Distributionsstrategien für Videoblogger.
Von Bertram am 1. April 2007. Abgelegt unter Artikel, Distribution, Internet TVBei dem ganzen Buzz um die Videoportale sind die Videoblogger etwas ins Abseits geraten. Die Höhepunkte – die Versteigerung von Rocketboom Werbung für $40 000 und das Trennungsdrama um Amanda Congdon – geraten so langsam in Vergessenheit.
Mittlerweile gibt es eine neue Generation von Videobloggern, die sich über die Videoplattform definieren und die als YouTube-Stars gehandelt werden. Höhepunkt dieser Entwicklung (bis jetzt) waren die YouTube Video Awards.
Außerhalb von YouTube waren die Videoblogger jedoch nicht untätig. Mefeedia, ein Videoblogverzeichnis, veröffentlicht vierteljährlich Zahlen zum State of the Vlogosphere und meldet eine Verdopplung der Videoblogs im letzten Jahr. Ich traue den Zahlen zwar nicht ganz, da die Zahlen für 2006 mit den von mir notierten nicht übereinstimmen, aber als Trend kann man sie sicherlich gelten lassen.
Diese Entwicklung birgt eine interessante Frage für Videoblogger: Welche Plattform ist die Beste und was ist die erfolgversprechendste Distributionsstrategie? Laut Mefeedia setzen über 50% der Videoblogger auf eigene Lösungen und jeweils um die 10% auf YouTube und Blip.TV. Eine befriedigende Antwort geben diese Zahlen jedoch nicht.
Um eine bessere Antwort auf diese Frage zu bekommen habe ich versucht die Distribution von Videos anhand der Variablen (1) Anzahl der Quellen und (2) verwendete Kanäle zu systematisieren.
- Quelle
- bezeichnet in diesem Zusammenhang den Ausgangspunkt der Distribution. Klassischer Ausgangspunkt ist ein Videohoster oder eben ein Blog. Dient das Blog jedoch lediglich als Begleitmedium zum Videohoster wird es als Teil einer Quelle gerechnet.
- Kanal
- meint hier verschiedene Endgeräte (iPod, Handy, TiVo …) und Applikationen (Feedreader, iTunes, Browser …). Alle Übertragungen an sich finden über das Internet statt.
Die Abgrenzung der verschiedenen Kanäle und Quellen ist natürlich oft schwierig und es wird immer Grenzfälle geben, weshalb es hier um Idealfälle und die prinzipielle Ausrichtung geht.
1:1-Strategie: Eine Quelle, ein Kanal
Die restriktivste Herangehensweise für die Verbreitung der Videoblogbeiträge. Die Inhalte sind entweder nur bei einem Videohoster zu sehen oder nur auf dem Videoblog (ohne Enclosures im RSS). Diese Strategie kann trotz der Einschränkungen unter bestimmten Voraussetzungen aufgehen. lol*ipop auf MyVideo oder geriatric1927 auf YouTube zeigen, dass ein gut frequentierter Videohoster ausreichen kann um ein breites Publikum für ein Videoblog aufzubauen. Auf Sevenload wird dieser Prozess mit den Specials noch zusätzlich gefördert.
Allerdings birgt diese Verknüpfung auch Gefahren. Der Videoblogger ist in enormem Maße vom Videohoster abhängig, denn das Publikum ist in erster Linie, das des Videohosters. Die Lonelygirl15-Macher konnten zum Beispiel nur einen Bruchteil ihrer Zuschauer von YouTube auf ihre Seite oder zu Revver locken.
Ehrensenf fährt seit Beginn diese Strategie, da es die Videos nur auf der Ehrensenf-Seite gibt. Der Spiegel-Deal ist ein Produkt dieser Bemühung um Exklusivität. Die Zuschauer wollen natürlich Ehrensenf nicht nur im Internet sehen, sondern auch in iTunes oder anderen Kanälen, was zu Fremd-Feeds mit Enclosures führt, die in iTunes angemeldet werden. Das wiederum führt natürlich zu viel Überwachungsarbeit für Ehrensenf.
1:many-Strategie: Eine Quelle, viele Kanäle
Im Gegensatz zur 1:1 Strategie nutzen die Videoblogger bei dieser Strategie alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für die Verbreitung. Die Inhalte werden zwar nur von einer Quelle angeboten aber von dort aus können sie mit allen möglichen Geräten und Anwendungen abgerufen werden.
Das prominenteste Beispiel für diese Strategie ist Rocketboom. Die Beiträge von Rocketboom können über TiVo- oder Akimbo-Boxen auf dem Fernseher, dem Handy via Microsite, dem iPod via iTunes oder in einem Feedreader der Wahl konsumiert werden. Ausgeliefert werden alle Downloads von den Rocketboom eigenen Servern, was das Tracking und somit die Vermarktung erleichtert.
many:1-Strategie: Viele Quellen, ein Kanal
Die klassische Einstiegsstrategie. Die Videobeiträge werden zu möglichst vielen Videohostern hochgeladen und nebenbei natürlich auch auf der eigenen Seite angeboten. Es werden jedoch keine anderen Anwendungen oder Geräte unterstützt, so dass die Videos nur im Browser betrachtet werden können.
Die Lonelygirl15-Macher versuchen mit dieser Strategie ihre Sendung zu Geld zu machen. Die Episoden sollen über Revver das Publikum auf der Seite in Geld verwandeln. Wie bereits oben angemerkt scheint diese Strategie nicht besonders gut aufzugehen, weshalb jetzt mit Product-Placement experimentiert wird um auch die Zuschauer auf YouTube zu nutzen.
Will man diese Strategie verfolgen nimmt einem Veoh eine Menge Arbeit ab. Videos, die zu Veoh hochgeladen werden, können direkt zu YouTube, MySpace, Google Video und Facebook ohne weiteren Upload syndiziert werden.
many:many-Strategie: Viele Quellen, viele Kanäle
Diese Strategie kombiniert die vorhergehenden Ansätze. Es werden die Videos aus möglichst vielen Quellen über möglichst viele Kanäle verbreitet. Dabei bindet sich der Videoblogger nicht an ein Portal und auch nicht an eine Abspielart, sonder bietet alle an.
Dieser Ansatz hat sicherlich seinen Teil zum bis jetzt erfolgreichsten Videoblog Ask A Ninja beigetragen. Die Show kann nicht nur bei YouTube (Ask A Ninja gewann einen Videoaward), auf der Homepage, bei Revver und weiteren gesehen werden sondern auch in iTunes abonniert, als DVD gekauft oder im Kino betrachtet werden.
Diese Strategie verfolgen auch in Deutschland einige Videoblogger wie der Elektrische Reporter oder Hansens Taxi. Leider müssen Videoblogger in Deutschland noch immer ihre Episoden in anderen Formaten selbst vorhalten. Ein Dienst wie Blip.TV, der sowohl das Cross-Posten in das eigene Blog als auch zu verschiedensten Diensten von Akimbo über MySpace und Yahoo! Video bis hin zu iTunes erlaubt, fehlt bis jetzt.
Fazit
Die 1:1-Strategie kann unter umständen sehr gefährlich und schwierig sein. Hat man nur das eigene Blog ist es sehr schwierig ein Publikum aufzubauen. Bindet man sich fest an einen Videohoster gerät man in eine Abhängigkeit und sitzt am kürzeren Hebel. Was passiert zum Beispiel mit Rob Vegas, wenn Burda-Content zu Sevenload kommt und der Platz auf der Startseite knapp wird? Könnte er sein Format auf einen Videohoster übertragen? Was passiert wenn noch mehr Specials zu Sevenload kommen und es irgendwann auch um Quote geht?
Die 1:Many-Strategie sichert den Macher dagegen ab. Allerdings ist für diese Strategie viel Einsatz und Know-How vonnöten um sie erfolgreich umzusetzen.
Many:1 halte ich für unsinnig und sehr beschränkt, da der Schritt zum Many:Many nicht mehr wirklich groß ist.
Many:Many scheint nicht nur aufgrund des Erfolgs von Ask A Ninja ein viel versprechender Ansatz. Das Schöne an dieser Strategie ist, der Videoblogger kann seine Identität an eine eigene Seite binden realisiert jedoch trotzdem die Potentiale, die in einer weiten Verbreitung liegen.
In einem nächsten Schritt kann man nun natürlich überlegen, welche Vermarktungsansätze sich aus den verschiedenen Strategien ergeben und wie diese an die Distributionsstrategie angepasst werden müssen. Aber das ist ein Beitrag für ein anderes Mal. In der Zwischenzeit bietet der Beitrag Geschäftmodelle für Videoblogs sicherlich immer noch interessante Ansatzpunkte.
Tags: distribution, entwicklung, video, videoblog, videohoster, vlog
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