HD Videos im Internet

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der monatlichen Gugel-Kolumne für das Blog des eVideo Projekts der HTW Berlin.

hd_inhalteHD ist nicht gleich HD. Diese Aussage wird in nächster Zeit immer öfter zu hören sein, denn spätestens seit jeder Internetvideo-Dienst über einen HD-Button verfügt müssen sich die etablierten HD-Anbieter abgrenzen. Fernsehsender, Kabelnetzbetreiber, Satellitenanbieter und Blu-Ray/HD DVD-Player-Hersteller müssen plötzlich erklären warum ihr HD besser ist als „Internet-HD“, denn zuerst wird HD über die angezeigten Bildpunkte definiert, die sich nicht unterscheidet.

High-definition television (or HDTV) is a digital television broadcasting system with higher resolution than traditional television systems

Natürlich ist die Auflösung des Bildes nur die halbe Wahrheit, denn am Ende ist ein bis zur Unkenntlichkeit komprimiertes HD-Bild auch kein Spass. Nichts desto trotz wird dies eine sehr interessante Diskussion werden, vor allem in einem Land, wie Deutschland in dem der „normale“ Zuschauer noch gar nicht weiß, wie HD eigentlich aussieht, da sich die FreeTV-Sender bisher lediglich auf vereinzelte Tests eingelassen haben. Wer aus dieser schwierigen Diskussion am Ende als Sieger hervorgehen wird, ist nicht abzusehen.

Natürlich können HD-Videos im Internet (noch) nicht mit den momentan für HD eingesetzten Bitraten konkurrieren. Die Bitraten für HD liegen in der Regel zwischen 10 (Satellit) und 40 (Blu-Ray) Mbps. Dem stehen im Internet typischerweise Bitraten zwischen 1,5 und 4 Mbps gegenüber.

Auf den ersten Blick scheint die Angelegenheit damit klar, doch nicht immer bedeutet eine höhere Bitrate auch eine bessere Qualität. Zum einen werden oftmals Codecs von unterschiedlicher Qualität (MPEG-2 vs. H.264) verwendete, zum anderen gibt es auch bei gleichen Codecs durchaus viel Potential, das durch die richtigen Encoder Einstellungen gehoben werden kann und schließlich ist auch ein 40 Mbps HD Video im Vergleich zur Original (ca. 3000 Mbps) im Verhältnis 1:75 komprimiert.

h264_encoding_comparisson

Dass man bei einem Viertel der Bandbreite (500 Kbps vs. 2 Mbps) trotzdem eine bessere Bildqualität erzielen kann, wenn man das Video richtig encodiert zeigt Fabio Sonnati sehr eindrucksvoll in obigem Beispiel. Überhaupt loht es sich sein Blog zu besuchen, wenn man verstehen will wie man Codecs ans Limit führt – eine schöne Einführung liefert auch sein Vortrag auf der MAX Conference.

Ausgehend vom Spannungsfeld bessere Codecs und Encodierung vs. höhere Datenraten gibt es drei Gründe, die stark dafür sprechen, dass HD-Videos im Internet funktionieren werden:

  1. Die Codecs werden besser.
    Die Möglichkeiten von H.264 bei der Kompression sind noch bei weitem nicht ausgeschöpft und darüber hinaus gibt es bereits Bemühungen den nächsten Schritt zu machen. Wir werden also zunehmend besser encodierte Videos mit geringeren Bitraten sehen.
  2. Die Bandbreiten werden höher.
    In Deutschland haben laut Akamai 15% der End-User Breitbandverbindungen mit mehr als 5 Mbps und 78% der User haben über 2 Mbps zur Verfügung. Dies sind Bandbreiten, die durchaus HD-Streams ermöglichen. Damit nicht genug, die ISPs versuchen sich (immer noch) über Geschwindigkeit zu differenzieren, doch Breitbandverbindungen von 32100 Mbps wird der durchschnittliche Internetuser nur für HD-Video benötigen. Es liegt also im Ureigenen Interesse der Anbieter hier eine Nachfrage zu schaffen.
  3. Die Fehlertoleranz wird größer.
    Adaptive Streaming löst die größten Probleme bei der Quality of Service, denn mit adaptive Streaming bricht der Stream nicht ab, wenn der Mitbewohner plötzlich anfängt massiv Dateien herunterzuladen. Der Server reagiert intelligent auf sich verändernde Bandbreiten und liefert einen alternativen Streams mit geringerer oder größerer Bandbreite. Damit erreicht man zwar nicht immer Broadcast HD-Qualität, doch die Qualität reicht bei weitem aus um dem User einen guten und bequemen Bewegtbildkonsum zu ermöglichen und oftmals ist Good enough eben genau das: gut genug. YouTube hat schließlich mit der Optimierung der Time to first Bit enorme Erfolge erzielt.

Schließlich bleibt die Frage ob HD in einer 40 Mbps Ausprägung wirklich notwendig ist oder ob das Netz – ähnlich wie bei MP3 – Qualität der einfacheren Handhabe der Datenmenge opfert:

MP3s entered at the bottom of the market, were ignored, and then turned the music business upside down. […] better-sounding options have hardly gained any ground on the lo-fi MP3. The big advance—the one that had all the impact—was the move to easier-to-manage bits. Compared with that, improved sound quality just doesn’t move the needle.

All diese Puzzelteile werden meiner Ansicht nach dazu führen, dass wir in Zukunft immer mehr HD Inhalte over the top sehen werden und die User sich an die Internet HD-Qualität als Referenz gewöhnen werden.


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