Die Professionalisierung der Produktion beginnt.

Die letzten Wochen ging es hier hauptsächlich um die Distribution von Videos bzw. darum, wie man mit fertigen Videos Geld verdient. Allerdings gehört zu einem funktionierenden System mehr als ein paar Hoster, die Produzenten etwas Geld für Abspiele oder eine Beteiligung an den Werbeinnahmen versprechen.

Diese Strukturen sind jetzt im Entstehen begriffen. Nachdem Videoblogs wie Rocketboom, The Show with Ze Frank oder auch Lonelygirl15 klar gemacht haben, dass es auch Zuschauer und Geld für Inhalte jenseits der Katzen, Stunts und Erotik gibt, versuchen sich nun verstärkt unabhängige Produzenten mit dem Medium.

WatchMojo ist eine Seite, die mittlerweile eine Bibliothek von über 3000 für das Internet produzierten Videos aufgebaut hat. Das schöne an der Strategie von WatchMojo ist, dass sie nicht versuchen nur Videos zu produzieren sondern diese in einen größeren Kontext – ein ganzes Netzwerk aus Seiten und Blogs – einbetten und somit die Videos intelligent als Zusatzfeature nutzen.

Natürlich versuchen sich auch die Großen der Medienbranche mit Videos und produzieren Spartenkanäle fürs Internet. Nur als Beispiel sei hier StarStyle TV von Burda genannt. Doch leider werden dort oftmals Internetvideos noch zu sehr als Fernsehen verstanden. Bei einer kleinen Google Suche nach Starstyle TV findet sich die Homepage des Senders nicht einmal auf die erste Seite („BUNTE – The People Channel“, lass ich nicht gelten). Man sieht ganz klar, was passiert, wenn der Kontext nicht stimmt und das bei einem Sender der sich so geschickt in die Vielzahl der Onlineangebote von Burda jenseits der unsäglichen Links integrieren ließe. Und wo wir gerade bei Burda sind, kann mir mal einer erklären wie man die Chance, die Focus Live bietet, so verkommen lassen konnte?

Werbung als Motor

Neben Portalen, Spartensendern und natürlich Nachrichtenseiten könnte sich gerade Werbung als großer Antreiber für die professionelle Produktion von Internetvideos erweisen. Dabei geht es jedoch nicht darum, dass Werbung um die Videos geschalten wird sondern darum, dass unabhängige Produzenten und Filmemacher günstig Werbeclips für kleine Unternehmen produzieren. Mit der zunehmenden Bedeutung von Internetvideos wird auch die Werbung in Videoform an Bedeutung gewinnen. Und gerade an diesem Punkt ist das Inventar noch sehr beschränkt. Die Großen Unternehmen können natürlich auf ihre Fernsehspots zurückgreifen aber was machen die Kleinen? Das AdWords-System für Werbeclips fehlt noch, es bedarf also vorallendingen eines Dienstes der diese Werbeform attrativ macht.

Turnhere hat dazu einen passenden Ansatz gefunden. Die Seite bietet Reisenden eine Art Videoreiseführer zu lokalen Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten. Gleichzeitig können lokale Geschäfte Werbefilme von Turnhere produzieren lassen, die dann im Videoreiseführer ihrer Stadt gezeigt werden. Natürlich kann man sich die Videos auch gleich in Google Earth oder Maps anzeigen lassen.

Eine andere Nische bei der Produktion von speziellen Werbefilmen besetzt JobTV 24. Laut Mobil (ja Bahnfahren bildet) macht der Spartensender 70% des Umsatzes mit Video-Stellenanzeigen, die hauptsächlich im Internet geschalten werden. Was die Produktion von Verkaufsprogrammen angeht ist gerade mit targa.tv ein Anbieter gestartet, der mit seinen Videos, E-commerce und Bewegtbild kombinieren will. Wie ganau das in der Praxis aussieht, konnte ich noch nicht sehen aber ich stelle es mir in der Art von Cyberport.24 vor. Das sind nur drei Beispiele, die zeigen, dass es eine große Nachfrage für Videowerbung jenseits der großen Unternehmen gibt. Momentan fehlen jedoch noch die Vermittler, die Produzenten und kleine Unternehmen zusammenbringen und sie bei der Produktion und Distribution unterstützen.

Eine Videoagentur fürs Internet: vodboxx.tv

Dieses Problem möchte vodboxx.tv zumindest für Nachrichten und qualitativ hochwertige Videos lösen. Nina Sang hat mir im Dezember einige Informationen zur demnächst startenden Agentur gegeben:

Wir produzieren selbst Inhalte indem wir Kommissionsarbeiten an unsere VJs in der ganzen Welt abgeben. Die Inhalte dieser Projekte variieren, entsprechen aber hauptsächlich informativen Inhalten wie. z. B. Nachrichten, Berichten oder Kurz-Reportagen über politische, kulturelle oder gesellschaftliche Themen. […]
Unsere Kunden sind hauptsächlich Verlage, Zeitungen, Zeitschriften und Magazine, die den Video Content auf ihrer Webseite erweitern wollen, wie z.B. die Zeit, die zu einem ihrer Artikel als Supplement gleich noch einen Video dazu aufladen will. Diese Video-Inhalte können entweder in unserem Archiv gefunden werden oder von unseren Kunden über uns an unsere VJs als Kommissionsarbeit weitergegeben werden. All das läuft dann über unsere Webseite.

Ein interessantes und ambitioniertes Projekt, das es dann in Zukunft unabhängigen Videojournalisten hoffentlich ermöglicht einfach auf Spiegel oder Focus Online zu kommen. Doch es wird keine leichte Aufgabe sein diese Position zu erreichen. Reuters und AP bieten schon seit geraumer Zeit Videos für ihre Partner an und nun will auch endlich die dpa nachziehen. Es wird wohl hier auch darauf ankommen, die Agentur geschickt gegen diese große Konkurrenz zu positionieren.

Vom User zum Produzenten

Die Strukturen hin zu hochwertigeren Videos und einer Professionalisierung der Inhalteproduktion sind also gegeben oder im entstehen. Es gibt nur noch eine Außnahme und das ist die Entwicklung von Usern hin zu Produzenten und das eben nicht im Sinne von User-Generated-Content sondern User als professionelle Produzenten. Natürlich gibt es die Talentscouts, die dann hin und wieder einem YouTube-Star einen Fernsehvertrag geben aber wer hilft den Usern sich selbst in der Community zu entwickeln?

In diesem Bereich habe ich große Erwartungen an Sevenload, bei denen ich mir vorstellen kann, dass sie es schaffen rund um die Sevenload-Spezials eine Plattform aufzubauen, die genau dies leistet. Dabei geht es nicht allein um die Distribution von Videos über Sevenload, sondern auch darum eine aktive Community zu schaffen, die aufstrebenden Akteuren als Basispublikum dient.

Außerdem muss natürlich die Infrastruktur um die Show stimmen das fängt bei Bereitstellung von Showblogs, Show-Wikis und Showspezifisches-Communitymanagement an, geht über die Technik und Know-How bis hin zur finanziellen Absicherung des Produzenten. Dabei ist es natürlich besonders wichtig die Verwertung der Spezials in trockene Tücher zu packen. Eine Aufgabe die nur mit guten Sponsoren und Werbekontakten zu leisten ist, wobei ich nicht ausschließen möchte, dass es nicht einmal auch ein Bezahl-Spezial geben kann. Der Service muss sich dahingehend Entwickeln, dass die Produktion einer Internet-TV-Show oder eines Videoblogs ein ordentliches Leben ermöglicht und nicht mehr nur ein zeitintensives Hobby ist. Trotzdem muss die Produktion als Hobby anfangen, denn noch sind wir nicht soweit, dass die Plattformen Videos im vorraus finanzieren könnten.

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  1. Pingback: Digitaler Film » Einstiegsfragen zu Videos im Internet.

  2. Pingback: Böses Google; Geldverdienen mit Videos oder Bezahlen für die Produktion? | Digitaler Film

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