Medien als Differentiator für Telcos

Virgin Media führt in England ein sehr interessantes Angebot ein: Der Telco wird den Musikservice Spotify zusammen mit seinen Breitband-Anschlüssen vertreiben. Dabei wird Spotify für Virgin Media Kunden deutlich günstiger angeboten werden als die sonst üblichen £9.99.

Auch in Deutschland gibt es erste Bemühungen Internetservices mit Anschlüssen zu kombinieren. Vodafone bündelt den RealNetworks Cloudservice Unifi mit seinen Tarifen und erlaubt es den Kunden so persönliche Medien im Netz zu speichern und von beliebigen Geräten aus darauf zuzugreifen.

Die Kombination des Internetanschlusses mit dem Zugang zu Medien bietet Telcos die Möglichkeit sich in einem Umfeld, das über wenige Unterscheidungsmerkmale verfügt, zu differenzieren. Sie müssen nicht mehr (nur) im Preis und der Bandbreite konkurrieren sondern können ihr Produkt nach dem Motto „der Internetzugang mit unlimitierter Musik“ vermarkten. Damit versuchen die Telcos sich ähnlich zu positionieren wie die Consumer Electronics Hersteller, die ihre Produkte mittlerweile über Inhalte und Apps vermarkten und nicht mehr primär über technische Merkmale.

Mithilfe von Hulu (plus), Netflix oder auch der BBC (iPlayer) könnten ISPs ohne eigenes IPTV-Angebot plötzlich ein Konkurrenzprodukt anbieten ohne in die aufwendige Infrastruktur investieren zu müssen. Zudem wären solche Kooperationen ein guter Weg für Telcos an den Umsätzen der größten Bandbreitenfresser zu partizipieren. Hulu und Co. hingegen profitieren von den Marketing- und Vertriebsmaschinerien der großen Konzerne und können darüber eine deutlich breitere Kundenbasis erreichen. Gerade Hulu könnte mit solchen Kooperationen den Kabelnetzbetreibern mit ihren TV-Everywhere-Angeboten etwas entgegen setzen und unter Umständen sogar die Internationalisierung mithilfe von Telcos in anderen Ländern vorantreiben.

Früher oder später werden Telcos eine ähnliche Rolle einnehmen wie die Multichannel Video Programming Distributors, die klassischen PayTV-Provider in den USA. Der Internetanschluss wird wie der Kabelanschluss nur noch die notwendige Voraussetzung sein. Das eigentliche Geschäft wird über die Inhalte und Services gemacht, die über den Anschluss übertragen werden. Wollen die Telcos ihren Umsatz pro Kunde steigern (oder halten) müssen sie ihren Kunden attraktive Inhalte als Teil des Internetanschlusses bieten. Spotify ist hierbei sicherlich ein erster Schritt doch viel interessanter wird es werden, wenn die Telcos auch Spiele-, TV- und Film-Services mit ihren Anschlüssen kombinieren. In den USA geschieht dies bereits mit ESPN3 auf das nur Kunden von den Telcos kostenlos zugreifen können, die einen entsprechenden Vertrag mit ESPN haben.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das Problem, das ich dabei sehe:
    Die Telcos differenzieren sich nur solange wirklich effektiv, wie sie Mediendienste (zumindest relativ) exklusiv anbieten können.
    Die Mediendienste, die du hier genannt hast, haben doch aber Interesse daran, eine möglichst maximale Verbreitung zu erreichen, und dürften deshalb eher weniger an solchen Modellen interessiert sein.
    Und reicht es dann für Endkunden aus, zB Spotify drei Pfund günstiger zu bekommen als bei einem anderen Anbieter? Wird dann nicht aus dem Vorteil, Zugang zu einem großartigen Dienst zu bekommen, nur noch der Vorteil, pro Monat drei Pfund zu sparen?

    (Freue mich übrigens, dass du in letzter Zeit wieder öfter bloggst ;) )

  2. Hallo Thies,
    du sprichst zwei wichtige Probleme an. 1) Die Versorgung mit Content – es gibt nur begrenzt gute Inhalte und die haben natürlich ein Interesse daran möglichst breit gesehen zu werden. 2) Der Mehrwert den ein Telco realisieren kann.
    Netflix, Hulu und auch Spotify sind definitiv nur Quick Wins und reichen nicht für eine dauerhafte Differenzierung. Deshalb müssen die Telcos auf längere Sicht sehen, dass sie eine attraktive Mischung an Inhalten anbieten und vielleicht sogar die Mittelmänner (Netflix, Hulu etc) umgehen und daraus eigene Produkte machen. Diesen Schritt sofort zu gehen wäre aber IMO zuviel auf einmal ;)

    Gruß Bertram
    Danke!

  3. In Deutschland gibt es ja immerhin schon Beispiele: Entertain ist doch im Grunde nichts anderes, oder? Und auf regionaler Ebene gibt es zB Heimat Live von EWE TEL – da wird sogar der Content selbst produziert, um sich zu differenzieren.
    Also immerhin Ansätze gibt es ;)

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