wie jeder Plattform, die in der Lage ist Signale zu senden und Videos zu encodieren, genutzt werden. Crysis auf dem iPhone wird so ebenso Realität wie das gleiche Spiel auf dem Fernseher ohne Konsole lediglich mit einer kleinen günstigen Videobox.

Cloud-Gaming ist nicht das einzige Einsatzgebiet für Screensharing. Jede Anwendung, die enorme Rechenpower benötigt und gleichzeitig ein detailreiches Interface anbieten muss kann mittels Screensharing in die Cloud verlagert werden. Wichtig ist dabei natürlich, dass die Latenzen enorm gering sind, so dass zwischen Eingabe und Anzeige höchstens 250ms vergehen. Um das zu gewährleisten hat Onlive extra einen besonderen Videocodec entwickelt, der nicht auf einer Group of Pictures Kompression beruht (Spiele lassen sich nicht vorhersagen) und somit jederzeit aktuelle Bilder liefert.

Videotranscoding und -delivery

Das Anbieten von Videos im Internet wird im Moment nicht einfacher sondern zunehmend komplizierter. Anders als in der Vergangenheit, wo sich irgendwann ein Format gegen das andere durchgesetzt hat (z.B. VHS vs. Betamax) ist eine solche Entwicklung im Internet (noch?) nicht abzusehen. Viel mehr noch könnte es passieren, dass immer mehr Formate, Plattformen und Geräte bedient werden müssen. Ogg Theora, WebM, DivX und H.264 sind nur vier der möglichen Videoformate. Hinzu kommen verschiedenste Plattformen für Handys, Fernseher, DVD-Player und Spielekonsolen, die alle bedient werden wollen. Diese Komplexität wird in nächster Zeit noch weiter steigen bevor es besser wird.

Der “Plattformkampf” zwischen HTML5 und Flash hat gerade erst eine neue Wendung genommen. Zuerst sah es so aus als sei sich die Internetgemeinde einig und Flash dem Untergang geweiht. Doch nachdem YouTube gerade erklärt hat, warum HTML5 Flash in den nächsten Jahren nicht ersetzen wird dürfte klar sein, dass jeder Publisher von Videoinhalten mindestens zwei Plattformen wenn nicht sogar mehr unterstützen muss, will er dass seine Videos auf allen Geräten abspielbar sind. Das Bedeutet nicht nur, dass Videos zunehmend in unterschiedlichen Formaten vorliegen müssen sondern auch, dass die gesamte Logik um Videos wie Player, Tracking, AdServing und Streaming für jede Plattform aufbereitet werden muss.

Während dies eine schmerzhaft Entwicklung für Videoproduzenten ist, ist sie Vorteilhaft für alle Anbieter von Whitelabel Videolösungen. Nicht umsonst sind Ooyala, Brightcove und Co. ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht Videos und Werbung in HTML5 auszuliefern oder Videos auf das iPhone oder Android zu bringen. Je Komplexer die Technologie wird umso mehr werden Videoanbieter versuchen sich externes Know-How und fertige Lösungen einzukaufen um nicht für jede Plattform und jedes Format selbst tätig werden zu müssen.

Videomanipulation und -analyse

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Während es bei der Videokommunikation und beim Screensharing vor allem auf die schnelle Übertragung von Videos ankommt liegt der Fokus bei der Videomanipulation auf der Bildmanipulation und -analyse. Dienste wie YouTube analysieren Videos im Detail um zum Beispiel Urheberrechtsverletzungen festzustellen (Tipp: Gespiegelte Videos erkennt das System (noch) nicht). Zukünftig sollen diese Systeme auch Fragen beantworten können wie Wer ist Teil des Videos? Welche Szenen beinhaltet das Video? und Welche anderen Videos wurden verarbeitet? um darüber die Videosuche akkurater gestalten zu können.

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Auf der anderen Seite ermöglicht die Videoanalyse und -manipulation in Echtzeit augmented Reality Anwendungen. Die Bilddaten werden dazu entweder ergänzt um zusätzliche Informationen oder mit anderen Videobildern kombiniert, so dass sich eine neue Realität ergibt. Echtzeit ist erforderlich damit der User ein flüssiges Erlebnis erhält. Im einfachsten Fall wird die Videoinformation nur durchgeleitet und neue Ebenen auf das Videobild gelegt. Im komplexesten Fall werden die Bildinformationen analysiert und manipuliert.

Im Moment machen vor allem Spiele von diesen Möglichkeiten gebrauch, die auf den neuen Motion Controllern wie Microsofts Kinect oder Sonys PS3 Move basieren und den Nutzer durch eine Kamera ins Spiel versetzen. Daneben nutzen auch erste Handyanwendungen vergleichbare Technologien und matchen Videos mit Umgebungsinformationen.

Video ist in diesen Bereichen nicht mehr der primäre Fokus der Anwendungen sondern nur noch ein Mittel zum Zweck beziehungsweise lediglich ein “Hintergrund” auf den Informationen projiziert werden.

Videotechnologie als Enabler

Die vier angesprochenen Bereiche sollen die Spannweite der Entwicklung zeigen. Während das reine Anbieten von Videos immer mehr zu einer Commodity wird ergeben sich interessante Geschäftsfelder sowohl auf Basis von Videos als auch im Technologie-Bereich der Videos zugrunde liegt. Das eine Feld setzt Videotechnologien für die direkte Kommunikation und das Cloud-Computing ein während das andere Geschäftsfeld versucht Videos zu ergänzen, zu manipulieren und zu veredeln. Beide Felder stehen noch am Anfang haben aber vielversprechende Implikationen.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der monatlichen Gugel-Kolumne für das Blog des eVideo Projekts der HTW Berlin.

Kommentar

media_as_a_service_v09.008Google hat in den letzten Wochen ganz klar die Schlagzeilen rund um Internet-TV dominiert. GoogleTV und WebM sind sicherlich zwei wichtige Schritte nach vorne, wenn es darum geht Internet und Fernsehen zusammenzubringen und Video im Netz auf die nächste Stufe zu heben. Allerdings fehlt in den Bemühungen eine extrem wichtige Komponente: die Distribution.

Meiner Meinung nach macht Google einen fundamentalen Fehler mit GoogleTV: es verkauft alten Wein in neuen Schläuchen. GoogleTV ist letzten Endes nichts anderes als ein Interface für Fernseher, das den Zugriff auf andere Dienste erlaubt. Während dieses Interface geeignet erscheint zusätzliche Applikationen auf den Fernseher zu bringen löst es keines der existierenden Probleme des Fernsehens und macht den Fernsehkonsum an sich im schlimmsten Fall sogar noch umständlicher. GoogleTV bringt zwar das Internet und das TV-Gerät zusammen aber nicht das Fernsehen und das Internet.

Fernsehen ist eines der wenigen Medien, das komplett ohne Interface (oder mit einem extrem zurückgenommenen Interface) auskommt. In der Regel bedient der Nutzer seine Fernbedienung und braucht keine weiteres onscreen Interface. Dieses etablierte Bedienparadigma wird durch eine zunehmende Programmvielfalt und immer neue Set-Top-Boxen in Frage gestellt. Doch anstatt dem Nutzer einen wirklichen Mehrwert für seinen TV-Konsum zu bieten fügen die Internet-TV Lösungen in der Regel nur zusätzliche Komplexität hinzu. Das liegt darin begründet, dass niemand das existierende TV-Modell von A-Z hinterfragt sondern lediglich versucht wird on-top einen weitere Services zu etablieren. Ein typisches GoogleTV Setup wird demnach wahrscheinlich so aussehen: Kabelanschluss > Kabel-Box > DVR > GoogleTV > TV. Jeder Schritt zwischen Anschluss und TV fügt Komplexität und ein weiteres Interface hinzu.

Während in anderen Bereichen (Software as a Service) versucht wird Logik und offline Ressourcen ins Netz und somit in die Cloud zu verlagern geht Google mit GoogleTV den entgegengesetzten Weg und verlagert die Logik an die Ränder und dezentralisiert den Dienst.

Hybridmodelle werden scheitern

Kein Wunder also dass Steve Jobs der Meinung ist niemand kaufe sich eine weitere Set-Top-Box. Interessanterweise versucht gerade Apple den entgegengesetzten Ansatz und will TV in die Cloud verlagern. Das neue AppleTV soll dazu auf dem iPhone Betriebssystem basieren aber anders als GoogleTV soll die AppleTV Box lediglich die Verbindung zu einem Could-Service herstellen, wo die Inhalte und Abonnements gemanaged werden. Damit greift Apple Google auf einem Feld an das normalerweise zu Googles Kernkompetenzen (Netzinfrastruktur) gehört.

Eine Verbindung von Fernsehen und Internet kann nur funktionieren wenn der komplette Dienst End-to-End neu gedacht wird. Dazu muss die komplette TV-Distribution überdacht und neu gestaltet werden. Hybrid-Modelle (Satellit/Kabel und eine Internet Verbindung) werden es nicht schaffen eine einheitliche Experience zu erzeugen. Nur wenn das Broadcast-Signal über das Internet vertrieben und dort mit weiteren Informationen angereichert wird kann ein entsprechender Dienst von Erfolg gekrönt sein.

Das scheitern von Hybridmodellen liegt in fehlenden Metadaten und Schnittstellen des Rundfunks begründet. Schaut man sich heute einmal an, welche Metainformationen für TV-Inhalte zur Verfügung stehen sieht es sehr schlecht aus: Titel, Dauer und Startzeit sind die einzigen Informationen die mit Sicherheit für jede Sendung vorliegen. Thumbnail? Beschreibung? Fehlanzeige bei der Mehrzahl der Sendungen. Wüsste Google von jeder Webseite nur den Titel, die Dateigröße und das Datum wäre die Suche längst nicht so akkurat wie sie es heute ist. Solange GoogleTV oder vergleichbare Dienste nur auf diese “offiziellen” Metadaten zurück greifen werden sie nie die theoretischen Möglichkeiten ausschöpfen können.

Hinzu kommt, dass es extrem schwierig wird in einem Hybridmodell TV und Internet zu synchronisieren. Dabei kann die Verbindung zwischen Internet und TV in einem solchen Modell immer nur auf dem Endgerät hergestellt werden. Wenn also ein User zum Beispiel auf GoogleTV eine Stelle im TV-Programm kommentiert wäre dieser Kommentar zwar auch im Internet sichtbar aber ohne das dazugehörige Bewegtbild. Letztlich wäre auch eine Deviceshift des Dienstes nicht wirklich möglich. GoogleTV auf dem PC oder dem Handy gibt es nicht in einem Hybridmodell.

TV neu denken

Damit GoogleTV und ähnliche Dienste ein Erfolg werden müssen sie tiefer ansetzen. Sie dürfen nicht versuchen lediglich verschiedene lose Enden zusammenzuführen sondern müssen das komplette Problem lösen und das beginnt bei der Auslieferung von Bewegtbild im Internet. Nur Anbieter, die auch die Distribution der TV-Inhalte über das Netz anbieten werden Erfolg haben. Internet und TV müssen eins werden und zwar nicht nur im Interface sondern auch in der Distribution. Natürlich bedeutet das eine enorme Herausforderung für das Internet und die Sender aber anders wird es nicht funktionieren.

Internet und Rundfunk müssen verschmelzen

Was muss eine entsprechende Lösung leisten? Es gibt bereits erste vielversprechende Ansätze aus ganz anderen Bereichen, die eine Indikation geben. Im Realtime- oder Echtzeit-Web wurde die ehemals zeitversetzte Komponente des Netzes ersetzt durch eine Übermittlung von Daten in Echtzeit. Twitter ist sicherlich der bekannteste Vertreter dieser neuen Generation und ein gutes Beispiel dafür wie man mit TV Streams umgehen könnte.

Twitter schafft es durch die vielen Nutzer quasi einen konstanten Datenstrom zu erzeugen, der in Echtzeit an ein Massenpublikum übertragen wird. Twitter sendet Tweets an über 75 Millionen User und verarbeitet pro Sekunde mehr als 440 Tweets. Dieser konstante Strom an Informationen ist vergleichbar mit dem was einen TV-Stream ausmacht. Auch dort werden jede Sekunde Informationen in einer ähnlichen Dimension ausgeliefert.

Jeder dieser Tweets besteht zwar sichtbar nur aus 140 Zeichen aber darunter liegen sehr viel mehr Informationen. Twitter weiß zum Beispiel von wo ich den Tweet gesendet habe und welches Programm ich dafür genutzt habe. Zudem hat jeder Tweet eine eindeutige ID und eine eigene URL. Darüber hinaus gibt es natürlich noch jede Menge weiterer Metadaten und es geht sogar soweit, dass man mittels Twitter Annotations selbst weitere Felder ergänzen kann. All diese Informationen macht Twitter für Partner in echtzeit zugänglich, so dass sich Twitter von einem Dienst hin zu einer Plattform entwickelt hat.

Dieser kleine Exkurs illustriert was dem Rundfunk im Internet fehlt. Während für 140 Zeichen auf all diese Informationen und Möglichkeiten zurückgegriffen werden kann sind Rundfunkinhalte immer noch nicht im Web angekommen. Ja, mittlerweile wurden einige Sendungen im Web platziert aber darum geht es nicht, der Echtzeitstream des Fernsehens bleibt dem Web im Moment verschlossen. Ein Äquivalent zu Twitters Firehorse oder Facebooks Graph API fehlt dem Fernsehen komplett.

Wenn man also TV aus dieser Black-Box befreien will um die Verschmelzung von Internet und Rundfunk voranzutreiben, dann müssen nicht nur die Fernsehstreams ins Internet wandern sondern diese müssen in eine Plattform integriert werden, die zumindest die folgenden drei Kriterien erfüllt:

  1. Die Inhalte müssen programmierbar sein. Das bedeutet andere können über definierte Schnittstellen darauf zugreifen, Inhalte filtern, abrufen und darauf aufbauend Neues erstellen.
  2. Die Inhalte müssen für alle zugänglich sein. eigentlich sollte jede Sekunde einer Rundfunkübertragung über eine Internetadresse verfügen, denn nur so können andere genau auf diese Sekunde zugreifen, diese Sekunde weiterleiten und anderen Mitteilen.
  3. Müssen die Inhalte über ein Syndikationsmodell verfügen. Es hilft ja nichts, wenn die Inhalte programmierbar und zugänglich sind aber über juristische Schranken verfügen, die die Verbreitung verhindern.

Fernsehen als gleichberechtigter Teil des Webs

Wir bewegen uns weg von einem festen Rahmen, der dem Nutzer vorgibt, wann und wie er einen Inhalt zu konsumieren hat. Statt dessen verwenden Nutzer zunehmen das gerade zur Verfügung stehende Gerät um ihr Konsumbedürfnis zu befriedigen. Sie sehen den Inhalt den sie wollen, wann immer sie wollen und das mit dem Geräte das sie gerade JETZT zur Verfügung haben. Das bedeutet letztlich, dass jede Initiative, die nur darauf abzielt Internet und das TV-Gerät zusammenzubringen zu kurz springt.

Die Nutzer wollen die gleiche TV-Experience und die gleichen Möglichkeiten auf dem Handy, dem iPad oder dem Notebook. Sprich Rundfunk und Internet müssen zwangsläufig verschmelzen sonst wird dies nicht funktionieren. Somit sollte es das Ziel sein eine umfassende und fesselnde Experience über alle Geräte hinweg zu erschaffen. Dazu bedarf es einer WebTV Plattform und nicht einer weiteren Box im Wohnzimmer.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der monatlichen Gugel-Kolumne für das Blog des eVideo Projekts der HTW Berlin.

Kommentare

Letzte Woche hatte ich überlegt, wie Google mit Hilfe der Kabelnetzbetreiber den Telcos das Leben schwer machen könnte. Kerngedanke dabei war es das Fernsehen komplett auf IP umzustellen. Dazu kam natürlich der Einwand: Das Internet wurde nicht für Fernsehen gemacht und kann die benötigten Datenmengen nicht bedienen. Dieses Argument möchte ich einmal näher betrachten und analysieren, was überhaupt an Bandbreite und Traffic benötigt würde, wenn Fernsehen auf IP umgestellt würde. Dazu gibt es drei Bereiche, die zu betrachten sind: 1) Die Bandbreite auf der Last Mile, 2) die Bandbreite im Backbone und 3) die Kosten.

Es gibt nicht genügen Bandbreite auf der “Last Mile”.

Ralf Becker hat zu hat richtigerweise folgenden Einwand zum Thema Bandbreite auf der letzten Meile angeführt:

Die Annahme, man könne die Kabel-TV-Leitungen wie beim IPTV der Telcos einfach auf IP umstellen funktioniert leider nicht – das ist der Todesstoß für das beschriebene Szenario. Einfacher Grund: im Gegensatz zur Telco-Line sind TV-Kabel shared medium, d.h. das Mehrfamilienhaus (und das ist das Groß der Anschlüsse) hat einmal die x Mbit oder eben das GBit, muss sich diese Bandbreite aber mit allen Parteien teilen.

Das Problem beim Kabel liegt daran, dass die Anschlüsse aufgesplittet und dann einzeln mit dem Backbone verbunden werden müssen, sobald die benötigte Bandbreite eines Kabelstrangs die verfügbare Kabelbandbreite überschreitet. Um zu beantworten, wann dies der Fall ist muss man zuerst betrachten, wieviel Bandbreite das Kabel überhaupt bereitstellen kann um dann daraus abzuleiten wieviele Haushalte ein Kabel bedienen kann.

Normalerweise stellt das Kabel zwischen 550 und 700 MHz an Spektrum bereit. Mit dem neuen Data Over Cable Service Interface Specification (DOCSIS) 3.0 Standard können beliebig viele Kabelkanäle (6 MHz in den USA und 8 MHz in Europa) für die Datenübertragung verwendet werden. Ein 6 MHz Kabelkanal stellt nach DOCSIS einen Downstream von 42,88 Mbps zur Verfügung. Würden die Kabelnetzbetreiber das komplette Spektrum für den Datenverkehr öffnen könnten sie somit eine Bandbreite zwischen 3,9 Gbps und 5 Gbps mit DOCSIS 3.0 erzielen. Die Kabelnetzbetreiber sind darüber hinaus gerade dabei neue Standards und Wege der Datenübertragung über Kabel jenseits von DOCSIS zu erforschen uns sind sehr optimistisch, dass damit noch deutlich mehr als 5 Gbps möglich sind. Sprich ein Kabel könnte – stand heute – auf jeden Fall mindestens 4-5 Haushalte versorgen, ohne gesplittet zu werden, damit ist es gar nicht mehr so unrealistisch auch Mehrfamilienhäuser damit abzudecken.

Neben den Restriktionen des Kabels wird gerne angeführt, dass die Bandbreite für HD nicht ausreichen würden, vor allem Marc Cuban wird nicht müde auf diese Probleme hinzuweisen:

Deal with it. Internet bandwidth to the home places a cap on the quality and simplicity of video delivery to the home, and to HDTVs in particular. Not only does internet capacity create an issue, but the complexity of moving HDTV streams around the home and tp the HDTV is pretty much a deal killer itself.

HD-Streams für digitales Kabel über DVB-C können maximal mit 64 Mbps codiert werden. Angenommen man wäre so vermessen und würde im Internet keine Codec-Optimierung betreiben und die Maximalstreams 1:1 gleich codiert ausliefern, könnte man mit 1 Gbps immer noch 15 HD-Streams parallel ausliefern, was für so ziemlich jeden Haushalt ausreichen sollte. Wahrscheinlich würden für die Mehrzahl der Haushalten bereits 500 Mbps oder weniger ausreichen.

Es gibt nicht genügend Bandbreite im Backbone.

Marc Cuban betont ebenfalls des öfteren, dass man das Internet bitte nicht mit Video- und TV-Traffic überlasten solle:

Of course the internet can support video, but it cant do it as well as the current digital cable and satellite distributors can, nor is there a profit model that would ever incent content providers to switch their content from the internet to TV. [...] In the event some form of ubiquitous entertainment comes first , takes over the net and saturates it, how is the FCC going to solve the bandwidth traffic jam ? They wont ever be able to put the bandwidth genie back in the bottle. Screaming at broadband providers to spend the money wont work any better than screaming to expand highways helps to alleviate rush hour traffic.

Die Antwort auf diese Herausforderung ist deutlich schwieriger. Denn, wie groß ist der Bandbreitenbedarf wirklich? Was kostet es im Vergleich zu den traditionellen Übertragungswegen, und wieviel Traffic kann das Netz verkraften?

Nimmt man die deutschen TV Zuschauer (72,23 Millionen [Alle Zahlen zu Sehern, Haushalten, Sehdauer und Sehbeteiligung kommen von der AGF) und deren Sehdauer auf das Jahr gerechnet, so würde der Fernsehkonsum, wenn jeder einen einzelnen Stream mit 2 Mbps (das entspricht der YouTube HD Bitrate) empfängt, pro Jahr ca. 83.837.361 Terabyte (83,8 Exabyte) an Traffic verursachen. Dahingegen wären es 41.193.243 Terabyte (41,2 Exabyte) pro Jahr, wenn jeder Haushalt nur einen Stream für jeweils diese Sehdauer empfängt. Die korrekte Zahl liegt wohl irgendwo in der Mitte der beiden Extreme. Um die Zahl in Relation zu setzen kann man den gesamten Netz-Traffic betrachten. 2010 soll der globale IP Traffic 256,4 Exabytes sein. Damit würde TV über IP 32% bzw. 16% des gesamten IP-Traffic-Aufkommens 2010 ausmachen.

Die benötigte simultane Bandbreite liegt zwischen 32-65 Terabits pro Sekunde (Tbps), wenn man davon ausgeht, dass 45% der Haushalte und Seher simultan fernsehen. Zum Vergleich Akamais Traffic Peak lag bei 3,45 Tbps und der größte deutsche Internet Knoten DE-CIX hat bis jetzt einen Peak von 2 TBps verzeichnet. Aber es gibt Hoffnung: Cisco hat neue Router vorgestellt. Der CRS-3 kann 322 Tbps verarbeiten, das ist genügend Bandbreite, um jedem Chinesen einen gleichzeitigen Videoanruf zu ermöglichen.

Die Kosten

Doch nun zur wichtigsten Frage: Was würde es Kosten TV über IP zu verbreiten? Angesichts des Volumens ist es schwer einen Vergleichswert zu finden aber angenommen ein Gigabyte kostet genau soviel wie Netflix dafür bei Akamai bezahlt (1,5 Cent), dann würden die Auslieferung jedes Jahr zwischen 617 und 1.257 Millionen Euro kosten. Oder anders ausgedrückt kostet es 17,41 Euro im Jahr einen Zuschauer mit IP Streams zu beliefern, das wären 13% der 130 Euro, die die Sender jedes Jahr pro Zuschauer an Werbung einnehmen (9,39 Mrd. Euro Werbemarkt / 72,2 Mio Zuschauer).

Um die Kosten besser einschätzen zu können, auch hier ein paar Vergleichszahlen. SES Astra, der Satelliten-Betreiber, macht jedes Jahr mit Deutschen Kunden (PDF) 393,3 Millionen Umsatz. Kabel Deutschland machte Q2-Q4 2009 mit seinem Kabelgeschäft 677 Mio. Euro Umsatz (PDF). ProSiebenSat.1 hatte 2009 einen Marktanteil von 22% und Vertriebskosten (PDF) in Höhe von 396 Millionen (Unter den Vertriebskosten werden im Wesentlichen Übertragungskosten, Personalaufwendungen sowie Marketingaufwendungen ausgewiesen).

Fazit

Betrachtet man die drei Problemfelder sind wohl die Kosten und die Bandbreite auf der letzten Meile weniger das Problem als viel mehr die Backbone Kapazität, die durch die Umstellung von Broadcast auf IP enorm erhöht werden müsste. Im Moment kann das Internet wohl weder den Traffic noch die Peaks bedienen. Allerdings sind die Technologien vorhanden um es möglich zu machen und die erwartete Verfünffachung des Traffics in den nächsten fünf Jahren spricht eine deutliche Sprache wohin die Reise gehen wird. Wie Marc Cuban richtig anmerkte: Man kann den Geist nicht wieder in die Flasche zurückstecken ;)

Kommentare

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Google hat ein Problem. Der Federal Court hat gerade festgelegt, dass die FCC (Federal Communications Commission) kein Recht hat die Netzneutralität durchzusetzen. Damit haben Comcast und andere ISPs freie Hand, wenn es darum geht z.B. Bittorrent Traffic zu drosseln oder eigene Dienste bevorzugt über das Netz zu schicken.

Vor allem seit Google YouTube übernommen hat findet sich der Konzern immer wieder im Kreuzfeuer der ISPs, die behaupten Google würde einen “Free Ride” auf ihren Netzen vornehmen ohne, dass dabei etwas greifbares für die Netzbetreiber herausspringt. Es stimmt zwar, dass Google kaum etwas für die benutzte Bandbreite bezahlt, weil es über enorme Peering-Kapazitäten (Traffic-Tausch) verfügt, trotzdem erinnert gerade das neuste Lamento der Europäischen Telcos sehr an das leidlich bekannte Google-Bashing der Verleger.

Doch anders als die Verleger sind die Telcos (noch) nicht so von Google abhängig, dass sie der Suchmaschine durch nachteilige Behandlung des Google-Traffics nicht Schaden zufügen könnten. Gerade vor diesem Hintergrund macht es Sinn für Google nach Wegen zu suchen, wie man die Telcos aus dem Spiel nehmen kann.

Ein erster möglicher Ansatz wurde in den USA mit dem Gigabit Experiment gestartet. Dabei will Google Haushalte mit einem Gigabit anbinden und stellt nebenbei noch die “Last Mile” anderen Netzwerken zur Verfügung, so dass die Netzwerke nicht mehr auf der letzen Meile sonder im Kern konkurrieren. Eine radikale Abkehr von den traditionellen Netzwerkinstallationen in den USA. Natürlich sind die 50.000-500.000 Haushalten, die angeschlossen werden sollen, maximal ein Tropfen auf den heißen Stein, weshalb diese Initiative nicht die ganze Antwort sein kann.

Welches Produkt bietet Google an?

Das Experiment gibt jedoch einen Anhaltspunkt darauf, wie Google gedenkt die Telcos aus dem Markt zu drängen. Google geht dabei wie einst Apple vor. Apple war mit dem iPhone und dem iPod nicht der erste Anbieter und auch nicht der Anbieter mit den meisten Features, aber Apple hat die Regeln für beide Produktklassen verändert, so dass die etablierten Anbieter plötzlich mit Produkten konkurrierten, die in der Wahrnehmung der Kunden Meilenweit der Konkurrenz voraus waren. Etwas ähnliches plant auch Google. Der Zuspruch zum Experiment und die dadurch ausgelöste Euphorie zeigen wie sehnlich Endkunden, Städte und Gemeinden auf ein solches Angebot warten (Google Czar?, Google Kansas?)

Google will mit dem Angebot nicht alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen (Triple-Play oder was auch immer) sondern schafft eine neue Produktklasse mit der die Telcos vorerst nicht konkurrieren können. Das zeigt der Anspruch einer Gigabite Anbindung deutlich. Google will nicht einfach ein wenig schnelleres Internet in die Wohnungen legen sondern die schnellst mögliche Anbindung bereitstellen. Und wenn Google soviel Bandbreite in die Häuser legt, dann gibt es dafür nur einen Grund: Google wird über diese Leitungen massiv Videos, Filme und andere Bewegtbilder pushen. Diese Anbindung macht nur Sinn, wenn man mit dem Anschluss den entsprechenden Content mitgeliefert bekommt, der die Bandbreite auch ausschöpft.

Gelingt Google diese Bündelung haben die Telcos ersteinmal nichts mehr zu lachen, denn mit viel Anstrengung könnten sie vielleicht eine vergleichbare Bandbreite anbieten aber den Mix aus Bandbreite und bandbreiteninstensiven Services werden sie über Jahre hinaus nicht haben.

Wie kommt Google in den Markt?

Wie Will Richmond richtig vorrechnet ist es sehr teuer Fiber in jedes Haus zu legen. Er geht davon aus, dass das Experiment bis zu $750 Millionen kosten könnte. Aber gerade in Deutschland gibt es eine günstige und sehr attraktive Alternative zu diesem Vorgehen. Google könnte in Deutschland mit den Kabelnetzbetreibern kooperieren, denn in jedem Kabelhaushalt liegt bereits ein Anschluss der theoretisch deutlich über 1 Gbps Daten transferieren kann: das Coaxial-Kabel. Die Kabelnetzbertreiber sind ja bereits dabei ihre Limits auszutesten. 100 Mbps über Kabel Deutschland und 200 Mbps über Virgin Media (UK) gibt es bereits.

Um >1 Gbps via TV-Kabel zu übertragen müssen die Kabelnetzbetreiber aber einige Änderungen vornehmen, die gerade die Zusammenarbeit mit Google so wichtig machen.

  1. Die Coaxial-Kabel müssen relativ schnell nach dem Haus direkt an Backbones angebunden werden, ansonsten seht jedem Haushalt nur die Maximal mögliche Bandbreite geteilt durch die Teilnehmer zur Verfügung.
  2. Die Kabel Anbieter müssten TV abschalten und Frequenzen für den Datenverkehr frei machen.

Beim 1. Problem kann Google mit seinen massiven Dark-Fiber Kapazitäten und den vielen Rechenzentren helfen. Google könnte die Konnektivität im Backbone somit gewährleisten.

TV Umstellung auf IP

Die Lösung des 2. Problems ist deutlich komplexer, dafür aber auch um ein vielfaches disruptiver. Im Moment befinden sich die Kabelnetzbetreiber mitten in einem Technolgiewechsel. Sie müssen ihre Kunden davon überzeugen vom analogen Kabel auf DVB-C umzusteigen. Dazu müssen sie ihre Kunden entweder einen DVB-C Reciever zur Verfügung stellen oder ihnen den Kauf eines solchen nahe legen. Darüber hinaus bedeutet diese Umstellung, dass sie im Moment sowohl analoge als auch digitale Sender übertragen und zusätzlich dazu auch noch Spektrum für IP reservieren müssen.

Würden die Kabelnetzbetreiber jetzt auf IP umsteigen würden sie sich meiner Meinung nach einen Umstieg auf eine tote Technologie sparen. Wie Blu-Ray wird DVB-C zwar eine Marktpenetration erreichen, aber es ist von Anfang an klar, dass diese nicht von langer Dauer sein wird. Der IP Switch wird kommen und wenn die Kabelnetzbetreiber schnell handeln, sparen sie sich einen Technologiewechsel (DVB-C). Um den Umstieg auf komplett IP zu vollziehen benötigen die Kabelkunden eine IP-Box an ihrem Fernseher und hier kommt ebenfalls wieder Google ins Spiel. Google könnte mit der YouTube Infrastruktur, die technische Abwicklung übernehmen und die notwendigen Boxen bereitstellen. Nicht zuletzt arbeitet Google gerade an einer eigenen Google TV Set-Top-Box.

A strategic fit

Eine Allianz der Kabelnetzbetreiber mit Google in diesem Ausmaß hätte für beide Beteiligte enorme Vorteile:

  • Google hätte die Kontrolle über die Auslieferung seiner Services bis hin zum Endkunden und müsste sich über Netzneutralität keine Gedanken machen.
  • Google kann noch bandbreitenintensivere Services anbieten (HD-Filme, HDTV, Videokonferenzen, …).
  • Die Kabelnetzbetreiber können ihren Kunden ein konkurrenzloses Produkt anbieten, das ihnen die Telcos auf Jahre vom Leib hält.
  • Die Kabelnetzbetreiber können ihren Kunden einen guten Grund liefern in eine direkte Kundenbeziehung einzutreten.
  • Die Kabelnetzbetreiber kooperieren mit einem der Technologieführer im Internet und können so ihre Netze intelligenter und besser machen.

Disrupt the Telcos

Internetzugänge werden zur Commodity. Schon Heute sind die Wachstumsraten im Zugangsgeschäft bescheiden und einziger Silberstreif am Horizont ist das Mobile Internet, bei dem man hofft auf einige Jahre hinaus noch gute Margen zu erzielen, aber auch dort wird die Unterscheidbarkeit schnell nachlassen.

Gerade deshalb wäre der Markteintritt von Google mit einem Entertainment-Produkt, das sich nicht mit den klassischen Telco-Produkten vergleichen lässt so spannend. Google würde zwar zusammen mit den Kabelnetzbetreibern einen Anschluss bereitstellen, aber dies nur um den Nutzer die eigenen bandbreitenintensiven Services (TV, Video, Bewegtbild) in ausreichender Qualität zur Verfügung zu stellen und nicht auf den Goodwill der Telcos angewiesen zu sein. Was dann passiert hat Umair Haque schön beschrieben:

In a hyperconnected world, as media players are finding out the hard way, mere stuff’s a commodity. Service economics are superior: services are less risky, less capital intensive, higher skill, higher loyalty, and dramatically less imitable. The result is that service-centric businesses tend to have higher margins and create significantly more value than product-centric businesses. That’s why every economy (and sector) that transitions past the industrial era is built on them.

Es geht also nicht darum noch einen Internetanschluss anzubieten, sondern einen Service, der die User bindet. Was für ein gutes Geschäft man mit Services machen, kann hat Google gerade wieder in seinem Quartalsbericht gezeigt.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der monatlichen Gugel-Kolumne für das Blog des eVideo Projekts der HTW Berlin.

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