Das YouTube Problem. [Update]

Socialnetworking Seiten mit Inhalten von Konsumenten befinden sich gerade zweifellos im Aufwind. Die vor einem Jahr gestartete Videosharing Seite YouTube ist eines der besten Beispiele. Auf YouTube kann jeder seine Clips und Videos umsonst hochladen oder die Videos anderer betrachten. Mittlerweile werden bei YouTube jeden Tag 20 000 Videos hochgeladen und über 15 Millionen Videos angeschaut. Das führt zu einem Alexa Traffic Rank von 144 (3 Monatsmittel) und das innerhalb eines Jahres. Doch trotz des Erfolgs gibt es massive Probleme für YouTube, die der Service lösen muss um nicht einen genauso schnellen Abstieg zu nehmen. Das große Problem für YouTube ist, dass der Service eines Tages Geld verdienen muss, denn die $5 Millionen in Venture Kapital reichen sicher nicht lang um die immensen Traffic Rechnungen zu bezahlen. Die Probleme im Einzelnen:

  1. Werbekunden möchten Qualitativ hochwertingen Inhalt. Damit YouTube lukrative Richmedia Werbeblöcke vor und nach den Videos verkaufen kann, muss eine Qualitätskontrolle her. Die großen Marken wollen keine Werbung vor schlechten Homevideos machen. Obwohl es Außnahmen gibt sind doch die meisten Clips billig und langweilig oder setzen auf dreckigen Humor und den Erotikfaktor, alles nicht akzeptabel für die Werbetreibenden.
  2. YouTube hilft anderen aber nicht sich selbst. Der Saturday Night Live (SNL) Clip Lazy Sunday wurde auf YouTube über 5 Mio. mal gesehen. Dadurch half YouTube NBC ganz neue Zuschauerschichten für SNL zu gewinnen und die schwächelnden Quoten zu retten. Als NBC die Popularität von Lazy Sunday erkannte wurde YouTube aufgefordert den Clip zu löschen. NBC bietet jetzt den Clip umsonst auf seiner Seite sowie im iTunes Music Store für $1,99 an. YouTube bleibt die Traffic Rechnung – eine Kooperation oder Beteiligung wäre besser.
  3. Geklaute Inhalte sind die beliebtesten Inhalte. Die beliebtesten Videos bei YouTube sind meist Mitschnitte aus Fernsehsendungen oder anderweitig geklaute Clips. YouTube versteckt sich momentan hinter seinen Terms of Use laut denen der Benutzer die Rechte an dem hochgeladenen Clip oder Video besitzen muss und der Clip kein Copyright verletzen darf. Allerdings wird das nicht mehr lange gut gehen. So forderte NBC YouTube auf 500 Clips zu löschen ebenso wie CBS YouTube sieht sich aber trotzdem nicht im Stande solche offensichtlich geklauten Clips von sich aus zu sperren. Außerdem wurden gelöschten Clips sofort von anderen Usern ersetzt und es bleibt abzuwarten bis ein erster Prozess dem ganzen ein Ende setzt.
  4. Keine Alternative für unabhängige Filmemacher. YouTube bietet sich auch als Plattform zur Promotion von Filmen an. So haben über YouTube haben manche Filmemacher schnell Berühmtheit erlangt. Allerdings beinhaltet diese Chance auch große Risiken, denn nach den Terms of Use erhält YouTube eine Lizenz den Film ohne Gewinnbeteiligung des Schöpfers im Internet zu zeigen und zu vertreiben. Sollte YouTube also mit dem Film Geld verdienen geht der Produzent leer aus. Außerdem kann es Problemen mit den Terms of Use und anderen Videosharingdiensten geben, so dass die Videos nur bei YouTube gehostet werden können.
  5. YouTube hat kein Geschäftmodell. Es wird gerade heftig diskutiert ob YouTube ein Geschäftsmodell ist oder nur ein Blutsauger. Meiner Meinung nach hat YouTube zwar eine Destinationsite für Internet Videos aufgebaut allerdings dürfte sich die Treue der Besucher in Grenzen halten. Sobald massiv Clips aufgrund von Copyrightverletzungen gelöscht werden wird der Besucher schnell zu anderen Diensten wechseln. Und das Verbreiten von geklauten Inhalten ist kein funktionierendes Geschäftsmodell.

YouTube hat also eine Menge Probleme zu bewältigen. Sollte es YouTube schaffen diese Probleme in den Griff zu bekommen ensteht sicher eines der interessantesten Internet TV Angebote im Web. Ansonsten sehe ich schwarz für die Zukunft von YouTube.

Update: Es sieht so aus, als ob YouTube sich der Probleme durchaus bewusst ist. Zuerst wurde nun der Uploadprozess angepasst (man muss nun zustimmen, dass einem der Clip gehört) und des Weiteren bietet YouTube nun ein Partnerprogramm an. MTV2 ist der erste Sender, der davon gebrauch macht und Clips offiziell über YouTube vertreibt. Dabei werden die professionellen Clips im „premium content provider program“ mit einem Hinweis auf den Veröffentlicher versehen.