Das YouTube Ökosystem

YouTube dominiert den deutschen Videoplattform Markt. Sowohl was die Videoabrufe, was die User als auch was die Sehdauer anbelangt ist YouTube ein Vielfaches größer als die nächsten Konkurrenten. Selbst die Privatsender mit ihren Videoportalen MyVideo und Clipfish sowie den jeweiligen Mediatheken erzielen nur einen Bruchteil der Abrufe von YouTube.

Es überrascht somit nicht sonderlich, dass die Sender aufhorchen und mehr Regulierung für Google fordern, wenn einmal mehr klar wird, dass YouTube auch Filme und TV-Inhalte auf der Plattform anbieten wird. Jedoch werden wahrscheinlich noch einige Jahre vergehen bis YouTube in diesem Feld ein attraktives Angebot aufweisen kann. Allein der Vergleich von YouTube Deutschland (keine Filme, Serien, Musik oder Mediatheken) mit YouTube UK oder USA zeigt wie groß die Lücken hierzulande sind.

Doch die Diskussion geht am Kern von YouTube vorbei. Natürlich wird die Plattform sich weiter professionalisieren aber die wahre Gefahr für die Sender sind nicht die Serien oder Filme, die irgendwann auf YouTube angeboten werden sondern die neuen Inhalte und Produzenten die auf der Plattform entstehen. Denn diese Angebote gehen komplett an den heutigen Strukturen vorbei und das bereits seit Jahren.

Ein neues Ökosystem entsteht

Einen schönen Einblick in dieses neue Ökosystem gab der Videoday 2012 auf der Gamescom. Dort trafen sich ca. 4300 YouTuber, die sich einerseits austauschen konnten und andererseits die Gelegenheit hatten ihre Stars zu treffen. Die Schlangen für Autogramme von AlexiBexi, Y-Titty oder Coldmirror gingen zum Teil durch die ganze Halle des Videodays.

Dass es YouTube ernst meint mit seinem Vorhaben ein neues Content-Angebot jenseits des Fernsehens aufzubauen zeigt nicht nur der Videoday sondern auch der Creators Space in London, die $100 Millionen für original Channels und die $200 Millionen zur Promotion der Inhalte. YouTube möchte sich langfristig unabhängig machen von Hollywood und den Inhalten der Sendern. Deshalb werden sowohl große Produzenten als auch YouTube-Natives hofiert und gefördert.

Top YouTube-Kanäle

Wie attraktiv ist es für YouTube-Partner und Produzenten Inhalte für die Plattform zu produzieren? Welche Umsätze generiert die Plattform jenseits der schwammigen Aussage, dass tausende Partner sechsstellige Einnahmen pro Jahr durch YouTube erzielen. Um diese Fragen näher zu beleuchten habe ich mir zehn der populärsten deutschen YouTube Kanäle näher angesehen.

Das Erstellen einer richtigen Top 10 ist angesichts der verschiedenen Dimensionen (Abonnenten, Gesamtabrufe, Abrufe letzter Monat, …) etwas schwierig. Deshalb ist die Liste eine subjektive Auswahl, die verschiedene Genres abdeckt und Werbekanäle (XboxViewTV) und Musikkanäle (Kontor) ausschließt. Die Liste umfasst journalistische Formate (MovieManiacsDE, vipmagazin, www16barsde), Letsplay Angebote (Gronkh, PietSmittie), Sketche (Y-Titty, DieAussenseiter, albertoson) und Videoblogs/Mischkanäle (Coldmirror, JuliensBlog). Interessant an dieser Top-Liste ist, dass mit Ausnahme von JuliensBlog alle Kanäle in 2008 oder früher eingerichtet wurden. Die Anbieter haben also schon einige Jahre YouTube Erfahrung.

Betrachtet man die letzten 18 Monate fällt auf, dass lediglich vier der zehn Kanäle eine signifikante Steigerung der Videoabrufe pro Monat erzielen konnten wohingegen die anderen sechs Kanäle ihr Niveau gehalten haben. Anscheinend haben diese Kanäle ihr Publikum gefunden und dieses lässt sich nicht weiter skalieren.

Eine nähere Analyse der letzten 30 Tage zeigt den Wert des Archivs für YouTube-Kanäle. Bei fast allen Kanälen entfallen über 50% der Abrufe auf Videos die nicht in dieser Zeit hochgeladen wurden. MovieManiacsDE und vipmagazin sind besonders extrem. In den letzten 30 Tagen gab es offensichtlich keine neuen Filmtrailer, die Nutzer gezogen hätten, so dass die Kanäle trotz vieler neuer Uploads fast komplett vom Archiv lebten.

Während es das Archiv einfach macht das Niveau zu halten, lässt sich nur durch eine gute Performanz der neuen Uploads ein Kanalwachstum erzielen. PietSmittie und JuliensBlog haben das im letzten Jahr gezeigt. Während JuliensBlog über wenige erfolgreiche Videos innerhalb eines Jahres zu einem der populärsten deutschen Kanäle wurde, stammt das Wachstum von PietSmittie aus der schieren Menge an neuen Inhalten. 413 neue Videos mit einer Gesamtdauer von über 134 Stunden wurden in den letzten 30 Tagen veröffentlich – das sind immerhin 4,5 Stunden neues Programm pro Tag.

Umsatzschätzung der YouTube Kanäle

Eine genaue Analyse der Umsätze der Kanäle ist schwierig, da es YouTube seinen Partnern verbietet über die TKPs Erlöse (Partner dürfen über die erhaltenen Auszahlungen sprechen – danke Legendofmania) und den verhandelten Share zu sprechen. Zudem werden nicht alle Videoabrufe vermarktet, da viele Geräte noch keine Werbung unterstützen (iPhone, iPad, andere Smartphones, AppleTV …). Die Quote der mobilen Abrufe liegt in Deutschland bei bis zu 40% – kein Wunder also, dass YouTube massiv daran arbeitet auf mehr Geräten Werbung zeigen zu können.

Um trotzdem eine Annäherung zu bekommen habe ich exemplarisch einen effektiven TKP von 2,50 Euro angenommen und diesen mit den Gesamtabrufen des letzen Monats verrechnet. Die tatsächlichen Umsätze können natürlich deutlich über oder unter diese Schätzung liegen. Folgt man den Annahmen zeigt sich, dass noch nicht einmal alle aus den Top 10 gut von den YouTube Umsätzen leben können. Trotzdem gibt es auch in Deutschland den einen oder anderen Kanal der definitiv sechststellige Summen von YouTube im Jahr überwiesen bekommt.

Stellt man die erzielten Einnahmen den produzierten Minuten der letzten 30 Tage gegenüber zeigen sich enorme Unterschiede. Während die Erlöse pro Minute in der Letsplay-Kategorie eher bescheiden sind können sich die Einnahmen bei den Videoblogs und Sketchen durchaus sehen lassen wobei dort natürlich auch die Produktionskosten je Minute deutlich höher sein dürften.

Die Zahlen deuten zudem an, dass man immer noch massive Abrufzahlen benötigt um von YouTube leben zu können. Somit machen momentan hauptsächlich Formate und Kanäle (kommerziellen) Sinn, die es schaffen Millionen Abrufe jeden Monat zu realisieren. Auch wird bei dieser Momentaufnahme außer Acht gelassen, dass die Meisten der heutigen Top-YouTuber Jahrelang ohne Entlohnung in Inhalte und Plattform investiert haben. Investitionen, die gerade erst beginnen sich auszuzahlen.

Professionellere Strukturen

Dass sich auf YouTube Geld verdienen lässt haben nicht nur die Top-YouTuber festgestellt sondern auch Investoren und Startups drängen in diesen Bereich. So wurden in letzter Zeit gleich mehrere YouTube-Netzwerke mit Venture Capital ausgestattet und es entwickeln sich immer mehr YouTube-Labels, die die Betreuung und Vermarktung von YouTube-Kanälen übernehmen. Während Maker Studios, Fullscreen oder Broadband TV jeweils mehrere hundert Kanäle unter Vertrag haben wächst in Deutschland Mediakraft stetig und hat nun über 80 Kanäle im Portfolio. Es ist nur eine Frage der Zeit bis hier noch deutlich mehr Anbieter ihr Glück versuchen werden.

Wir werden also in nächster Zeit nicht nur den Start von Original Channels in Deutschland erleben sondern auch deutlich professionellere Strukturen.

Social TV: Die fünf Stufen der Interaktion.

Social TV hat ein spannendes erstes Halbjahr hinter sich. Indem TV-Sender die Interaktion auf Social Networks immer tiefer ins Programm integrieren, erreicht Social TV zunehmend auch eine Sichtbarkeit jenseits des Netzes. Wenn Oliver Kahn während der EM im ZDF seinen ersten Tweet absendet werden Millionen Deutsche auf den Kurznachrichtendienst aufmerksam. Diese und ähnliche Aktionen werden dafür sorgen, dass Social TV weiter in den Mainstream diffundiert.

Doch allein mit einem twitternden Co-Moderator ist es noch lange nicht getan. Es gibt bedeutend mehr Spielarten, wie Interaktion und TV-Programm sinnvoll kombiniert werden können. Diese Spielarten lassen sich nach verschiedenen Stufen der Interaktionen clustern, die in der Regel nacheinander durchlaufen werden. Sie reichen von der Nutzer zu Nutzer Interaktion, der moderierten Interaktion über die Spiegelung der Interaktion, das Engagement der Nutzer bis hin zur Interaktion mit dem TV Programm.

1. Nutzer zu Nutzer Interaktion

Zuschauer kommentieren auf eigene Veranlassung das TV-Programm, entweder mit ihren Freunden auf Facebook, in einer Check-In App oder öffentlich über Twitter. Der Sender ist in diesem Szenario außen vor.

Der Tatort war bis vor kurzem das beste Beispiel für diese Stufe. Die Zuschauer tauschten sich unter #tatort auf Twitter rege aus, ohne dass die ARD an der Konversation teilgenommen hat.

2. Moderierte Interaktion

MTV nahm 2008 erstmals aktiv an der Kommunikation um die Video Music Awards teil. Damals wurden die Stars mit Smartphones ausgestattet um Kurznachrichten aus dem Backstage-Bereich zu senden.

Auf dieser Stufe nimmt der Sender an der Kommunikation und Interaktion teil indem er über Social Media Accounts des Senders, der Akteure oder der Sendung aktiv mit den Nutzern interagiert bzw. eigene Inhalte generiert. Beispielsweise begleitet das ZDF mit @ZDF auf Twitter das Programm vorbildlich. Die Nutzer haben einen Anlaufpunkt und erfahren live etwas zum Programm.

3. Spiegelung der Nutzerinteraktionen

2009 entschied sich MTV nicht mehr nur in Social Media aktiv zu sein sondern die Interaktionen der Nutzer in einer Datenvisualisierung im Netz zu spiegeln.

Die Sender kuratieren und aggregieren Nachrichten und Kommentare der Nutzer und spiegeln so die Interaktion entweder im TV-Programm oder auf der eigenen Seite wider. Die einfachste Form ist es ein Twitter-Widget oder einen Facebook-Chat auf der eigenen Homepage einzubinden, was gerne beim Eurovision Song Contest und ähnlichen Ereignissen gemacht wird. Etwas aufwändiger wird es wenn ausgewählte Anmerkungen im TV-Programm als Bauchbinde oder Screenshot zu sehen sind, wie bei The Voice of Germany und anderen Showformaten oder wie im Falle von MTV eine Datenvisualisierung eingesetzt wird.

4. Engagement der Nutzer

Im Jahr 2010 erweiterte MTV die Integration von Social Media nochmals und setzte nicht nur auf Twitter-Moderatoren und eine gigantische Visualisierung sondern auch auf unterhaltsame Hashtags, wie das legendäre #IfBieberMetGaga.

Während bis hierhin alle Stufen darauf gesetzt haben, dass die intrinsische Motivation der Nutzer bzw. die Chance mit einem Tweet ins TV zu kommen zur Interaktion ausreichen geht das bewusste Engagement der Nutzer einen Schritt weiter. Die Nutzer interagieren nicht nur, weil sie interagieren möchten, sondern sie bekommen kreative Aufgaben oder werden nach ihrer Meinung gefragt. Die Antworten und Ergebnisse fließen wiederum in die Sendung ein.

ProSieben hat bei Popstars mit dem Hashtag #NelaOnMyCouch zum Beispiel den Anreiz eines Besuchs von Nela geboten.

Etwas weiter geht Fox, das mithilfe von Twitter politische Debatten analysiert hat. Dazu konnten Nutzer über Twitter melden ob der Redner einer Frage ausgewichen ist (#dodge) oder sie beantwortet hat (#answer). Ähnlich verhält es sich auch mit Visualisierungen und Rankings im TV, die sich auf Basis von Nutzerinteraktionen in Echtzeit aktualisieren.

5. Interaktion mit dem TV Programm

Dieses Jahr hat MTV bei den Movieawards schließlich auch Social Media als Entscheidungsträger ins Programm genommen. Die Nutzer konnten per Twitter abstimmen, wer den Award für Best Hero erhält.

Diese letzte Stufe ist zugleich die schwierigste, weil es nicht nur darum geht, dass Nutzer mit einzelnen Teilen des Programms interagieren und sich darüber austauschen sondern sie Einfluss auf den Ausgang des Programms haben. Das bedeutet die Interaktion der Nutzer lenkt die Sendung, was natürlich bei vielen Programmen nur schwer möglich ist. Doch es gibt vor allem bei Events und Shows einige Ansätze wie diese Art der Interaktion berücksichtigt werden kann. Votings sind die einfachste Antwort wie die MTV Movie Awards zeigen. Eine weitere Möglichkeit Formate wirklich interaktiv zu gestalten ist es Nutzer über Social Media in die Sendung zu holen wie bei der Rundshow geschehen oder sie zumindest Inhalte zuliefern zu lassen.

Wie Interaktion sinnvoll in die Narration integriert werden kann, ohne die nicht aktiven Zuschauer zu verschrecken ist allerdings noch eine der großen Herausforderungen von Social TV, die es in der Zukunft zu lösen gilt.

Interaktion mit Social Media als Mehrwert

Das MTV Beispiel zeigt schön wie sich ein Format durch den Einsatz von Social Media über die Jahre wandelt und anpasst. Nimmt man diese fünf Stufen als Grundlage kann man die Social TV Aktivitäten nicht nur quantitativ einordnen sondern auch qualitativ. Das erlaubt es TV-Formate zu verorten und in ihrer Entwicklung zu begleiten. Denn mit der Zeit durchlaufen Formate mit einer erfolgreichen Social TV Strategie die verschiedenen Stufen und landen am Schluss je nach Art des Inhalts auf Stufe vier oder fünf. Diese Entwicklung liegt darin begründet, dass sich ein Zusammenhang zwischen dem Grad der Interaktion und der Anzahl der Interaktionen abzeichnet. Je konsequenter ein Format auf Social TV Interaktionen setzt umso erfolgreicher ist es auf Social Networks.

Schaut man in die USA kann man zudem feststellen, dass Social TV neben der höheren Bindung und Aufmerksamkeit der Nutzer an und für das Programm auch ein interessantes neues Geschäftsfeld für die Sender darstellt. So gibt es erste Bemühungen die Social TV Aktivitäten zu monetarisieren. Dazu werden die gesammelten Interaktionen von Stars, Sender und Nutzern an Dritte lizenziert, die ebenfalls ein Interesse daran haben die Interaktionen dazustellen. Der Sender USA vermarktet sein Social TV Widget zu Serien wie Suits oder Covert Affairs an TV Guide, die wiederum dadurch ihren Nutzern das komplette Paket bieten können.

Social TV Ausblick

Für das Blog zur Rundshow wurde ich gebeten einen kleinen Ausblick auf die Entwicklung von Social TV zu schreiben, dies ist das Ergebnis, das auch als Gastbeitrag bei der Rundshow erscheint.

Was können wir von der noch jungen Entwicklung Rund um Social TV erwarten und wie wird Social TV das Fernsehen verändern? Um diese Fragen zu beantworten muss zuerst geklärt werden, für was der Begriff Social TV steht. Fernsehen ist und war seit jeher ein soziales Medium. Fernsehen liefert Gesprächsstoff, ein Gemeinschaftserlebnis und zum Teil ein kollektives Gedächtnis – kurz es sorgt für einen Common Ground.

Social TV baut auf die soziale Komponente des Fernsehens auf und sorgt in vielen Fällen für einen effektiveren und schnelleren Austausch mit Fremden. Des Weiteren eröffnet Social TV neue Möglichkeiten, indem es die sozialen Interaktionen quantifizierbar und erweiterbar macht. Konkret umfasst Social TV drei Bereiche:

  1. Personalisierung des TV Programms. Nutzer teilen über soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook sowie Check-In Diensten wie Miso und GetGlue ihre Konsumgewohnheiten mit. Diese Daten werden anschließend zur Personalisierung des Programms eingesetzt.
  2. Interaktion mit und über TV-Inhalte. In sozialen Netzen oder innerhalb von SecondScreen Applikationen interagieren Nutzer mit dem Programm und weiterführenden Inhalten.
  3. Virtualisierung des sozialen Kontextes. Die Couch wird ins Internet verlagert, wo über Videokonferenzen Inhalte gemeinsam konsumiert werden oder Nutzer als Avatare gemeinsam Programme konsumieren.

Anhand dieser drei Vektoren wird sich Social TV weiterentwickeln und man kann schon jetzt sicher sagen: “We Ain’t Seen Nothing Yet”.

Personalisierung

Wenn heute bereits 68% der Frauen Facebook dem klassischen TV-Guide vorziehen, ist es nur noch eine Frage der Zeit bis aus einem Programm für alle ein personalisiertes Programm für jeden Einzelnen wird. Die Bereitschaft der Nutzer ihre Vorlieben und ihren TV-Konsum mit Apps und Social Networks zu teilen sorgt für eine breite Datenbasis als Grundlage für die Personalisierung des Programms. Die einzige Frage, die sich in Zukunft noch stellen wird ist wie tief die Personalisierung in das TV integriert wird. Ob bereits die TV-Sender personalisierte Streams ausliefern, die uU sogar im Bild und in der Story auf den einzelnen Nutzer eingehen, oder ob die Personalisierung in Discovery-Applikationen stattfinden wird, die die jeweils passenden Programme zusammen stellen und auf diese verweisen. Je weiter wir in die Zukunft schauen für umso realistischer halte ich das integrierte Modell.

Interaktivität

Twitter Nachrichten zum Tatort sind schon so relevant, dass Spiegel Online den Tatort live mit twittert. Trotzdem liegt die Interaktionsquote der TV-Zuschauer momentan noch deutlich unter 1% und wohl eher bei 0,1%.

Ein Wert der in naher Zukunft deutlich steigen dürfte. Zum einen nutzen über zwei Drittel der Smartphone und Tablet Besitzer in Deutschland die Geräte parallel zum Fernsehen als Secondscreen. Zum anderen beginnen die Sender gerade erst damit die Zuschauer auf die Interaktionsmöglichkeiten hinzuweisen, indem sie Twitter-Hashtags und andere Call-to-Actions ins Programm einbauen. Das beutetet in Zukunft werden wir kaum mehr ein populäres Programm sehen, dass keine speziellen Informationen für Parallel-Nutzer anbietet und so gut wie jedes Programm wird auf die eine oder andere Interaktion eingehen. Noch haben Applikationen wenig Bezug zum Programm und Interaktionen der Nutzer wenig Einfluss, doch in Zukunft werden Apps und Interaktionen immer mehr eine natürliche Erweiterung des Programms darstellen.

Virtualisierung

Heute ist der dritte Vektor, die digitale Couch, lediglich in Ansätzen erkennbar. Microsofts XBox Live Community, Google Hangouts, Facebook Listen with Friends zeigen erste Richtungen auf, wie Nutzer virtuell gemeinsam TV-Inhalte konsumieren könnten. Doch noch gibt es keinen Service der dieses Versprechen voll einlöst. Sowohl Facebook, Google, Microsoft als auch zig Startups arbeiten mit Hochdruck daran dieses Problem zu lösen, verspricht es doch Nutzer an die eigenen Services zu binden und die Nutzungszeit drastisch zu erhöhen. Zudem ist dieser Trend die logische Erweiterung der Personalisierung und Interaktion, denn wenn jeder Nutzer virtuell mit anderen gemeinsam konsumieren kann bietet auch eine individuelle Nutzung genügend Nährboden zur Interaktion.

Social TV Ausblick

Social TV wird dazu führen, dass TV-Programme auf neuen Wegen entdeckt werden. Mittels Empfehlungen von Freunden und auf Basis des Nutzerverhaltens werden verschiedenste Anbieter personalisierte Programme zusammen stellen, die sich aus den unterschiedlichsten Quellen speisen. Interaktivität wird zur Norm, wobei sich das Level von Sendung zu Sendung deutlich unterscheiden wird. Von der einfachen Zusatzinformation, die auf dem Tablet abgerufen wird, bis hin zur direkten Interaktion mit den TV-Akteuren über das Smartphone reicht die Bandbreite. Schließlich wird Social TV dem ondemand Konsum wieder einen sozialer Kontext verleihen indem sich ad-hoc Communities rund um Medieninhalte bilden und die Nutzer auf einer virtuellen Couch platz nehmen.

TV-Infrastruktur: Kabel als Plattform

Momentan versuchen Infrastrukturanbieter von Telcos bis Kabelnetzbetreiber sich über Medien-Angebote zu differenzieren. Dabei wäre eine weitaus nachhaltigere Strategie der Aufbau einer Plattform. Eine intelligente Plattformstrategie, wertet das Netz durch ausgewählte Dienste auf und bietet Anbietern von Internet-Services und Applikationen eine Grundlage für attraktivere Produkte, die wiederum die Infrastruktur aufwerten.

Mit Unitymedia offeriert nun auch der letzte Kabelnetzbetreiber in Deutschland einen eigenes Video-on-Demand Angebot. Zwar erscheint die Erweiterung des klassischen Kabelanschlusses um ein Video-on-Demand Angebot als logischer Schritt doch noch bildet kein VoD Angebot der Kabelnetzbetreiber auch nur annähernd den Umfang eines iTunes oder Maxdomes ab. Angesichts der Komplexität der Rechteverhandlungen, der Technologien und des Betriebs stellt sich die Frage ob die Kabelunternehmen nicht mit einer Plattformstrategie besser fahren würden, bei der sie sich nicht um die Inhalte und das Interface kümmern müssen sondern sich auf die eigenen Stärken nämlich das Netz und die Infrastruktur konzentrieren. Dan Frommer von SplatF hat diesen Ansatz schön zusammen gefasst:

So, hey, cable companies: Stop worrying about losing control over the “experience” — you’re not doing a very good job with that anyway — and open the cable subscription up as a platform. You might even learn something.

In diesem Ansatz stecken viele interessante Ansatzpunkte, die die Rolle der Kabelnetzbetreiber aber auch der Telcos neu definieren könnte.

Von Außen betrachtet könnten die Infrastrukturanbieter mit wenigen zentralen Schnittstellen zum einen dafür sorgen, dass sich neue innovative Services entwickeln und zum anderen ihre eigene Position und Rolle stärken.

Authentifizierung: Zugriff jederzeit und überall

Letztlich kontrollieren die Kabelnetzbetreiber den Zugang zum Fernsehsignal. Nur leider ist dieses Signal im Koaxialkabel in der Wohnung gefangen. Indem die Kabelnetzbetrieber einen Authentifizierungsdienst anbieten, können Nutzer ihren Anschluss losgelöst von der Buchse in der Wand auch über das Internet nutzen. Damit werden neue Webservices aber auch das Place- und Deviceshifting möglich.

In den USA ist dieses Prinzip unter dem Schlagwort TV Everywhere eingeführt. Mit TV Everywhere können sich Nutzer gegenüber einer Vielzahl von Apps mit ihren Kabel-Login authentifizieren. Der Kunde muss so nicht für den gleichen Inhalt doppelt bezahlen und der Sender oder Inhalteanbieter macht sein Produkt attraktiver indem er den Komfort und die Zusatzfeatures von typischen Internet-TV Angeboten frei Haus ohne zusätzliche Kosten, wie sie zum Beispiel bei Netflix entstehen, liefert.

Access is as powerful as ownership. We have an ownership society now, but we’re moving toward an access society, where you’re not defined by the things you own but by the experiences you have.

Brian Chesky, CEO AirBnB

In Deutschland bestünde das Potential nicht so sehr in den Pay-TV Paketen sondern allein schon im komfortablen Zugang zum Free-TV Programm, gebündelt mit den Mediatheken. Die Kabelnetzbetreiber geben hiermit ihren Kunden einen Anreiz die Kabelanschlüsse zu personalisieren, denn über diese Authentifizierung wäre Fernsehen plötzlich so zugänglich wie Musik über Spotify oder Simfy.

Hardware: Die Set-Top-Box ist tot

Betrachtet man die Receiver und Set-Top-Boxen der Kabelnetzbetreiber wird man schnell an Smartphones aus der Pre-iPhone Ära erinnert. Auch hier liefern sich die Hersteller einen Feature-Wettbewerb ohne auf Ästhetik und ein gutes Interface zu achten. Die neuste Generation an Internet-Boxen hingegen zeigt deutlich wo die Reise hingeht. Diese Geräte sind entweder wie der Roku-Stick fast nicht mehr sichtbar oder haben nur noch einen minimalen Platzbedarf wie das AppleTV und die Boxee Box. Gleichzeitig bieten die Internet-Boxen deutlich bessere Interfaces und vor allem ein Ökosystem an Applikationen und Inhalten, die über das Internet abgerufen und genutzt werden können.

Natürlich könnten die Kabelnetzbetreiber selbst ein Ökosystem aufbauen aber ähnlich wie bei den VoD-Inhalten ist auch hier jeder einzelne Anbieter zu klein um eine Relevanz für Entwickler und Inhalte-Anbieter zu besitzen. Statt auf die klassische Hardware zu setzen könnten die Kabelanbieter proaktiv mit den neuen Plattformen kooperieren und versuchen ihre Services nativ in diese neuen Ökosysteme zu integrieren. Microsofts XBox Live ist ein gutes Beispiel dafür, wie verschiedene Infrastrukturanbieter von Verizon bis Comcast in einem Gerät mit ihren Angeboten vertreten sein können und gleichzeitig von der Hardware-Plattform profitieren.

Software & Services: Schnittstellen

Neben der Hardware stellen vor allem das Interface und die bereitgestellten Applikationen eine Herausforderung für Infrastrukturanbieter dar. Der klassische EPG hat in Kürze ausgedient und wird durch mobile Applikationen wie Tweek, Foundd oder Filmaster ersetzt. YouTube, VoD-Angebote wie iTunes und Streaming-Dienste wie Lovefilm und Netflix liefern Inhalte, die es nativ in das Angebot zu integrieren gilt. Zudem bieten immer mehr TV-Formate zusätzliche Inhalte und Informationen Rund um das Programm, ob auf Social Networks wie Twitter und Facebook, in eigenen Apps oder im Web.

Diese Internet-Services bieten den Nutzern mehr Inhalte, ein umfassenderes Erlebnis und einen besseren Zugang zum TV-Programm. Trotzdem fehlen ihnen noch an einigen Stellen wichtige Komponenten um eine breite Akzeptanz zu erlangen.

Erstens wissen sie nicht, was der Zuschauer gerade im TV sieht und sie müssen deshalb auf Interaktionen der Nutzer vertrauen. Zweitens können diese Services nur sehr schwer ihre Inhalte mit dem live Programm synchronisieren, da jeder Empfangsweg eine spezifische Verzögerung hat. Drittens ist es eine Herausforderung für diese Anbieter Medien und Abspielpositionen über Geräte hinweg zu synchronisieren, vor allem dann wenn der Fernseher berücksichtigt werden soll. Viertens kämpfen sie mit der Übertragung großer Datenmengen und es ist noch lange keine Selbstverständlichkeit HD-Programme über das Netz zu übertragen.

In diesen vier Bereichen ergeben sich sowohl für die Infrastrukturanbieter als auch für die Internetunternehmen interessante Möglichkeiten zur Kooperation. Die Kabel-Plattform könnte über die Bereitstellung einer Trigger-API, die Anbindung des TVs an Apps und Social Networks automatisieren. Mittels einer offenen Schnittstelle wird jeder vom Nutzer authentifizierte Dienst über die gesehenen Inhalte automatisch informiert. Damit entfallen lästige Check-Ins und die Daten erhalten eine neue Qualität. Über eine Sync-API erlaubt es die Plattform Secondscreen und Sender-Apps gleichermaßen ihren Inhalt an das TV-Programm anzupassen und verwandet Inhalte darzustellen. Zudem bietet diese Schnittstelle die Möglichkeit Abspielpositionen und Medien über Geräte hinweg zu synchronisieren, so dass der Nutzer Inhalte vom Tablet ohne Probleme auf dem TV konsumieren kann und vice versa. Letztlich bietet die Plattform Bandbreite für HD-Inhalte und garantiert die Auslieferung der Inhalte an die Endgeräte. Über diese Komponente lassen sich im besten Fall personalisierte TV-Kanäle auf den Fernseher in HD übertragen.

TV-Plattform

Mit einer Authentifizierung, der Kompatibilität zu Internet-TV Boxen und der Bereitstellung von ausgewählten Services über Schnittstellen können Kabelanbieter ihr Netz sowohl für Entwickler als auch für Kunden attraktiver gestalten. Der Fokus auf die basalen Dienste und Services befreit die Unternehmen davon mit Apple oder Amazon konkurrieren zu müssen und lässt sie gleichzeitig von den jeweils besten Lösungen in jeder Kategorie profitieren. Die tiefe Integration der Services in das Netz erlaubt beiden Seite bessere und kundenfreundlichere Lösungen anzubieten. Die Plattform kommt somit sowohl den Kabelnetzbetreibern als auch den Internetunternehmen zugute. Zudem bietet sie einen fruchtbaren Nährboden für Innovationen, die das Fernseherlebnis weiter aufwerten.

Brightcove im Wettstreit mit der do-it-yourself Mentalität

Nachdem Brightcove gerade erfolgreich an die Börse gegangen ist, bietet es sich an mit Eric Elia – VP TV Solutions bei Brightcove – darüber zu sprechen, wie er den Markt sieht, wo Brightcove steht und wie es weiter geht.

Entwicklung des Online Video Markts

Trotz des erfolgreichen Börsengangs sieht Eric den Videomarkt noch ganz am Anfang. Sowohl was die Technologien anbelangt als auch was den Vertrieb von Inhalten angeht gibt es noch viel Entwicklungspotential. Dabei sieht er den online Videomarkt ähnlich fragmentiert wie den Smartphone Markt vor dem iPhone. Es bedarf auch hier eines Katalysators um den Markt zur vollen Entfaltung zu bringen.

Letztich dominieren im Moment immer noch die Kabelnetzbetreiber und Telcos die Verbreitung von TV im Internet, da es für neue Player sehr schwer ist an hochwertige Inhalte zu gelangen. Die Lizenzen sind extrem teuer und die Produzenten hängen am Tropf der Netzbetreiber, die sich durch hohe Vorauszahlungen die Rechte sichern. Es geht also darum die Geschäftsmodelle für online Video zu definieren und das kann noch eine Weile dauern.

Für 2012 sagt Eric jedoch voraus, dass zumindest ein großes Technologieunternehmen ähnliche Summen für Inhalte bezahlen wird wie die Telcos und Kabelnetzbetreiber. Apple, Google, Amazon, Samsung oder Microsoft haben seiner Ansicht nach die finanziellen Mittel um sich die Rechte an einem großen TV-Ereignis wie den Olympischen Spielen, der Bundesliga oder der WM zu sichern. Diese Inhalte könnten online Video zum Durchbruch verhelfen und als Katalysator für eine breite Adaption sorgen.

Europa vs. USA

Interessanterweise sieht er Europa in Hinblick auf das TV-Catchup als weiter entwickelt an als die USA zumindest was die Einstellung der TV-Sender anbelangt. Allerdings bescheinigt er Europa auf der anderen Seite einen enormen Nachholbedarf, was die Aufbereitung der Mediatheken anbelangt. Diese orientieren sich noch zu sehr am traditionellen Programmschema anstatt mehr auf einen Zugang über Titel, Marken oder soziale Filter zu setzen. Vor allem das Entdecken und Finden von Inhalten ist deshalb noch nicht so einfach wie in den USA.

Mobile Nutzung explodiert

Die Videonutzung auf dem iPad ist laut Eric sehr beeindruckend – sogar so beeindruckend, dass Brightcove massiv in den Ausbau der User Experience auf Android und iOS Geräten investiert hat. Neben der mobilen Nutzung steigt vor allem die Nutzung auf Spielkonsolen, die sich immer weiter zum universellen Entertainment-Gerät entwickeln. Publishern rät Eric sich zuerst auf das iPad zu konzentrieren, jedoch die anderen Plattformen wie ConnectedTVs und Spielkonsolen nicht außer acht zu lassen, da diese je nach Land 5-10% mehr Traffic bedeuten können.

Konkurrenzsituation

Brightcove sieht zwei große Herausforderungen im Hinblick auf die Konkurrenz. Zum einen kämpfen sie mit Copycats, die ihre Leistungen und Services duplizieren zum anderen konkurrieren sie mit dem Wunsch vieler Medienunternehmen Videotechnologien intern zu entwickeln. Vor allem die do-it-yourself Mentalität sieht Eric als die größte Herausforderung für Brightcove. Dabei gilt es die Unternehmen davon zu überzeugen, den Schritt in Richtung einer cloudbasierten Lösung zu wagen. Letztlich basieren Eigenentwicklungen auch nur auf fremden Technologien, denn die Medienunternehmen werden wohl nicht anfangen einen eigenen Codec, ein eigenes Content Delivery Network oder einen eigen Transcodingserver zu schreiben. Zudem belegen laut Eric Statistiken, dass es sowohl schneller als auch günstiger ist eine Software-as-a-Service Lösung wie Brightcove zu implementieren statt die Technologie selbst zu entwickeln.

Interview Eric Elia

Lest im Anschluss das gesamte Interview mit Erics Einschätzungen zum Einfluss von beschränkten Breitbandanschlüssen, Secondscreen-Applikationen und Brightcoves AppCloud.

The dust around online video has settled and especially the US market with YouTube, Hulu, Amazon Prime & Netflix and TV Everywhere feels very mature. Which challenges does online video still face moving forward? How will the landscape evolve over the coming years?

I think it is not mature at all. It’s still very early. There are a few things that are happening and things we have not seen yet. If you look at the mobile world previously in 2007 you had a very fragmented landscape with a lot of companies trying to do applications and services for mobile phones but you had not yet had the iPhone to come out to really set the path for how things are going to look in the future.

I think we have not yet seen the iPhone of TV and which company that’s going to come from. And it’s still early on the technology side as well as the content distribution side. The economics producing premium video content distributing it across different devices profitably is very early days. In that space you have still traditional distributors whether it’s Sky or Deutsche Telekom or BBC or in the US Comcast and Time Warner Cable. You have traditional operators that dominate the premium TV distribution business. It’s still very difficult for startups or new companies to come in and distribute high quality content repackage it and present it to consumers. It’s also not economically viable for producers to do it on their own. Because of the financial upfront payments that come from traditional distributors which are hard to replace. So I think technology is getting closer to being clear. But the business side takes quite a bit of time to get resolved. My prediction is you’ll see in 2012 one of the big technology companies and it’s probably one of Apple, Amazon, Microsoft, Google or Samsung go spend the kind of money on content that an operator does. So in 2010 the Premiership in the UK cost over a billion pounds to BSkyB. I think you’ll just have to see similar kinds of numbers whether it is the Olympics, World Cup, NFL or Premiership. These rights will get bought up by one of the technology companies and that will be a kind of watershed moment that shows how seriously things are going to change. And when it is premium unique content you can’t get anywhere else coming through one of these types of services I think that’s when things will change.

Brightcove is a very international company with offices all around the world. And you were in the UK in the last year. Is the European and especially the German market different than the others or do you see similar patterns all over the world?

Germany in all of Europe is unique because premium PayTV is not as popular as it is in other countries in Europe or the US. The demand for what you might see in the US with a channel like HBO or in the UK with one of the Sky or Virgin channels is not as strong in Germany. It seems that Sky in Germany in particular is trying to create this demand by acquiring premium content. So that’s a big difference.

One thing I know that is very different is that in Europe as a whole there was for a while a much more sophisticated view towards what they call catch-up TV services. Yet the user interface was kind of backwards where it was still tied to the program guide and a linear schedule and that’s how people navigated on what you had missed in the past few days. I think where things have to go obviously is breaking out of the EPG or the programming guide. Discovery happens via Titles, Brands and social means rather than the traditional EPG programming guide.
That’s an interesting place where I think Europe was much further ahead than the US in terms of the availability of content but it was behind the US in just thinking about discovery and navigation. That’s changing – hopefully. Although the YouView UI was still kind of catch-up TV centered.

Another big difference I see that’s interesting is around metered broadband. In the US broadband is still all you can eat. There is no limit or a limit that most people don’t hit. In countries in Europe such as the UK broadband is metered. An so people are paying for the bandwidth that they consume. So as a result this changes the types of video products that people need and that they’re interested in. In Europe downloads are more important than they are in the US where things have moved to streaming and cloud based systems almost entirely.

As VP of TV Solutions you’re focussed on finally bringing online video into the living room on the big screen. How important are other devices than a PC for you and your customers? How much usage do you see on Post-PC devices?

We see a tremendous amount of growth in the Post-PC landscape. Many of our customers are looking to publish a wide range of devices such as iOS and Android. We’re particularly impressed by the amount of video consumption on the iPad and we think that should be a key part of every publishers strategy right now. To that end we put a tremendous amount of investment behind iOS and Android experiences including our new product AppCloud which is targeted on mobile and portable devices.

Additionally we see a lot of interest and some early successes on certain connected devices. I think most interestingly we are seeing gaming devices such as the XBox emerge in popularity as a device for finding and watching entertainment. And then the second area is what people are calling ConnectedTV or SmartTV. That segment is the traditional consumer electronics companies offering connected experiences and content directly to the TVs where you can install and utilize apps so to speak on a TV and access content over a broadband connection rather than traditional TV distribution technologies. That’s a very interesting category. We’re seeing some customers drive additional traffic from 5-10% of their audience by adopting individual new platforms. It varies country by country which platforms to focus on.

What consumption trends in terms of genres, viewing time and usage do you see? What trends do you see with your partners?

We’re seeing some new publishers emerge. Not I would say because of ConnectedTV but because of the opportunity to distribution content on the Internet as a whole directly to viewers though ones own website or through other distributors or third parties. I think ConnectedTV, gaming devices, mobile and portable create new touch-points for people to find and enjoy content. Increasingly what we’re seeing is the emergence of what people call the two screen experience where you’re watching video on a TV but on a mobile or portable device you’re using that device to either get related information or content to what you’re watching or you are using the second device as a tool for discover, search and personalization.

Do you offer solutions to synchronize these two?

We don’t today but we have customers who are able to do these things already. And some of the devices work together no matter what the content such as Apple’s AirPlay technology and there are similar schemes that are coming into play for other devices.

When I look at the online video platform space I see video transcoding, hosting and management becoming more and more of a commodity as CMS integrate these functionalities. Do you face the challenge to become a commodity?

Certainly every company faces several challenges. Challenge of your price going down. Challenge of competition and market with duplicate products that copy or mimic what you’ve been successful with. Certainly we’ve been a victim of that. Then every company is faced with their own internal challenges. How to grow effectively and successfully and remain fast moving and innovative as you get larger. To incubate the DNA of the company and the culture of what has made it successful as you grow internationally and people work in different locations. These are all universal challenges to any company that we’re very conscious of and focus on every day.

In the last Year we saw a lot of consolidation in the market mainly driven by Kit Digital. What competition is left and how do you differentiate?

On any given day we can count dozens of potential competitors in the market. Most often though the competition that you run into is a desire on the part of the company you’re dealing with to build their own solution. Where they feel like for some reason they need to own certain technological capabilities inside their organization and that will allow them to move faster. Statistics show though that the cost is higher generally of building those types of solutions in-house and the companies move slower when they build those sort of things. Also it’s some sort of a myth that you’re building it yourself. At some point in the technology stack you’re drawing a line as to where you going to use other technologies and when you’re going to build your own. And in the video space that line could be where Brightcove usually comes in which is really presenting everything someone needs to manage their online video business outside of producing content.

Brightcove doesn’t even go far up into advertising systems and things like that which we think are best served by specialists in the category. When you go down below there are things like encoding software, non linear video editing systems, content delivery networks, fingerprinting and watermarking technologies and codecs. At some point there you’re utilizing other technology. And so I think any media company has to look at it and just say where do we want to draw the line. Do we want to develop our own video codec? Do we want to create our own CDN? Do we want to create our own video player technology? Do we want to create our own programming language? Our own browser? Do we want to build our own encoding system? Do we want to create our own database technology? Where is that line? That winds up being the number one competition. Honestly it is the do it yourself.

So what’s next for Brightcove besides convincing the do it yourself crowd of signing up?

I think there are a lot of things that are next for us at Brightcove. We’re very excited about the AppCloud product which makes it really trivial to take videos, photos, news stories and other types of content not just video and to make those available to customers. It makes it easy to bring high quality mobile, portable products to market without a lot of heavy engineering and we’re very excited about that. The energy and excitement around it has been very high.

In the Videocloud area specifically we’re excited by the transformation happening in the TV and movie business. There is a lot of opportunity there for innovation. We’re also excited by the growth of the audience and the demands of viewing and watching programming on different devices that surged over the past few years. It has been great for all our customers.

Thank you!

TV-Sender und Studios schaffen sich ab: alternative Inhalte besiegeln ihr Schicksal

Auf die Frage, was das Ende von Fernsehen und Film herbei führt hat Paul Graham von Y-Combinator einen einfache Antwort:

What’s going to kill movies and TV is what’s already killing them: better ways to entertain people.

Die Film- und TV-Industrie schaut verängstigt auf technologische Neuerungen und Veränderungen wie Filesharing, One-Click-Hoster, Automatenvideotheken oder Livestreaming und übersieht dabei schlichtweg die größte Gefahr: alternative Inhalte, die dazu noch einfacher verfügbar sind.

Künstliche Verknappung – schlechte Idee

Jahrzehntelang haben die TV-Sender und Studios ihre Verwertungsstrategien optimiert. Eines ihrer wichtigsten Werkzeuge dazu waren Verwertungsfenster, die den Zugang zu Inhalten nach Regionen, Zeiten und Medien reglementieren und für eine künstliche Verknappung des Inhalts sorgen. Diese Strategie wird nicht mehr nur dazu eingesetzt Erlöse zu optimieren sondern auch um Vertriebswege künstlich am Leben zu halten. Dies kann man zum Beispiel bei der DVD beobachten, deren Lebenszeit durch immer längere Wartezeiten für DVD-Verleiher wie Netflix und RedBox künstlich verlängert wird.

Restricting access to content is a bad business model in the age of a global network that costs practically nothing to distribute on.

Im Internet potenziert sich dieses Problem. Fred Wilson illustriert am eigenen Beispiel, wie ihn Verwertungsfenster vom eigentlichen Filmkonsum abhalten und er auf alternative Inhalte ausweicht – er ist kein Einzelfall. Hinzu kommt, dass es mittlerweile Studien gibt, die nahe legen, dass die sofortige Verfügbarkeit von Inhalten zum Beispiel dem Kino in keiner Weise schadet, wohingegen die Verzögerung eines internationalen Vertriebs die Piraterie fördert.

Doch es ist nicht nur die internationale Verfügbarkeit von Filmen und TV-Inhalten, die problematisch ist auch der digitale Vertrieb stellt sich schwierig dar und eine Besserung ist nicht in Sicht. Tristan Louis hat die Verfügbarkeit der Top 100 Filme aus 2010 und 2011 als Video on Demand untersucht und musste feststellen, dass lediglich 15 der Top 100 Filme auf iTunes und Amazon angeboten werden – damit hat sich die Situation im Vergleich zu 2010 deutlich verschlechtert, damals waren knapp 50 Filme verfügbar.

The pic­ture here actu­ally shows some­thing fairly dis­as­trous to peo­ple who hope that things are improv­ing in terms of avail­abil­ity of movies along the long tail.

Das Bild sieht bei digitalen Downloads nicht wirklich besser aus – in dieser Kategorie werden maximal knapp die Hälfte der Filme legal angeboten. Kann man die Zurückhaltung bei VoD noch irgendwie verstehen, erschließt sich mir die künstliche Verknappung bei digitalen Downloads nicht – hier wird schlicht und einfach Geld auf dem Tisch liegen gelassen.

Die Liste der künstlichen Verknappung lässt sich beliebig fortschreiben, ob in England oder in Deutschland, wo nicht einmal die Hälfte der Sender als Livestream zu sehen sind und die Mediatheken einem Flickenteppich gleichen. Nicht umsonst musste Bitbop nach knapp einem Jahr wieder schließen – sie hatten einfach keine attraktiven Inhalte, die Nutzer davon überzeugen konnten die monatliche Gebühr zu entrichten.

Hochwertige Inhalte sind gefragt

Der Netflix Start in England zeigt jedoch sehr deutlich, dass hochwertige Inhalte immer wichtiger werden um Nutzer zu gewinnen und Internet-Plattformen zu vermarkten. Lovefilm und Netflix wetteifern um streaming Rechte und versuchen sich gegenseitig mit exklusiv Deals auszustechen. Doch die streaming Plattformen haben auch erkannt, dass sie sich darüber in eine enorme Abhängigkeit von den Studios und Sendern begeben.

Eine nachhaltigere Strategie ist es über Eigenproduktionen die eigene Position zu festigen. Es verwundet also nicht, dass sowohl Netflix als auch Hulu fleißig in originär für ihre Plattformen produzierte Inhalte investieren. Auf Hulu lief gerade Battleground an. Eine Comedy-Serie Rund um eine Wahlkampagne in Wisconsin.

Netflix schickt dagegen Lilyhammer ins Rennen in der Steven Van Zandt seine besten Sopranos Zeiten wieder aufleben lässt und in Norwegen untertauchen muss.

Doch damit nicht genug. Hulu versucht weiteres Kapital einzusammeln um mehr originäre Inhalte produzieren zu können und Netflix hat bereits $300 Millionen für Eigenproduktionen in 2012 zur Seite gelegt. Netflix sieht sich deshalb auch nicht mehr in Konkurrenz zu anderen Internetplattformen sondern zu den großen Premium Networks wie HBO und Showtime, die sich ebenfalls über ihre Produktionen von der Konkurrenz abheben.

Alternative Videoinhalte

Die Studios und TV-Sender tun sich keinen Gefallen damit, dass sie den Zugang zu ihren Inhalten einschränken, denn während Hulu und Netflix das Premiumsegment des Marktes angreifen rollen YouTube und viele Prominente das Feld von hinten auf. Immer mehr große Namen aus Hollywood von Tom Hanks über Jennifer Lopez und Kevin Spacy bis hin zu Tony Hawk produzieren originäre Videoinhalte für das Web. Yahoo und YouTube sind hierbei die wichtigsten Partner der Promis. Vor allem YouTube versucht seine Plattform mit Prominenten aufzuwerten.

Hinzu kommen die existierenden großen YouTube-Partner wie Maker Studios, Machinima oder Vevo, die ebenfalls ihre Produktionen für YouTube intensivieren und ausbauen. Im Dezember erreichte Machinima auf YouTube knapp 23 Millionen Zuschauer, die jeweils über eine Stunde Videomaterial sahen. Zum Vergleich Tuner Digital (CNN, SportsIllustrated, tbs, Cartoon Network etc.) erreichte auf seinen Seiten 27 Millionen Videozuschauer für 27 Minuten. Im Internet können es YouTube Kanäle also schon locker mit etablierten Medienmarken aufnehmen und die nun von YouTube beauftragten und geförderten Kanäle dürften in einer ähnlichen Liga spielen.

YouTube sieht sich dabei als Enabler, der versucht den Markt, die Nachfrage und die Inhalte zu entwickeln ähnlich der Strategie der Kabelnetzbetreiber, die in ihrer Anfangszeit die TV-Cable-Networks förderten damit diese attraktive Inhalte für die neuen Kabelanschlüsse produzierten. Die exklusive Produktion für YouTube hat noch einen weiteren Grund. Angesichts der Tatsache, dass es fast unmöglich ist weltweite Rechte für existierende Inhalte zu erwerben bieten die originär produzierten Inhalte den Vorteil, dass sie nicht mit komplexen Verwertungsfenstern und regionalen Beschränkungen behaftet sind, was eine weltweite Auswertung der Inhalte erlaubt.

Alternative Inhalte: Spiele

Es sind jedoch nicht nur alternative Bewegtbildinhalte, die zur Gefahr für Hollywood werden sondern auch alternative Unterhaltungsformen wie Spiele und Applikationen. Paul Graham hat bei seiner Aussage wohl eher an Angry Birds gedacht als an neue YouTube Kanäle. Rovios Erfolgsspiel wird täglich 300 Millionen Minuten lang gespielt – das entspricht immerhin 2% des täglichen TV-Konsums in Deutschland. Diesen Milestone hat Angry Birds innerhalb von zwei Jahren erreicht. Es ist also durchaus realistisch eine größere Verschiebung des Zeitbudgets in fünf bis zehn Jahren anzunehmen.

Vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen

Whatever will change television will do so by re-defining the core product not just the tools we use to consume it.

Horace Dediu von Asymco

Ob GoogleTV, AppleTV, iTunes, Amazon, Megaupload oder thePirateBay keines dieser Unternehmen kann den TV-Sendern und Hollywood-Studios ernsthaft gefährlich werden, verbreiten sie doch letztlich nur die existierenden Inhalte auf neuen Wegen. Damit bedienen sie eine Nachfrage nach den Inhalten, die entweder von den Produzenten nicht bedient wird oder nicht komfortabel genug bedient wurde.

Indem die Sender und Studios den Zugang zu ihren Inhalte jedoch sehr restriktiv handhaben sorgen sie dafür, dass die Nachfrage nach alternativen Inhalten steigt und die Relevanz der eigenen Inhalte sinkt. Wenn Nutzer keine aktuellen Filme oder TV-Serien sehen können, dann werden sie eben den nächst besten Inhalt konsumieren und das können originäre Bewegtbilder für das Netz sein aber genauso gut Spiele und interaktive Applikationen auf Tablets und Smartphones. Nur über den einfachen Zugang zu ihren Inhalten können die Studios und Sender verhindern, dass sie eine ganze Generation an Games, Apps und Webvideos verlieren, die sie nicht wieder zurück erobern können. Diese Entwicklung ist meiner Einschätzung nach deutlich wahrscheinlicher als dass ein Startup den Film- und TV-Markt auf den Kopf stellt oder Piraterie zum Niedergang der Branche führt.