Studie zur Nutzung der Videoplattformen.

Nikoletta Lemmer, Frank Maier und Carina Schmelcher von der Westdeutschen Akademie für Kommunikation (WAK) haben eine Befragung zu den verschiedenen Videoplattformen in Deutschland durchgeführt. Nach dem Abschluss ihres Projekts waren sie so nett mir die gesammelten Daten für eine Sekundäranalyse zu überlassen. Ich habe so die Möglichkeit sowohl ihre Ergebnisse als auch ein paar weitere Informationen hier zu präsentieren.

Die Stichprobe

Die Grundgesamtheit (499 Befrage) der Untersuchung bildeten die Teilnehmer des Onlinefragebogens, die durch Links und Emailhinweise auf die Umfrage aufmerksam wurden. Die Umfrage ist somit natürlich nicht repräsentativ, das zeigt sich auch in der Verteilung der Breitbandanschlüsse, die mit einer 81%igen Verbreitung in der Umfrage überrepräsentiert waren. Ansonsten verteilten sich die Befragen schön über die Geschlechter (50% männlich und weiblich) und Tätigkeiten (40% Angestellte, 30% Studenten, je 11% Selbständig und Schüler und 6% in der Berufsausbildung). Die hohe Zahl der in Ausbildung befindlichen Personen ist altersbedingt: 63% der Befragten war zwischen 20-29 Jahren.

Bekanntheit der Videoplattformen

Fast 90% der Befragten waren Videoportale bekannt, wobei die Bekanntheit der Portale von den Faktoren Alter und Breitbandanschluss abhing. Beide Variablen hatten einen Einfluss auf die Bekanntheit der Portale, wobei galt je älter desto weniger konnten die Probanten mit den Portalen anfangen. Jedoch waren die Unterschiede marginal (-5% über 40 Jahre) und können höchstens als Trend aufgefasst werden.

Bekanntheit der Videoportale

Die Bekanntheit der einzelnen Videoportale wurden jeweils ungestützt (freie Antwort) und nach dem tatsächlichen Besuch des jeweiligen Angebots (Auswahl) abgefragt. Bei beiden Fragen ergab sich ein ähnliches Bild mit der Auffälligkeit, dass die Befragten anscheinend schon öfters auf den Seiten der Videoportale waren, ohne diese als solche zu identifizieren oder den Namen zu erinnern.

Die Ergebnisse bestätigen das bekannte Bild: YouTube vor MyVideo und Clipfisch gefolgt von Google Video und Sevenload.

Häufigkeit der Besuche

Nutzungsfrequenz der Videoportale

Immerhin 11% der Befragten gaben an, dass sie ein Videoportal täglich besuchen und insgesamt 60% der Teilnehmer besuchen mindestens einmal im Monat ein Videoportal. Damit liegen die Zahlen in dieser Untersuchung um 10% höher als die von Advertising.com ermittelten Zahlen. Dort gaben nur 49% an mindestens einmal im Monat Videos im Internet zu nutzen.

Nutzung von Videos

Der Unterschied ist wohl auf die technikaffinere Grundgesamtheit der WAK-Umfrage zurückzuführen. Interessant ist, dass Frauen die Videoportale nicht so häufig frequentieren als Männer. Bei den Frauen liegt der Nutzungspeak bei „alle paar Monate„.

Besucherakquise

Besucherakquise

Als die wirksamsten Methoden zum erreichen neuer Besucher erweist sich die Empfehlung durch Freunde und die Weiterleitung der Clips per Email. 55% respektive 46% der Befragten gaben an so auf ein Videoportal aufmerksam geworden zu sein. Erst dann kommen die Embedplayer und die Sichtbarkeit im Netz allgemein (28%) sowie die klassischen Werbemethoden mit TV (22%), Suchmaschinen (15%), Radio (3%) und Print (2%). Leider wurden diese Daten nicht getrennt für die einzelnen Portale erfasst, weshalb ich nur Tendenzen für die unterschiedlichen Plattformen nennen kann: Sevenload profitiert vom SEO und liegt bei Suchmaschinen über dem Durchschnitt, dagegen liegen MyVideo und Clipfish verständlicherweise bei der TV-Werbung über dem Schnitt.

Aktive Nutzung der Videoportale

Accounts bei den Videoportalen

20% der Befragten (97) gaben an bei einem oder mehreren Videoportalen registriert zu sein. Interessanterweise ist ein Drittel der registrierten Nutzer bei mehr als einem Dienst registriert. YouTube ist auch hier der Liebling der Befragten, immerhin 42% haben dort einen Account. Wozu die Befragten ihre Accounts nutzen, konnte leider nicht geklärt werden. Nur 36% laden ein Video hoch und nur 34% der Registrierten geben einen Kommentar ab …

Bewertung der Videoportale

In der Befragung wurden die Teilnehmer aufgefordert die verschiedenen Videoplattformen nach Inhalt, Design und Bedienung zu bewerten. Ich konnte keine signifikanten Unterschiede bei der Bewertung zwischen den Portalen und den einzelnen Bereichen feststellen. Die Besucher scheinen keinen großen Unterschied bei den Inhalten, im Design oder bei der Bedienung der verschiedenen Portale zu bemerken. Über alle Videoportale und Bereiche kann allerdings festgestellt werden, dass die durchschnittliche Bewertung mit zunehmendem Alter der Befragten sinkt: Von 6,8 (auf einer Skala von 1-10) in der Altersgruppe von 12-19 Jahren auf 4,7 bei den 40-49 jährigen.

Probleme mit den Videoportalen

Die für mich interessantesten Erkenntnisse ergaben sich aus der Frage: Was fehlt Dir auf den Video-Portalen? Die Antworten – immerhin 91 – geben ein klares Bild darüber, was den Videoportalen im Moment noch fehlt. An erster Stelle wünschen sich die Befragten bessere Kategorien (19), die einen einfacheren und gezielteren Zugriff auf die Inhalte erlauben. Dicht dahinter kommt die Forderung nach Qualitätskriterien für die Videos (18) entweder in Form von Filtern oder generelle Richtlinien. Die Suchen der Plattformen sollten verbessert (11) und der Jugendschutz auf den Plattformen (10) gewährleistet werden.

All diese Wünsche machen klar, dass die Navigation auf den Plattformen und das Finden von guten Inhalten noch sehr schlecht gelöst ist und sich die Betreiber in diesem Bereich noch viele Gedanken mache müssen, wie diesen Wünschen besser entsprochen werden kann.

Die restlichen Antworten bezogen sich hauptsächlich auf Featurewünsche und dabei hauptsächlich auf eine Download-Funktion, sowie auf technische Probleme.

Nebenbefunde

  • 5% halten eine TV Sendung mit Videoclips aus dem Internet für sehr interessant – 55% für weniger oder gar nicht interessant. (n=467)
  • 6% der Befragten wären bereit 99 Cent für einen Videoclip zu bezahlen – 93% wollen gar nichts bezahlen. (n=432)
  • 11% finden es interessant ein Videoportal auf dem Handy zu nutzen – 89% haben kein Interesse (n=382)

Fazit

  • Die Rangfolge YouTube, MyVideo und Clipfish wurde wieder einmal bestätigt.
  • Es gibt eine sehr aktive Gruppe von Benutzern, die mehrere Videoportale nutzt und täglich auf ihnen unterwegs ist.
  • Persönliche Empfehlungen von Clips und Videoplattformen sind der effektivste Weg um Besucher auf die Portale aufmerksam zu machen. (TV-)Werbung spielt nur eine untergeordnete Rolle.
  • Die Besucher können keinen Unterschied in der Bedienung, im Design oder bei den Inhalten der verschiedenen Videoportale feststellen.
  • Das Finden von Videos und deren Kategorisierung und Darstellung muss noch einmal gründlich überdacht und verbessert werden.

Vielen Dank an Nikoletta Lemmer, Frank Maier und Carina Schmelcher für die Erfassung dieser Daten und dafür, dass ich sie hier zweitverwerten darf.

11 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

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  4. YouTube ist auch hier der Liebling der Befragten, immerhin 42% haben dort einen Account. Wozu die Befragten ihre Accounts nutzen, konnte leider nicht geklärt werden.

    um sich Video anzusehen, die als „inappropriate“ geflagt sind ;)

  5. Pingback: ViralMarketing » Videoportale im Vergleich - guter Content ist schwer zu finden!

  6. Pingback: WebZweiPunktNull.de » Blog Archive » Ranking deutscher Web 2.0 Videoportale

  7. Hallo Bertram,
    hast Du eigentlich Zahlen darüber wieviele Videos täglich weltweit auf den gängisten Plattformen hochgeladen werden? Würde mich mal interessieren. Gruß

  8. Pingback: web2com AG - first choice for online and mobile marketing » Blog Archiv » Deutsche Studie zur Nutzung der Videoplattformen