Die Suche nach der Video-Destinationseite.

Anschließend an die Darknet vs. Lightnet Überlegungen von letzter Woche möchte ich noch näher auf die Bedeutung von Destinationseiten (A Web site designed to attract users for its unique content, not just as a step along with way like portal sites or search engines.) für Videos eingehen und die aktuellen Angebote betrachten.

Im Internet gibt es einige feste Größen, die in bestimmten Themengebieten einen Großteil der Internetnutzer auf sich vereinen. Diese Größen betreiben meist Destinationseiten, die aufgrund ihres Inhalts die Nutzer anziehen und halten. Gute Beispiele hierfür sind Yahoo, Ebay und Amazon, die Alle ihre Niesche beherrschen und die Mehrzahl der Pageviews in den jeweiligen Gebieten auf sich ziehen. Überträgt man das Konzept der Destinationseite auf die klassischen Medien sind sie nichts anderes als Fernsehsender, die ein Publikum, spezifische Inhalte und oft auch Werbepartner zusammenbringen. Bei dieser Analogie erkennt man auch das Probelm, das sich stellt solange es noch keine Destinationseite für Videos gibt.

At the current time, they [the Stations] can claim that they have the audience, and they have the relationship with the advertisers: it’s a strong advantage in the short run but what about the longer timeline?

Reshaping TV

Das Problem ist, dass die Networks ihre klassiche Aufgabe im Internet mit den derzeitigen Angeboten nicht übernehmen können:
Erstens haben sie im Internet nicht mehr das notwendige Publikum (siehe Grafik). Im Vergleich mit YouTube sind die Zugriffszahlen auf die Senderwebseiten lächerlich gering (abc.go.com ist ein Portal und Zählt nicht vollständig). Laut Hitwise zieht NBC über 40% der Besucher von den großen vier Networks in den USA. Allerdings sind es nicht die anderen Sender gegen, die es zu bestehen gilt sondern gegen Google, YouTube und Yahoo.

Trafficranking Networks und YouTube

Zweitens fehlt Ihnen dort das Profil, das sie im klassischen Broadcast-Betrieb haben. Gerade mal ein Viertel der 16-34 Jährigen kann die großen vier Networks (ABC, CBS, NBC und FOX) aufzählen. Die Loyalität des Publikums ist viel stärker an die Serien oder einzelnen Programm gebungen als an das Network. Diese Programminhalte werden aber oft von externen Produktionsfirmen produziert, die unter Umständen auch eine direkte Vermarktung der Show über das Internet versuchen könnten.

Drittens fehlt die Erfahrung im Onlinewerbemarkt. Eine sinnvolle Lösung um Werbung und Videos zu bündeln ist vielleicht von Google, Yahoo oder YouTube zu erwarten aber wohl nicht von den klassischen Fernsehsendern. Zumal diese ihre Inhalte momentan sowieso meist nur auf der eigenen Seite (oder speziellen Breitbandkanälen) wiedergeben und nicht frei im Internet zugänglich machen.
Diese Probleme im Hinterkopf stellt sich die Situation sehr verzwickt dar. Es gibt durchaus premium Inhalte der Sender im Internet aber eben nur auf abgeschlossenen und abgeschotteten Seiten ohne breites Publikum. Andere Seiten leiden unter dieser Strategie, da natürlich die hochwertigen Inhalte fehlen um attraktiv(er) zu sein. Deshalb fordert das Betrachten von Videos und Filmen im Internet viel Zeit, Know-How und Aufwand.

Aber auch Abseits der Senderseiten gibt es noch kein Patentrezept, wie eine Video-Destinationseite aussehen sollte und deshalb sind noch recht unterschiedliche Ansätze in der Erprobung. Diese Ansätze lassen sich in vier Kategorien gliedern: Videosuchmaschinen, Videoportale, Video-Hostingcommunitys und Videoaggregatoren.

Videosuchmaschinen

Es bieten wohl alle großen Suchmaschinenbetreiber eine Videosuche an. Doch die Ergebnisse sind zum Teil sehr ernüchternd. Die Suche nach “X-Men Trailer” ergab bei Google keinen passenden Treffer auf der ersten Seite. Bei Yahoo und AOL sieht es da schon besser aus. Das liegt vor allem daran, dass Yahoo und AOL externe Quellen miteinbeziehen während Google nur im Google Video Archiv sucht. Insgesamt macht die Yahoo Videosuche den besten Eindruck doch unter den Blinden ist der Einäugige König.

Videoportale

Die meisten Videoportale sind schon recht alt und existierten bereits lang vor dem jetzigen Video-Boom. Trotzdem haben sie es (vielleicht mit außnahme von Heavy.com) nicht geschafft in den letzten Jahren entscheidend zu wachsen. So geht der Trend z.B. bei iFilm, das von Viaocom für $ 49 Millionen gekauft wurde, wieder nach unten.

Trafficranking Videoportale

Die meisten Portale bedienen Nieschen, wie z.B. Newgrounds mit Flashanimationen und Spielen, und haben somit gar keinen Anspruch zur Destinationseite zur werden. Der Vorteil der Portale ist, dass der Inhalt konrtolliert und auch redaktionell aufbereitet wird, das heißt das Erlebnis des Seitenbesuchers ist einheitlich und er kann bestimmte Inhalte und Formen erwarten. Dies hilft auch den Werbetreibenden, die eine recht kontrollierte Umgebung vorfinden.

Video-Hostingcommunitys

Anders als die Networks mit ihren Seiten oder die Portale, die mit Qualität zu überzeugen hoffen, fängt bei YouTube & Co. die Wertschöpfung am Ende des Longtails an. Es werden alle Videos angenommen, die Qualität und Machart spielt dabei keine Rolle, denn die Community liefert die Zuschauer gleich mit. Das Prinzip führt zur hohen Intergration der Produzenten, will dieser jedoch weitere Zuschauer erreichen muss er alle Hostingdienste (über 100) bedienen um eine maximale Bekanntheit zu erreichen.

Zudem gestalten sich die Verhandlungen mit den Werbepartnern durchaus schwierig, weil die Qualität und der Kontext nicht garantiert werden kann. Des Weiteren haben die Hosting-Dienste mit zunehmender Popularität mit enormen Infrastrukturproblemen zu kämpfen. Diese Probleme haben jedoch weder AOL noch Google oder Yahoo davon abgehalten selbst solch einen Dienst anzubieten. Troztdem wird der Markt immer noch von YouTube mit 43% der Pageviews und MySpace mit weiteren 24% beherrscht.

Videoaggregatoren

Das Businessmodell, dem das größte Potential eingeräumt wird ist die Content Aggregation. Dabei werden die Inhalte verschiedenster Seiten neu zusammgefasst und aufbereitet. Zum Teil verhalten sich dabei einzelne Mitglieder des Aggregators wie Mini-Networks, indem sie Inhalte unter ihrem Namen zu einem neuen Paket zusammenfassen. Aggregatoren haben den Vorteil, dass sie anders als die Hostingcommunitys und die Portale keine übermäßigen Traffickosten zu bezahlen haben (sie leiten nur weiter). Außerdem haben sie eine recht gute Verhandlungsposition mit den Werbepartnern, weil sie bestimmte Inhalte ausschließen können.
Das Probelm der Aggregatoren ist jedoch ein Anderes, wie sollen die ganzen Inhalte aufbereitet und dargeboten werden. Wie sieht der Besucher auch das, was er möchte und wie gelangen die Inhalte in die Datenbank des Aggregators. Dienste wie Videobomb oder Videosift versuchen es mit dem Digg-Prinzip. User schlagen Videos vor und über diese wird dann abgestimmt. Dabble hat einen del.icio.us-ansatz und erlaubt es Videos zu Bookmarken, zu Taggen und in Playlisten zu organisieren. Alle drei Dienste setzten darauf, dass die Masse so schlau ist und die richtigen Videos für den Einzelnen herausfiltert. Ein Konzept, das dem klassischen Fernsehen mit Programmdirektoren und Redakteuren komplett entgegensteht. Noch fehlen diesen Diensten die Zuschauer (Dabble ist noch in der Beta Phase).

Videobomb, Videosift, Dabble
Yahoo und YouTube setzten dagegen mehr auf die Intelligenz des Einzelnen und erlauben es den Usern sog. Channels zu erstellen um ein personalisiertes Videoerlebnis zu gestalten. Prinzipiell ist das ein sehr interessanter Ansatz aber wenn jeder schon als Standardeinstellung ein Channel ist (YouTube) geht der Nutzen schnell verloren. Auch ist die Zielrichtung meiner ansicht nach die Falsche. Beide Anbieter vergleichen die Funktion bewusst mit den Fernsehkanälen und gewohnheiten. Es wird in Zukunft sicher möglich sein solche Kanäle auf dem Fernseher zu sehen aber bis zu einer breiten Akzeptanz werden noch mindestens fünf Jahre ins Land gehen. Sie sollten viel eher Dienste wie moQvo, ein RSS Aggregator für Vodcasts und Podcasts, im Auge haben oder selbst einen in den Browser integrierten Player für ihre Kanäle anbieten.

Es gibt Ansätze aber noch keinen Gewinner

Die Fernsehsender haben also mit ihren eigenen Seiten Probleme ein großes Publikum zu erreichen. Aber noch kann kein anderer Anbieter alle Vorraussetzungen für eine Destinationseite erfüllen. Enige haben Werbepartner, andere das Publikum und wieder andere die Inhalte aber kein Dienst vereint alle Drei. Es hat sich also noch keine Destinationseite oder ein Internet-TV Network entwickelt. Am meisten sollten sich die Sender vor Yahoo in acht nehmen. Yahoo hat alle Möglichkeiten abgedeckt und die verschiedenen Dienste meines erachtens am besten integriert. AOL könnte mithilfe von Warner einen äußerst interessanten Videodienst aufziehen aber die Inhalte von In2TV beschränken sich auf ausgemusterte Serien und die Suche bleibt außen vor.
Die große Frage bleibt also wohin soll der interessierte Zuschauer im Internet gehen?

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