Video on Demand in Deutschland hebt ab? Not.

Video on Demand in Deutschland steckt noch in den Kinderschuhen, sowohl was die Portale anbelangt als auch was die Nutzung betrifft. Gerade hat Solon Strategy eine neue Studie veröffentlicht laut der die VoD-Nutzung in Deutschland bei 33 Prozent liegt. Die Studie ist eigentlich ein Grund für die großen VoD-Portale zu feiern, denn damit müssten ihre Umsätze dieses Jahr deutlich über denen von 2010 liegen.

Konnten sie letztes Jahr lediglich 21 Millionen Euro mit dem elektronischen Verleih erzielen, wären mit den Zahlen von Solon 35 Millionen Euro durchaus realistisch. Bei 51,7 Millionen Deutschen Internetnutzern gäbe es 17,23 Mio VoD Nutzer, die jeweils Minimum einen Film für 2 Euro ausleihen und somit mindestens 34,46 Mio Euro generieren könnten.

Damit würde der VoD-Markt dieses Jahr ein deutliches Wachstum aufzeigen und es sieht aus, als ob ProSiebenSat.1 Maxdome genau zum richtigen Zeitpunkt von 1&1 komplett übernommen hat – nämlich kurz bevor der Markt abhebt. Wenn ich es richtig lese1 , hat ProSiebenSat.1 für Maxdome €14,2 Millionen plus €5,4 Millionen in Medialeistung bezahlt, was bei einem Markt mit drei großen Playern und einem Potential von €35 Millionen in 2011, ein richtiges Schnäppchen ist.

Apropos ProSieben für die Next wurde eine Session zum Thema „Why German TV stations risk to fail“ mit mir vorgeschlagen – über Stimmen für diese Session freue ich mich.

Verschenktes Potential

Doch so ganz traue ich den Nutzungszahlen nicht. Eine Befragung ist eine Sache – das tatsächliche Ausleihen gegen Bezahlung eine Andere. Mich erreichen immer wieder Mails von frustrierten VoD-Kunden, die an den Portalen scheitern.

erst will mir maxdome wg. angeblichem negativem kontovermerk nix verkaufen, dann zwingt videoload mich von chrome zu firefox um den blöden download manager doch nicht installieren zu können.
sind die alle doof?
hab den film nun von nem filehoster

Angesichts dieser Probleme habe ich den Selbsttest unternommen und mich bei den beiden großen Deutschen VoD-Portalen Maxdome und Videoload registriert und einen Film geliehen (der Dritte große Player in Deutschland ist Apple).
Bei beiden Portalen waren dabei mehrere Hürden in den Prozessen, inklusive Softwareinstallationen und notwendigen Browserwechsel, die es einem Nutzer nicht gerade einfach machen und wohl viele zur Aufgabe zwingen werden. Insgesamt habe ich es in mehreren Versuchen eben so geschafft jeweils unter 10 Minuten zu bleiben bis ich einen Stream zu sehen bekam. Die beiden Abenteuer habe ich in zwei Screencasts festgehalten.

Maxdome

Die Registrierung bei Maxdome war schnell erledigt. Probleme traten erst bei der Eingabe der Kontoverbindung auf. Im ersten Versuch scheiterte der Vorgang mit der Fehlermeldung:

Leider gibt es ein Problem bei der Übertragung Ihrer Daten.

Nicht gerade eine Meldung, die man bei der Eingabe seiner Kontodaten lesen möchte. Der zweite Versuch war erfolgreicher aber auch dort war die Meldung am Schluss nicht gerade förderlich.

Sie müssen sich noch einige Zeit gedulden, da die Bearbeitung Ihrer Daten einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Nach diesen Hürden gestaltet sich der Rest auf Maxdome relativ reibungslos. Sieht man von den ständigen Hinweisen auf ein Upselling ab. Maxdome will einem lieber etwas anderes verkaufen als das Gewählte.

Videoload

Die Registrierung bei Videoload war mit Safari nicht möglich. Mit Chrome war die Registrierung dann möglich, allerdings registriert man sich nicht bei Videoload sondern bei der Telekom, was Passwortmanager durcheinander bringt und einen flüssigen Prozess fast unmöglich macht. Videoload ist damit eine wahre Popup-Hölle und man verliert schnell den Überblick in welchem Fenster was stattfindet.

Apple

Apple ist in einigen Belangen besser, doch den goldenen Gral des VoD hat man auch in Cupertino noch nicht gefunden. iTunes an sich ist überfrachtet und leiht man an einem Samstag Abend einen Film, dann kann der Download schon einmal 3 Stunden dauern und von Streaming darf man auf dem Mac momentan nur träumen.

VoD Benchmark

Stellt man diesen Erlebnissen die drei Klicks und 30 Sekunden gegenüber, die es Bedarf um die Inhalte über Filehoster zu beziehen wird schnell klar, warum VoDs einen schweren Stand haben.

Ballast über Bord werfen und Reset

Betrachte ich den VoD-Markt in Deutschland fühle ich mich an die ersten Musikservices erinnert. Das (legale) Napster, Rhapsody, iTunes und Zune Pass haben alle eine breite Bibliothek an Inhalten und einen robusten Service. Trotzdem redet niemand mehr über diese etablierten Player seit Spotify, Rdio und Deezer den Markt aufrollen.

Maxdome (Gegründet 2006), iTunes (erste Filme seit 2006) und Videoload (Gestartet 2003 als T-Online Vision) stammen genauso wie die alten Musikangebote noch aus einer anderen Zeit und müssen mit viel technischem und rechtlichem Ballast kämpfen. Seit ihrer Gründung hat sich das Netz weiter entwickelt: neue Technologien, neue Navigationskonzepte und neue Streamingkonventionen haben sich etabliert. Die Nutzer sehen jeden Tag, wie moderne Videoservices aussehen können und was sie leisten und angesichts dessen wirken die großen VoD-Plattformen verstaubt und antiquiert.

Es wird dringend Zeit für diese Angebote, dass sie sich nicht nur ein neues Gesicht geben sondern ihren Service einmal komplett neu denken. Video on Demand braucht für den Erfolg einen Anbieter, der sich auf die Seite der Kunden stellt und aktiv die Kundeninteressen gegen die Film- und TV-Industrie durchsetzt.

Ich erwarte, dass wir genauso wie bei den Musikservices eine zweite Generation an VoD-Portalen erleben werden, die viele der etablierten Konzepte und Industrievorgaben in Frage stellen und sich statt dessen viel stärker an den Nutzerbedürfnissen orientieren. Mit diesem Erfolgsrezept werden sie es schaffen VoD in die Breite zu tragen.

1Der Kaufpreis nach IFRS 3 beinhaltet ein Abkommen über eine Media-Kooperation mit dem Verkäufer des übernommenen Anteils. Der beizulegende Zeitwert dieses Abkommens betrug zum Erwerbszeitpunkt 5,4 Mio Euro. […] Weitere Kaufpreisbestandteile umfassen eine im Jahr 2014 fällige Zahlung, deren abgezinster Betrag 8,2 Mio Euro beträgt sowie eine Ende des Geschäftsjahrs 2010 geleistete Zahlung in Höhe von 6,0 Mio Euro. Quelle (PDF)

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