Geschäftsmodelle für Videoblogs und Vodcasts.

Gerade überlegen sich die Blogger mal wieder, wie sie mit dem Bloggen Geld verdienen können. Dabei stehen die Blogger vor den gleichen Problemen, die auch die klassischen Medien mit ihren Internetangeboten haben und die Lösung beschränkt sich meist auf Google Adwords. Anders als bei den normalen Blogs machen sich die Betreiber von Videoblogs schon um einiges früher Gedanken um mögliche Geschäftsmodelle. Gerade einmal 60% betreiben ihre Videoblogs aus nichtkommerziellen Gründen. Die Mehrzahl der Business-Videoblogger (30%) versucht mit Werbung Geld zuverdienen oder die Karriere durch ein Videoblog zu fördern.
Doch nicht nur der Wunsch des Geldverdienens dient als Antrieb, zum Teil ist es auch eine Notwendigkeit. Sobald ein Videoblog oder Vodcast eine gewisse Popularität erreicht hat besteht die Gefahr, dass er durch den eigenen Erfolg zugrunde geht. Die Traffickosten für die Übertragung von Videodateien können dafür sorgen, dass der Autor entweder das Angebot einschränkt oder sich Gedanken über eine Refinanzierung macht. Es besteht also eine Nachfrage für Geschäftsmodelle für Videoblogs und Vodcasts. Die Gängigsten werde ich nun Vorstellen.

Syndikation

Die Syndikation (der Verkauf von Senderechten an Dritte, die das Programm in ihrem Kanal zeigen können) steckt momentan noch in den Kinderschuhen. Erste Gehversuche gibt es zwischen Rocketboom und TiVo und Rocketboom und Akimbo. In eine ähnliche Richtung geht die Kooperation zwischen Ehrensenf und Spiegel Online. Brightcove könnte sich dabei zum großen Helfer entwickeln, da sie als Mittler zwischen Videoblogs, Werbetreibenden und Sendern fungieren. Videoproduzenten können sich bei Brightcove anmelden und ihre Inhalte über den Dienst mit Werbung versehen lassen oder ihre Inhalte an Dritte syndizieren lassen. Brightcove hat bereits eine Abmachung mit TiVo über ein Syndikation von Internetinhalten geschlossen. Die vorzeige Kunden von Brightcove sind natürlich National Lampoon und Reuters. Allerdings sollen in Zukunft auch vermehrt kleinere Inhalteanbieter mit einbezogen werden.
Unabhängig von Brightcove ist die Videosyndikation z.B. für Zeitungen eine interessante Möglichkeit ihre Internetangebote attraktiver zu gestalten. Videoblogger mit einem Fokus auf Nachrichten sollten in diese Richtung in die Offensive gehen und Kooperationen anstreben.

Sponsoring

Die in der Blogosphere wohl gängigste Form des Sponsorings ist das Free-Hosting. Eine ganze Reihe der A-Lister bekommen einen Server oder zumindest den Webspace gestellt. Ob diese Art auch für Videoblogs funktioniert, weiß ich nicht. Bisher ist mir nur eine Sponsoringvereinbarung bekannt.

Werbung für GoDaddy und Sponsoring von Deal Hack

88Slide, ein einminütiges tägliches Gewinnspiel, hat mit Dealhack.com einen Sponsor gefunden. Dealhack schätzt an 88Slide, dass sie günstig qualitativ hochwertige Videos produzieren, die virales Potential haben und online vertrieben werden. Dealhack sponsert deshalb die Preise der Show und wird dafür in Form einer Einblendung integriert.

Productplacement

Neben Sponsoring sollte vor allem über Productplacement nachgedacht werden. Diese Erlösform bietet sich an, da im Internet der Produzent meist auch die Distribution übernimmt. Er profitiert direkt vom Productplacement und muss entsprechende Einnahmen nicht mit Networks oder Distributionspartnern teilen. Videoblogs haben den Vorteil (noch?) nicht den Rundfunkbestimmungen zu unterliegen und sind so den klassischen Fernsehproduktionen einen Schritt voraus zu sein, die im Moment massiv über Productplacement nachdenken.

Werbung

Die erste Idee, wenn es im Internet um das Geldverdienen geht ist immer die Werbung. Und Angesichts der steigenden Werbeausgaben der Unternehmen für Podcast (und ich nehme schwer an auch für Vodcast und Videoblog) Werbung ist die Werbefinanzierung sicher ein mögliches Geschäftsmodell. In 2005 wurden gerade einmal $3,1 Millionen für Podcastwerbung ausgegeben. Bis 2010 sollen sich die Ausgaben jedoch auf bis zu $327 Millionen jährlich summieren. Verglichen mit den anderen großen Werbeformen ist das zwar immer noch Peanuts aber von dieser Summe können sicher einige Videoblogger leben, wenn auch sicher nicht alle. Die Werbung untergliedert sich nochmals in drei Arten: Werbung auf der Internetseite, Werbung im Clip und Selbstgedrehte-Werbung der Videoblogger.

Textanzeigen und Banner auf der Webseite

Textads auf YouTube und Ehrensenf.de

Die meiner Meinung nach schlechteste Werbeform, denn die Relevanz der Werbung für den Betrachter dürfte gegen Null tendieren. Es gibt noch keine Möglichkeit den Inhalt eines Videoclips mit der auf der Seite platzierten Werbung abzustimmen (außer Handarbeit). Deshalb dürfte sich die Klickrate in Grenzen halten und auch die Costs-per-Click sind sicher nicht allzu hoch. Ob es Sinn macht eine höhere Verbreitung durch RSS zu opfern und das Stammpublikum zu Verärgern weiß wohl nur Ehrensenf, die wegen den netten Werbebotschaften auf der Seite keinen RSS Feed mit Enclosures anbieten. Und auch die Textanzeigen bei YouTube sind wohl eher aus Verlegenheit und Notwendigkeit platziert, als aus Überzeugung.

Pre-Roll und Post-Roll Werbeclips

Die Werberform an sich ist nun standardisiert und mit einem Tausender Kontakt Preis von bis zu $50 sind Pre-Roll Clips sicher sehr verlockend. Und die Preise könnten sogar aufgrund der klarer abgegrenzten Zielgruppe durchaus noch steigen. Allerdings ist noch nicht klar wie hoch die Akzeptanz der Videoblog Zuschauer für Werbeclips ist.

Advertising is a sensitive issue for many vloggers – particularly within the originating membership core which is comprised of people who began vlogging (and still do) as a means of reaching out to others around the globe and sharing parts of their lives. Ads seem to fly in the face of these intimate encounters.

Auch stellt sich die Frage der Vermarktung der Werbeslots. Die Vermarktung des eigenen Videoblogs an die großen Werbetreibenden dürfte kaum zu realisieren sein, weshalb wieder auf Vermarkter, wie Brightcove zurückgergiffen werden muss.

Ein interessantes Konzept für Werbung in Videobeiträgen hat Revver. Der Videohosting Dienst fügt an den hochgeladenen Clip einen Still (Bild) mit Werbung an. Der Autor kann die Werbung für seinen Beitrag durch entsprechende Tags und Kategorien beeinflussen. Der angefügte Still ist klickbar und der Autor wird nach Klicks bezahlt. Da der Still fest mit dem Videoclip verbunden ist, spielt der Abspielort keine Rolle, solange eine Verbindung zum Internet besteht. Neben dem Autor erhält bei Revvers auch die Seite, die den Clip eingebunden hat einen Anteil an den Werbeeinnahmen. Der Videoblogger könnte also doppelt profitieren einmal durch seinen Beitrag und einmal durch das Abspiel auf seinem Videoblog.

Selbstgedrehte Werbung der Videoblogger

Rocketboom Werbung für TRM und Earthlink
Trifft ein kreativer Videoblogger auf eine selbstbewusste Marke kann sich eine fruchtbare Partnerschaft ergeben. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Marken, die ihre Kontrolle lockern und den Konsumenten sprechen lassen. Einen ersten erfolgreichen Versuch startete GoDaddy.com, die mit dem Podcasting Network Podshow eine Kooperation vereinbarten. 50 Videoblogger und Podcaster erstellten für Go Daddy eigene Werbespots für ihre Videoblogs. Geekbrief.TV (siehe Oben) benutzte einen Rabattcode um den Zuschauern Go Daddy schmackhaft zu machen. Der Go Daddy Verantwortliche war vollauf zufrieden und wird auf Mediashift wie folgt zitiert: „Our conversion rates in podcasting are better than any other online advertising in general,“

Rocketboom setzte dem ganzen die Krone auf. Für $40 000 produzierten sie jeweils fünf einminütige Werbespots für TRM und Earthlink, die eine Woche lang im Anschluss an die Show liefen. Das Interesse an den Spots war so groß, dass sie öfter heruntergeladen wurden als die Show selbst. Der Produzent Andrew Baron glaubt, dass Rocketboom einen jährlichen Umsatz zwischen $4-5 Millionen schaffen kann.

Abonnement und Verkauf von Episoden

Neben den genannten Modellen, die alle auf einer Drittfinanzierung beruhen gibt es auch Überlegungen, die Zuschauer direkt zur Kasse zu bitten. Natürlich spielt dabei die generelle Abneigung der Internetuser gegenüber Bezahlinhalten die entscheidende Rolle. Gary Hayes erklärt, wie man den Schritt zu Bezahlinhalten richtig macht. Bevor Bezahlinhalte angeboten werden, müssen die Zuschauer süchtig gemacht werden. Sie müssen das Bedürfnis haben das Videoblog – auch nachdem es kostenpflichtig geworden ist – sehen zu müssen.
Geschafft hat dieses Kunststück Ricky Gervais, einer der berühmtesten Podcaster und Erfinder der BBC Show The Office. Er verkauft seinen Podcast über iTunes und Audible für knapp $2 und es gibt Leute, die ihn kaufen.

Einen anderen Weg möchte Rocketboom gehen. Die Show soll in ihrer jetzigen Form immer umsonst bleiben. Es ist jedoch ein Premiumabonnement der Show geplant. Für ca. $4 im Monat sollen die Abonnenten DVD-Qualität, einen Podcast, Out-Takes und Zugang zu einem Forum erhalten.

Vodcasts als Marketinginstrument

Doch nicht nur die „Kleinen“ produzieren Videoblogs und Vodcasts. Längst haben große Marken das Potential für sich entdeckt. Allen voran BMW mit dem BMW Vodcast und dem Vlog by Mini, für das eigens renommierte Videoblogger aus Holland zur AMI nach Leipzig eingeladen wurden um für Mini ein Videoblog zu befüllen. Aber Mercedes will das Feld natürlich nicht ganz dem hippen Konkurrenten aus Bayern überlassen. Deshalb versucht auch Mercedes das junge technikaffine Publikum mit einem Vodcast zu umschmeicheln.

Auch die Filmindustrie hat Videoblogs in ihr Herz geschlossen. Die Großproduktion King Kong wurde von einem Production Dairy mit Videoclips begleitet und der neue Disney/Pixar Animationsfilm Cars sowie Jack Blacksk Nacho Libre haben beide Vodcasts auf Mefeedia angemeldet. Gerade für das Filmmarketing bieten sich Vodcasts und Videoblogs an. Sie erlauben es den Fans vom ersten Tag bei der Produktion dabei zu sein und befördern die Mund-zu-Mund Propaganda im Vorfeld eines Films. Ein Film kann sich über diese Methode bereits früh ein Publikum sichern. Unter Umständen werden sogar im Dialog Probleme und Ausrichtung des Films diskutiert. Es entsteht ein Snakes on a Plane Effekt.

Für wen werden diese Modelle funktionieren?

Nicht alle oben genannten Geschäftsmodelle funktionieren für alle Anbieter gleichermaßen. Es gibt einen großen Unterschied ob ein Videoblog oder Vodcast von einem klassischen Broadcaster initiiert wird oder von einem Grassrootaktivisten. Ich habe versucht die unterschiedlichen Ökonomischen Modelle in folgender Grafik dazustellen.
Broadcaster vs. Vodcaster

Für die traditionellen Anbieter bedeuten Videoblogs und Vodcasts eine Segmentierung und Einengung ihres Publikums. Erreichten Sie über die alten Kanäle noch Millionen (grau) erreichen sie über die neuen maximal mehrere Tausend und das auch nur mit verschiedenen Angeboten. Das Problem liegt hierbei nicht im kleinen Publikum sondern im großen Überbau. Die Verwaltung und Produktion der Inhalte in den etablierten Medienhäusern verschlingen ungleich mehr Ressourcen als ein normaler Videoblogger benötigt um dieselbe Anzahl an Zuschauern zu erreichen. Deshalb können die Medienhäuser mit ihren derzeitigen Strukturen Videoblogs und Vodcasts nicht kostendeckend anbieten. Die zehn Tipps von Lost Remote könnten beim Umdenken helfen.

Den klassischen Broadcastern stehen mit den Videobloggern hocheffiziente Produzenten gegenüber. Über 70% der Videoblogs werden von einer Person produziert. Rocketboom besteht im Kern aus Amanda Congdon und Andrew Baron und wird mit einem Budget von $50 pro Shown produziert. Ehrensenf hat meines Wissens ein Produktionsteam von vier Mitarbeitern. Trotz des geringen personellen Aufwands erreichen diese Sender ein breites Publikum. Es wäre durchaus interessant hier einmal Zuschauer und Produktionsteams der beiden Lager in ein Verhältnis zu setzen und zu vergleichen (leider fehlen mir dazu die Zahlen bei den Broadcastern).

Diese kleinen Produktionsgemeinschaften sind natürlich auch um einiges leichter über die oben genannten Geschäftsmodelle oder einen Mix dieser zu finanzieren auch mit einem kleineren Publikum. Unter Umständen wollen die Videoblogger ja auch nur leben und nicht Geld verdienen.

Eine Chance sehe ich allerdings für Zeitungen. Sollten sie die Tipps von David Gyimah in die Tat umsetzten, und ihren Lokalreportern Kameras mit auf den Weg geben, könnten sie sich einiges an Reputation, Werbeeinahmen und Lesern zurückgewinnen.

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