Videotrends in 2011 und 2012

online video trends 2011 und 2012

Zwischen den Jahren ist die beste Zeit ein Resümee des vergangenen Jahres zu zeihen und einen Ausblick auf das kommende Jahr zu geben. Im online Videomarkt hat sich viel getan wobei 2011 nicht das Jahr der großen Ereignisse war. Statt dessen gab es viele kleine Verbesserungen, Startups und Initiativen, die in 2011 den Markt voranbrachten.

Als Startpunkt für ein Resümee bieten sich meine fünf Prognosen aus dem letzten Jahr an. Damals hatte ich die folgenden fünf Trends zusammengetragen.

Twitter als Interaktive TV Plattform.

Im nächsten Jahr wird sich Twitter als interaktive TV-Plattform etablieren. Im nächsten Jahr werden Tweets Teil verschiedener Shows werden und als natürliche Erweiterung des TV-Programms dienen.

Twitter wurde 2011 immer tiefer in TV-Sendungen integriert. Kaum eine Serie, Show oder Event das nicht von Hashtags im Bild begleitet wurde. Viele Nachrichten und Reportagen haben zudem Twitter als Kanal genutzt um darüber das Zuschauerfeedback zur Sendung oder ein Stimmungsbild einzufangen. Während wir in Deutschland zwar Social Media Redakteure haben und auch einige Shows, die massiv auf Twitter und Facebook diskutiert werden, ist Deutschland bei der onair Integration noch deutlich hinter den USA und UK. Dafür haben wir mit Couchfunk einen dezidierten Twitter-Client für TV-Inhalte.

Erste Killer-Applikationen für den Fernseher.

Nächstes Jahr werden wir erste Applikationen sehen, die nicht nur existierende Inhalte neu verpacken sondern das Medium geschickt nutzen und dabei nicht primär auf Video zurückgreifen.

Es hat sich 2011 zwar gezeigt, dass man auf dem TV deutlich mehr machen kann als fernsehen, doch bis jetzt hat sich keine Killerapplikation jenseits des Bewegtbildkonsums auf dem Fernseher etabliert. Für die meisten Anbieter ist Video die Killerapplikation und je weiter sich der Usecase davon entfernt umso schwieriger wird es diesen zu vermitteln. Daran ändern auch neuartige Fernbedienungen, wie sie Roku für Angry Birds bereit stellt, nichts.

Der Browser als TV-Plattform

Nächstes Jahr werden wir viele neue HTML5 Video-Anwendungen sehen und für die Connected Devices wird sich zeigen, dass alle profitieren, wenn sie sich auf einen gemeinsamen Standard einigen und so wird sich letzen Endes auf diesen Geräten auch der Bowser durchsetzen.

Diese Prognose hat sich lediglich zur Hälfte bewahrheitet. Während HTML5 erwachsen wurde und dank iOS und moderner Browser eine weite Verbreitung erfahren hat, fehlt für Connected Devices immer noch ein gemeinsamer Standard. HTML5 hat es mittels besserer Performanz und nativer JS-Anbindung geschafft ein elementarer Teil der großen Videoangebote von YouTube bis Vimeo zu werden und das obwohl einige technologische Hürden weiterhin bestehen (Livestreaming, Codecs, DRM).

Auf der anderen Seite hat die Fragmentation der Plattformen 2011 nur noch weiter zugenommen. Mit HbbTV existiert zwar in Deutschland ein Standard doch die Implementationen unterscheidet sich noch deutlich von Hersteller zu Hersteller. Zur bereits fragmentierten Landschaft gesellten sich 2011 zudem noch verschiedene Versionen der jeweiligen Plattformen, die untereinander nicht kompatibel sind, so dass nun zum Debuggen ein wahrer Gerätepark notwendig ist. Hoffnung gibt lediglich die neue GoogleTV Version, die auf Android basiert und sich eventuell als OS durchsetzen könnte.

TV Angebote der großen Player

Google und Apple haben es dieses Jahr [2010] versucht und nicht geschafft aber 2011 lassen sie nicht noch einmal verstreichen ohne ein eigenes TV Angebot zu lancieren.

Google und Apple haben beide massiv in Inhalte investiert und ihre VoD-Angebote ausgebaut. Zudem hat Google neue originäre YouTube Channels in Auftrag gegeben. Die wirklich innovativen TV-Angebote der großen Player kamen jedoch nicht von Google oder Apple sondern von Microsoft, Amazon und HBO. Microsoft hat mit der XBox 360, der Kinect und dem neuen XBox-Live-Release ein Angebot, dass alles beinhaltet, was man sich von Apple wünscht (intuitives Interface, Gesten- und Sprachsteuerung, OTT-Inhalte, übergreifende Suche). Amazon hat mit Prime Video den Subscription-Kanal, den man eigentlich von Google erwartet hätte, und HBO bietet mit HBO go seinen Abonnenten einen wirklichen Mehrwert und ein umfassendes Angebot im Netz.

Cross Screen Video

Apples Airplay und GoogleTVs Fling deuten an, was kommen wird. Videos werden in Zukunft zwischen Geräten nahtlos hin und hergeschoben. Ein Video Angebot, dass nur noch auf dem PC, dem Handy oder dem Fernseher existiert wird es in 2011 sehr schwer haben.

Ende 2010 noch mit Cross Screen Video titulier, hat das Thema 2011 unter den Namen Multiscreen und Secondscreen enorm an Momentum gewonnen. Das iPad als teilzeit TV-Ersatz genauso wie Spielekonsolen sind wichtige Plattformen für den Videokonsum und aus dem Distributionsmix nur noch schwer wegzudenken. Interaktive Zusatzdienste, Empfehlungs- und Sammeldienste auf Smartphones und Tablets sind weitere Entwicklungen, die mit verschiedenen Screens und Bewegtbild spielen und sich 2011 etabliert haben.

Prognosen für 2012

Nach den gemischten Ergebnissen für 2011 folgen nun 5 Prognosen für 2012, die hoffentlich eine bessere Trefferquote aufweisen.

Livestreaming im Netz wird allgegenwärtig

2012 wird YouTube sein livestreaming Angebot für die breite Masse ausrollen. In Kombination mit Google Hangouts werden sie damit den etablierten livestreaming Anbietern mächtig Konkurrenz machen. Gerade Hangouts ermöglichen ganz neue Formate und Shows, die für ein live Publikum sehr attraktiv sind.

Zudem werden wir 2012 kaum noch ein Event, ein Ereignis oder ein TV-Programm ohne Livestream im Internet erleben. Nachdem nun klar ist, dass 2012 der Super Bowl live gestream wird, gibt es keine Ausrede mehr für andere Events nicht dasselbe zu tun. Zudem werden die Sender ihre Livestream-Blockadepolitik aufgeben und eigene Streams anbieten und diese auch bei Anbietern wir Zattoo und Co. verfügbar machen.

Deutscher online Videomarkt wird heiß umkämpft – erste signifikante Summen für online Videorechte

2012 wird der Kampf um den deutschen online Videomarkt Fahrt aufnehmen. Lovefilm wird seine Bemühungen weiter intensivieren genauso wie die BBC und Google. Germany’s Gold und Hulu werden an den Start gehen und auch die privaten Sender und wahrscheinlich noch ein, zwei weitere Anbieter werden versuchen eine zweite große Videoplattform neben YouTube in Deutschland zu etablieren.

Außerdem werden die Webrechte der Fussball Bundesliga heiß begehrt sein. Die Vergabe wird Signalwirkung haben, denn hier werden zum ersten Mal in Deutschland für Internetrechte ansehnliche Summen den Besitzer wechseln.

Neues Verwertungsfenster: Same Day, NoDRM, Worldwide

2012 wird sich ein neues Verwertungsfenster etablieren. Anstatt die Verwertung nach verschiedene Territorien, Zeit, Medien und Verbreitungswegen aufzuspalten und jedes Recht separat zu vermarkten wird es für bestimmte Inhalte zur Norm werden sie sofort weltweit ohne Einschränkung verfügbar zu machen um eine maximale Verbreitung der Inhalte zu erreichen.

Dieses neue Verwertungsfenster werden einerseits Künstler und Produzenten wie Louis CK popularisieren, da sie darüber Mittelsmänner komplett umgehen können. Andererseits wird es von neuen Web-Studios wie Maker Studios und Revision3 angewendet um ein weltweites Publikum für ihre Shows zu generieren. In diesem Bereich erwarte ich zudem, dass mindestens ein Hollywoodstudio ein online Studio in 2012 aufkaufen wird.

Hartes Jahr für die Filmindustrie – DVD-Umsätze brechen ein

2012 wird ein hartes Jahr für die Filmindustrie. Während sich das Kino weiterhin einer breiten Beliebtheit erfreut, wird der DVD Absatz signifikant einbrechen. Diesen Einbruch kann die Filmindustrie 2012 nicht wie bisher durch den Verkauf von Blu-rays oder elektronischer Formate kompensieren. Deshalb wird sich die Filmindustrie 2012 verzweifelt auf die Suche nach dem Nachfolger der DVD machen.

UltraViolet wird nur bedingt von den Konsumenten als Nachfolger akzeptiert werden. Erst der Switch zu Formaten ohne DRM und einer weltweiten Distribution nach dem Vorbild der noDRM, sameday und world wide Distribution wird der Filmindustrie wieder Hoffnung geben.

Die Set-top-Box stirbt – lang lebe der Home media server

2012 wird die Set-top Box aus dem Vokabular der Telcos und Kabelnetzbetreiber gestrichen. 2012 werden sie nur noch von Home Media Servern sprechen, die nicht nur das TV-Programm empfangen sondern auch lokale Medien speichern und alle Inhalte auf die verschiedensten Geräte im Heimnetzwerk streamen. Nur so können sie iPad, Smartphones und Spielekonsolen sinnvoll anbinden und ihren Brückenkopf im Heim rechtfertigen.

2012 wird online Video ernst genommen

Treten diese Prognosen in 2012 ein, werden wir Ende nächstes Jahres eine andere Wahrnehmung des online Videomarktes haben. Die Vergabe der Bundesliga-Rechte sowie die fortgesetzten Bemühungen von Google, Apple, Amazon und Microsoft werden 2012 dazu führen, dass online Video als ein wichtiges Wachstumsfeld wahrgenommen wird, in dem massive Investitionen getätigt werden und enorme Summen umgesetzt werden können.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Sowohl Google als auch Apple konnte noch nicht in den Fernsehmarkt einsteigen, weil sie diesen von vornherein mit dem Internet eng verbinden wollen. Dafür muss aber erst eine sehr aufwändige Infrastruktur geschaffen werden und ich schätze daran hat es bisher gehapert. Aber Apple zumindest wird 2012 sicher etwas auf den Markt werfen.

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