Tweek TV – neuer social TV Guide aus Berlin

Seit Monaten arbeitet Tweek TV im Stealthmode am einem TV Guide, der Facebook Daten und hochwertiges Design kombiniert. Diese Kombination soll zu einem neuen Discovery-Layer für Bewegtbildinhalte führen, der den Nutzern bei der Auswahl des Programms und Inhalts hilft und somit dem Nutzer die Qual der Wahl des richtigen Films oder der richtigen Serie erleichtert.
Gerade hat Tweek TV eine erste Seedfinanzierungsrunde im hohen sechsstelligen Bereich von bmp media investors, CATAGONIA Capital und der Euroserve Media GmbH abgeschlossen. Ein guter Zeitpunkt um mit Marcel Duee, einem der Gründer, über die nächsten Schritte, Tweek TV und den Bewegtbildmarkt im Gesamten zu reden.

Interview mit Marcel Duee

Ihr habt gerade eine Seedfinanzierung abgeschlossen. Was ist der Elevator Pitch von Tweek TV?

Tweek TV macht aus deinem sozialen Graphen einen TV Guide. Das ist der Elevator Pitch, wenn man nur einen Stock fährt. Die Grundidee ist, dass schon sehr viele persönlich relevante Datenpunkte im Socialweb vorhanden sind und dass wir diese benutzen um dir eine sehr schöne first-time Userexperience in unserem Produkt zu bieten. Das Ziel des Produktes ist es mithilfe dieser Daten eine neue Form der Entdeckungsoberfläche für Video- und TV-Inhalte zu etablieren.

Das heißt das Ziel ist im Endeffekt, dass wenn du abends nach Hause kommst und den Fernseher einschaltest du zusätzlich dazu Tweek TV einschaltest um dich darüber zu informieren was es spannendes gibt. Du bekommst eine besondere Auswahl und diese besondere Auswahl bestimmt sich aus den Interessen und dem Konsumverhalten deiner Freunde und von dir selbst. Wir zeigen dir was deine Freunde toll finden im Fernsehen aber auch an Video on Demand Inhalten und bereiten es auf. Zudem versuchen wir dir für viele der Inhalte einen legalen Zugang zu zeigen je nachdem wo du gerade bist und auf welchem Gerät du unterwegs bist.

Letztens habe ich mit Ian Blain dem CEO von thePlatform gesprochen und er meinte Discovery sei das letzte ungelöste Problem in diesem Bereich. Wie viel Potential seht ihr in diesem Bereich? Wie groß kann Tweek TV werden?

Wir sind sehr enthusiastisch und sehen unglaubliches Potential. Ich habe neulich die Rede von Eric Schmidt vor den Medienvertreter in Großbritannien gesehen, wo er relativ drastisch sagt „‚Content is King‘ is over“. Content ist heute überall. Das ist nicht unsere Message wir versuchen sehr eng mit Content-Anbietern zusammen zu arbeiten und haben auch ein gutes Angebot für sie und glauben, dass wir ein Produkt bauen, das ihren Inhalten hilft.

Aber auch Eric Schmidt meinte das nächste große Problem ist die Discovery. Er brachte dann einen sehr netten Zusatz: Wenn Discovery König ist dann ist Social die Krone. Das passt sehr gut in die Kerbe in die wir schlagen. Wir sehen Discovery als ein extrem ungelöstes Problem und als einen Punkt wo wir sehr gut ansetzen können. Wir sehen es als einen zentralen Aspekt für Tweek TV, denn wenn du den Nutzer in der Discovery gewinnst, dann ist das ein toller Interaktionspunkt mit dem Endnutzer, weil es sich um ein sehr habitualisiertes Konsumverhalten handelt. Wenn Tweek TV diese TV Guide Funktion bei einem Großteil der Nutzer einnimmt, dann kann man da noch ganz viel andere tolle Sachen dazu überlegen. Das wäre dann nicht nur auf die Discovery beschränkt.

Also als ersten Schritt ersetzt ihr alle gedruckten TV-Zeitschriften und im zweiten Schritt ersetzt ihr alle Shops und lasst alles über eure Plattform laufen?

Nein, das wird nicht passieren. Das ist gegen unser Grundverständnis und deshalb meinte ich gerade, dass wir mit den Content-Anbietern zusammenarbeiten möchten und wir auch ein gutes Angebot für sie haben. Wir werden nie vertikal integrieren, das ist nicht die Absicht. Wir werden nicht selber Inhalte verkaufen, oder verleihen oder eine Billing-Infrastruktur aufbauen. Wir linken immer raus zum Inhalteanbieter. Wir bleiben eine dünne Discovery Oberfläche.

Ihr seht also einen Bedarf im Web, dass es einen Discovery-Layer braucht. Was ist die Vision zur Zukunft des Bewegtbildmarktes. Gibt es in Zukunft diese Discovery-Layer, einen Shopping-Layer und irgendwo noch die klassischen Fernsehsender? Wie sieht das Ökosystem aus und wie passt ihr dort hinein?

Wir sehen auch stark den Secondscreen und nicht zwingend nur das Web. Es wird im Ökosystem sowohl vertikale als auch horizontale Integrationsbewegungen geben. Ich glaube schon weiterhin, dass die Content-Anbieter eine sehr starke Position haben, weil es existierende Content-Anbieter gibt, die eine Marke haben die stark und wichtig ist, weil die Nutzer auf die Marke vertrauen. Es gibt aber auch wiederum neue Player. Diese neuen Player schaffen es relativ schnell eine Marke zu entwickeln und da wird es spannend werden wie es zum Beispiel Netflix und Hulu ergehen wird in Europa.

Nichts desto trotz wird es verschiedene Content-Inseln geben. Die Frage ist ob wir es schaffen mit Tweek TV zu der Entdeckungsoberfläche für das Fernsehen zu werden. Fernsehen aber dann nicht mehr in der klassischen Definition Broadcaster, Gerät, Kabelanschluss sondern Fernsehen als leanback Konsum von Highend Content egal durch welchen Distributionskanal.

Als Basis für euer Produkt analysiert ihr die Facebook-Daten auf Filme, Videos und TV-Inhalte. Wenn ihr diese ganzen Daten anseht, was könnt ihr da in Summe für Schlüsse ziehen? Wie aktiv wird Facebook für Bewegtbildinhalte genutzt?

Insgesamt wird Facebook insbesondere der Facebook Like Button sehr viel für Film- und Serieninhalte genutzt. Knapp 60% aller Like-Daten beziehen sich auf Filme und Serien. Es ist aber nicht trivial Struktur und Sinn in diese Daten zu bringen. Da jeder Webseitenanbieter und jeder Nutzer von Facebook ein neues Objekt anlegen kann und es als Film oder Serie deklarieren und verbreiten kann, entstehen sehr viele Daten die irrelevant sind.

Was man zudem sieht ist, dass es Strömungen gibt in den Like-Daten. Viele Leute klicken den Like-Button aus dem Kontext heraus. Nutzer gehen scheinbar nicht so sehr auf Facebook und suchen sich ihre fünf Filme aus sondern sie sehen, dass ein Freund einen Film geliked hat und denken „Den mag ich auch“ und liken ihn. Oder die Nutzer surfen zufällig an einem Film oder einer Serie vorbei und liken sie dort und dann sehen es wieder Freunde im Newsstream und liken den Film. Das heißt einzelne Objekte haben ab und zu eine Phase in der sie relativ prominent sind und relativ viel geliked werden.

Für uns ist dann ein wichtiger Schritt eine Art Interessensgraphen für das Vertical Bewegtbild bzw. Film und Serien aufzubauen. Das heißt wir finden heraus welche andere Nutzer für den einzelnen Nutzer relevant sind. Auf welche Interaktion hin wird ein anderer Nutzer aktiv? Wer beeinflusst wen zum Kauf oder Ausleihen eines Films? Das sind natürlich spannende Daten, die wir aus der Kombination der Facebook Daten und der Daten, die bei uns generiert werden ziehen können.

Könnt ihr schon erste Aussagen darüber machen, wie valide es ist wenn ich jetzt von 15 meiner 200 Freunde einen Film empfohlen bekomme? Ist der dann relevant für mich?

Das Grundverständnis dahinter ist nicht so sehr, dass wir sagen du bist so wie deine Freunde und weil ihr Freunde seid deswegen sind die Inhalte relevanter für dich als wenn ein Algorithmus sie berechnet hätte.

Die Relevanz basiert darauf, dass du eine Projektion machst. Du kennst die Person im realen Leben und kannst dir dadurch eine Vorstellung machen, wie der einzelne Inhalt ist. Du hast zum Beispiel zwei verschiedene Freunde, die sich im wahren Leben gar nicht kennen und die jetzt aber den gleichen Film geliked haben. Das erzeugt dann eine ganz neue Form der Relevanz und du kannst es einordnen.

Wir sagen niemals „Hey dieser Film ist der most relevant Movie ever, weil 27 deiner Freunde den geliked haben.“ Das ist sowieso mit großer Wahrscheinlichkeit ein Mainstream Objekt wie Pulp Fiction oder Inception.

Nun hat YouTube auch Facebook in sein UI integriert. Clicker, MyVideo, Boxee jeder der irgendwas mit Video macht versucht auf die eine oder andere Art entweder Daten aus Facebook abzugreifen oder Daten an Facebook zu schicken. Wie unterscheidet ihr euch von diesen ganzen Diensten, die mir das empfehlen was meine Freunde sehen oder den Facebook Newsstream gefiltert nach Filmen darstellen?

Da gibt es zwei Hauptaspekte. Zum einen kann ich natürlich auf YouTube gehen und sehen, was meine Freunde zuletzt auf YouTube geguckt haben. Aber wer sagt denn dass ich zwingend etwas auf YouTube gucken will? Mir ist die Pipe oder die Marke der Pipe gar nicht so wichtig. Ich habe ja keine Lust auf all die Seiten der verschiedenen Content-Anbieter zu gehen und um zum Beispiel auf der Netflix Startseite zu schauen was meine Freunde dort geguckt haben und dann noch iTunes und alle anderen Content-Anbieter abzusurfen. Diese Anbieter werden sicherlich nicht so stark integrieren, dass die Inhalte von Netflix auch auf YouTube zu finden sind. Für den Nutzer ist es eigentlich egal in welchem Vertical der Content liegt und deshalb braucht es eine einheitliche Entdeckungsoberfläche.

Der zweite Hauptunterscheidungspunkt ist contentzentriert. Was wir dir anzeigen ist wo die Inhalte aktuell verfügbar sind je nach Gerät und Rechtsraum in dem du dich befindest und das ist nicht trivial. Zum Beispiel sind nur 4% der Top 500 Filme in den USA auf allen drei großen Content-Anbieterplattformen, die da sind Netflix, Hulu und iTunes. Das heißt auch wenn jeder dieser Anbieter ein Riesenangebot und eine massive große Marke hat, ist der Content trotzdem noch sehr fragmentiert und da versuchen wir die Beschränkung aufzuheben.

Wir sagen du solltest Zugriff auf alle Inhalte haben und der Filter sollte nicht sein welche Inhalte das Unternehmen lizenziert hat, sondern einfach was du gerade schauen möchtest – das entdeckst du bei uns über deine Freunde und dann zeigen wir dir wo du es bekommen kannst.

Eure Konkurrenz sind also nicht die Plattformen, die Inhalte haben sondern Dienste wie Matcha, die mir Filme empfehlen?

Matcha ist sicherlich ein Konkurrenzservice. Davon gibt es einige, die Discoveryoberflächen im Web oder auf Secondscreen Geräten haben. Das ist die eine Gruppe. Die zweite Gruppe wo man noch abwarten muss was passiert sind secondscreen Services. Diese sind relativ mächtig in dem was sie versprechen. Teilweise sagen diese Services, dass sie von der Entdeckung bis zur Interaktion und dem Kauf von weiterführenden Produkten alles auf einem secondscreen Device parallel zum Konsum abfrühstücken. Sofern sie eine sehr gute Entdeckungsoberfläche haben gehen sie dort in unseren Bereich mit rein. Wir sagen dass dies ein sehr großer Anspruch ist in einem sehr weiten Feld, während wir uns lieber erstmal auf einen Fokuspunkt konzentrieren wollen und das ist die Entdeckungsoberfläche.

Wenn ihr euch Deutschland anseht, was ist die größte Herausforderung für den Deutschen Markt?

Wir erwarten einen extrem intensivierten Wettbewerb in den nächste 12-18 Monaten. Vor allem im on demand Bereich, da werden noch einige Marktteilnehmer kommen sei es Netflix, Hulu oder Lovefilm und vielleicht auch so etwas wie vdio aus UK. Ich bin gespannt wie die etablierten Marktteilnehmer darauf vorbereitet sind und darauf reagieren.

Wir sehen bislang dass aufgrund der Tatsache, dass hier noch immer die beherrschenden Marktteilnehmer Medienunternehmen sind die technische Zusammenarbeit nicht ganz so leicht ist. Da schlagen die US- und UK-Unternehmen schon eine andere Schlagzahl an und das wird spannend zu beobachten und da sehe ich auch große Probleme.

Die Deutschen Medienunternehmen fürchten überrannt zu werden – aus gutem Grund. Gleichzeitig sieht man auch woran es liegt. Die Unternehmen sind einfach gar nicht darauf vorbereitet. Es ist alles sehr fragmentiert und alle wehren sich dagegen einheitliche Standards durchzusetzen. Dann kommen natürlich irgendwann die Serviceunternehmen, die einfach mit Hammerpreisen und einem coolen webbasierten Service den Markt überrollen und ich glaube das steht dem Deutschen Markt relativ bald bevor.

Was sind jetzt die nächsten Schritte für euch?

Wir suchen tolle Mitarbeiter, die Lust haben auf Berlin, Startup und Film und Fernsehen. Wir bauen unser kleines feines Team weiter aus. Dann ist der nächste Schritt die closed Beta zu erweitern, das heißt man kann auf Tweek TV gehen und einen Signup machen und bekommt dann relativ schnell eine Einladung für das aktuelle Produkt, was im Moment ein sozialer Video on Demand Guide ist – speziell für die Märkte USA, UK und Deutschland. Wobei im Moment das Produkt auf Grund der Inhalteanbieter in den USA am besten ist, weil wir dort die meisten Partner haben. Dieses Produkt werden wir jetzt erstmal rund machen, vor allem auch mit Nutzerfeedback. Früh in 2012 wollen wir es dann auf dem iPad launchen und von dort geht es dann weiter. Wir haben einen ambitionierten Rollout Plan für weitere Geräte in 2012 und planen auch eine stärkere Adaption an die lokalen Märkte.

Vielen Dank!

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. nettes Interview über spannendes Vorhaben.

    Wieso wurde watchmi (aprico) nicht angesprochen?

  2. watchmi hat ein sehr ähnliches Ziel aber ein ganz anderes Vorgehen dorthin. watchmi versucht über Item-to-Item Empfehlungen und Informationen aus dem Nutzerverhalten Empfehlungen zu generieren. Leider kann man die beiden Produkte im Moment sehr schwer vergleichen, da sie an so unterschiedlichen Punkten (Desktop, Set-tob Box bei watchmi und iPad bei Tweek TV) ansetzen. Der head-to-head Vergleich kommt aber sobald sich die Produkte überschneiden …

  3. Pingback: tweek: iPad-Video-Guide auf Basis der Empfehlungen von Freunden » netzwertig.com

  4. Pingback: Besser Fernsehen gucken mit den neuen Social TV Guides

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