Der Segen des Free-TVs in Deutschland
Von Bertram am 28. Oktober 2009. Abgelegt unter Artikel, Business, Internet TVOder wie die privaten TV-Sender die Zukunft für die Gegenwart zu opfern gedenken.
Der deutsche Fernsehmarkt ist ein besonderer. Auf kaum einem anderen Fernsehmarkt haben es PayTV-Anbieter so schwer wie hier. Wo man Andernorts ohne PayTV auf dem trockenen sitzt, findet der Konsument in Deutschland eine reiche Landschaft an privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern, die es PayTV enorm schwer machen sich zu differenzieren.
Dieser Nachteil könnte den dem deutschen Markt zum Vorteil gereichen, wenn es darum geht, welchen Einfluss das Internet auf das Fernsehen haben wird, das zeigt eine einfache Rechnung aus den USA:
In den USA gibt es also im Vergleich zu Deutschland nahezu 140 gute Gründe sich zu überlegen, ob man nicht auf das Fernsehen verzichten kann und statt dessen Bewegtbild nur noch über das Internet bezieht. Betrachtet man vor diesem Hintergrund die Bemühungen der privaten Fernsehsender hin zu einer Grundverschlüsselung wird einem bewusst, was für katastrophale Auswirkungen ein solcher Schritt haben könnte.
Die Debatte um TV-Gebühren für private “Free-TV” Sender und vor allem deren Einführung könnte nämlich viele User dazu bewegen sich einmal ernsthaft Gedanken darüber zu machen, ob sie das Fernsehen in Zeiten des Internets überhaupt noch benötigen und ob es ihnen “etwas” wert ist. Dies könnte den Sendern langfristig viel mehr schaden als es ihnen jetzt kurzfristig helfen könnte.
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Schöne Betrachtung. Aber für uns in der Video-Internetbranche kann das ja nur gut sein :-P
Hallo Bertram,
die Breitband vs Cable-Rechnung ist ja so nicht ganz stimmig.
- FIOS Broadband ist Internet Access ohne alles. Also nur die Pipe, ohne Inhalte
- FIOS Triple Play (+ Tel + Basic Digital TV) kostet nochmal knapp 50$ on Top
- FIOS Triple Play + HD Package liegt dann auch schon über 160$
Kann ich (oder irgendjemand) das durch Over The Top-Videos ersetzen? Mit Hulu geht in den USA natürlich schon einiges. Aber auch Hulu kann nicht das Programming von 300 Sendern ersetzen. Vor allem nicht, wenn du von einem Nebenbei-Nutzungsverhalten ausgehst.
Als Trendindikator stimmt es aber schon: Die Hochpreis-Walled Gardens sind kundenunfreundlich und äusserst aufwendig in Betrieb und Weiterentwicklung. Wird Broadcasting also völlig zum Prekariats-Programm?
Das deutsche Spezialsystem mit seinen GEZ-Pay-Programmen, dem rein werbefinanzierten Free-Block und notleidenden Pay-Päckchen lässt sich durch ein bisschen Bezahlwursteleien im HD-Free-TV-Sektor jedoch kaum aus den Angeln heben. Da stehen die ÖR als massiver Block dazwischen. Und dafür ist das Over The Top-Angebot auf absehbare Zeit zu dünn.
Hallo Hubert,
klar sind die Angebote im Moment nicht vergleichbar, aber vielleicht müssen sie es auch gar nicht sein – ökonomische Zwänge (Wirtschaftskrise) und ein gut genuges freies Angebot over the top könnten bei vielen schon ausreichen für den Switch.
Gruß Bertram
Vielleicht zwingt es die deutschen Sender aber auch, endlich wieder wertvollere Inhalte zu produzieren.
Schön wär es ;)
Das Problem der privaten Sender sind die sinkenden Erlöse aus Werbeeinnahmen – und die werden sie nicht ausreichend wieder steigern können. Sie haben in den vergangenen Jahren drastisch am Programm gespart, um hohe Renditen zu erzielen. Jetzt ist es nicht mehr attraktiv genug, anspruchsvolle Zielgruppen sind verprellt worden. Dass TV-Anbieter die sinkenden Einnahmen gern durch Pay-TV kompensieren würden, ist verständlich, nur fehlen ihnen dazu die Angebote. Und ein Blick auf die verwüstete Produktionslandschaft in Deutschland zeigt: Die werden sie in den kommenden Jahren auch nicht mal eben aus dem Hut zaubern können. Wer soll ihnen denn die attraktiven Formate entwickeln, wenn in den vergangenen acht (!) Jahren nahezu alle neuen Serien und Reihen brutalst gefloppt sind, je ambitionierter, je schlimmer? Das Know how und die Qualitätskultur fehlen. Dass in Deutschland Qualitätsfernsehen produziert werden kann, ist so wahrscheinlich wie ein modernes Kompaktmodell von Chrysler. Pay per view mag eine Chance bieten, aber alles andere sind fromme Träume.
Das schlimmste ist ja gar nicht unbedingt das man sein Signal verschlüsseln möche, auch wenn das eigentlich überflüssig ist, wenn man evtl. mal von Kosten für Rechte die per Sat Europaweit ausgestrahlt werden. Aber es geht ja nur darum den Nutzer zu gängeln und das Free TV unatraktiv zu machen. Klar HD ist schön, aber was bringt mir HD, wenn man nicht mal mehr wie bei einer Uralten Videokassete vor und Zurückspulen kann, da man ja sonst in der Lage ist die Werbung zu überspringen.
ich mach mir schon länger Gedanken über die sehr ungelungenen TV Situation in Deutschland. Damals fand ich zu diesen Thema nur ein Buch von Bernd Höcker . Heute sieht das im Internet in vielen Blogs, Foren … anders aus. Ich bin schon lange bereit lieber 300 Euro pro Jahr Anwälten auszugeben als mich anzumelden. Um hier eindeutige Klarheit zu schaffen und die Qualität im TV auf ein brauchbares Level zu heben. Die ÖR hatten dazu ja genügend Zeit und haben sich die Kunden nicht verdient. Eigentlich wird man rausgeschmissen wenn man seinen Job nicht gut erfüllt. Pädagogisch wertvolles für Kinder hielt sich auch stark in Grenzen so dass es für meine Kinder sowieso besser ist ausgewählte DVDs sehen zu lassen.
Glücklicher weise war in DVD-Player und Videoprojektor noch nie ein Rundfunkempfänger drin. ( wäre schwerer mit der Gesetzeslage durchzukommen mit Videorekorder und Fernseher)
Freut mich dass es bald an der Zeit ist gemeinsam mit allen dagegen anzugehen …
Vielleicht geht es den Privaten Sendern dann besser und machen auch besseren TV-Inhalt. Momentan kann ich dass denen verzeihen wen diese nur Mist bringen.