IPTV vs. Internet-TV

IPTV (Internet Protocol Television) und Internet-TV werden oft synonym verwendet. Journalisten mit ihrem drang zur Abwechslung schmeißen Internet Fernsehen, IPTV und Internet TV wild durcheinander. Die Wikipedia ist sich zumindest schonmal nicht einig:

„Internet Television“ is often shortened to IPTV. Although there is disagreement about using „IPTV“ as a short-form for „Internet Television“

Bedeuten die Begriffe also dasselbe oder macht es Sinn IPTV und Internet TV zu Unterscheiden?

IPTV

IPTV bezeichnet bereits im Namen eine Übertragungstechnik – das Internet Protokoll – und ist im gesamten als neuer Übertragungstandard für Fernsehsignale über das Internet zu verstehen. Man könnte IPTV also wie folgt definieren:

IPTV
überträgt Fernsehsignale digital per Internet Protokoll selektiv an Breitbandanschlüsse.

In Analogie zu existierenden Kabelanschlüssen, Satellitenübertragung oder DVB-T/C/S bringt IPTV das Fernsehen zum Zuschauer. Zum Empfang wird ein Breitbandanschluss und eine Set-Top Box oder ein PC benötigt. Zusätzlich benötigt der Kunde einen Breitbandanschluss mit mindestens 3 Mbit/s für normale Fersehinhalte und mindestens 10 Mbit/s für HDTV Inhalte. Die Vorteile von IPTV liegen im Rückkanal, der Interaktivität ermöglicht, den erhöhten Einflussmöglichkeiten der Zuschauer (z.B. Pause) sowie der Möglichkeit mehrere Programme gleichzeitig aufzuzeichen oder zu betrachten. Mit IPTV sind auch personalisierte Programme und Video on Demand Dienste möglich. Außerdem kann der Anbieter seinen IPTV Dienst auf bestimmte Subnetze oder Regionen beschränken.

Eine Plattform für IPTV bietet Microsoft an. Microsoft stellte bei der CES seine IPTV Plattform Microsoft TV vor, die auf einer Set-Top Box mit Windows CE basiert. In Deutschland stehen Anbieter wie Telekom und Telefónica in den Startlöchern um noch diese Jahr IPTV Angebote einzuführen, die Gespräche und Verhandlungen mit den Sendern sind schon weit fortgeschritten bzw. abgeschlossen. In Amerika und Großbritannien sind entsprechende Angebote schon in der Testphase oder am laufen. Wer ein bißchen IPTV Feeling erleben möchte findet beim IPTV Magazine eine Vielzahl von Streams (Das ist jedoch nicht wiklich IPTV in seiner Reinform).

Internet TV

Beim Internet TV stellt sich das ganze etwas Diffuser dar. Es gibt eine Vielzahl von Angeboten im Internet, die mit Videos und Filmen zu tun haben, welche davon Internet TV sind ist schwer zu sagen. Eine Google Suche nach Internet TV liefert auf den ersten Seiten fast nur Treffer, die Fernsehen über das Internet anbieten. Das mag zwar ein wichtiger Punkt sein, jedoch nur einer. Um Internet TV besser zu verstehen werden nun Angeboteaus verschiedenen Bereichen vorgestellt, die meiner Meinung nach Internet TV sind.

Es zeigt sich, dass Internet TV ein breites Spektrum der Netzkultur abdeckt. Davon ausgehend könnte man Internet TV durch die spezielle Aufbereitung der Inhalte definieren. Die Videos und Clips in allen obigen Beispiele müssen speziell umgewandelt und integriert werden, damit die Betrachter sie in den Webseiten sehen können oder über die Webseiten auf sie zugreifen können.

Internet TV
umfasst speziell für das Internet aufbereitete Videos und Filme, die über Webseiten angeboten werden.

Vielleicht kann man die Unterscheidung zwischen IPTV und Internet TV auch auf der Zuschauer-Ebene treffen. IBM stellte in seiner Studie The end of TV as we know it fest, dass es in Zukunft zwei verschiedene Nutzergruppen beim Fernsehen geben wird. Die Masse der Passiven Nutzer, dürfte mit einem IPTV Programm gänzlich zufrieden sein. Die „Kool Kids“ und „Gadgetiers“ (Zuschauer mit einem Anspruch ana freie Zugänglichkeit und individuelle Medienkontrolle) dagegen werden das Internet TV weiter voran bringen und dafür sorgen, dass auch hier ein großer Markt entsteht.

Ich weiß die Unterscheidungen und Definitionen sind etwas Schwammig und eine klare Trennung ist manchmal unmöglich (Livestreaming: IPTV oder Internet TV)?. Warum also der ganze Aufwand? Zum Einen um für dieses Blog klare Begrifflichkeiten zu schaffen und zum Anderen um zwei konkurrierende Konzepte vorzustellen. Auf der einen Seite die traditionellen Programmanbieter mit ihren IPTV Plattformen für das Vollprogramm und auf der anderen Seite Internetunternehmen mit Clips und Schnipseln für eine individuelle on demand Nutzung.

15 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

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  4. Internet TV ist mir namentlich zu nah an IPTV AKA Internet Protocaol TV.
    Ich bevorzuge broadband tv.

    Aber die IPTV-Begriffsverwirrung scheint mir auch programmatisch. Angeblich erzählt T-Com, dass sie DSL-Fernsehen (und nicht IPTV) betreiben würden. Denn IPTV sei dass, was du wiederum Internet TV nennst. Hat zumindest letzthin jemand aus dem Wirtschaftsministreium behauptet.

  5. Da hast du aber nen alten Artikel ausgegraben. Ist mir schon fast peinlich, dass der noch Online ist;-) Seit dem hat sich viel getan und die Unterscheidung ist wohl wirklich mittlerweile eine politische geworden.
    Mittlerweile finde ich es besser bei unseren alten Freunden den Walled-Gardens und dem Open Access anzusetzen um Unterscheidungen zu treffen.

  6. Hab ich nicht vor. Es ist nur lustig zu den eigenen Anfäng der Schreibkunst zurück zukehren – ganz gelernt hab ich’s noch immer nicht.

  7. Pingback: Strategische Optionen für Plattformbetreiber und Produzenten | Digitaler Film

  8. IPTV ist die Übertragung von TV-Angeboten via Internet-Protocoll.
    Hiernach ist Internet-TV gliech IPTV aber nicht umbedingt IPTV gleich Internet-TV.
    Nun Internet-TV findet auschließlich in Internet statt, aber IPTV findet meiner Meinung nach nicht umbedingt in Internet statt, sondern auch in abgeschloßenen Intra-Netzwerken.
    Haubtsache es wird IP (Internet-Protocoll) verwendet. Daher ja der Name.

  9. Egal wer IPTV wie definiert…. wichtig ist die Sensibilisierung für das Thema WebTV vs. IPTV, oder Set-Top-Box auf Glotze vs. Browser-Based TV, oder HD vs. Briefmarkenformat, oder …. Bertram, weiter so!

  10. Schade das der Verbraucher wieder mit unmengen an Begriffen verunsichert wird. Am Ende wird es vielleicht wie bei VOIP enden. Kaum ein Nutzer weis doch heute, das er schon VOIP nutzt. Bestenfalls kommen dann Konstruckte wie „DSL-Telefonie“ beim Verbraucher an. Irgendwo taucht bereits immer mal der Begriff des DSL-TV´s auf. Aber solange von den Anbieter z.B. T-Home, kein einheitlicher Begriff kommuniziert wird, wird es bei dem Vokabelsalat bleiben…

  11. Bin selber auch dabei langsam aber sich mich in das Thema reinzuarbeiten. Bei uns gibt es jetzt dank schnellerem Internet auch die Möglichkeit IPTV zu empfangen..
    Ein erster Überblick über das Thema ist schon ziemlich.. aufwendig. Wäre schön, wenn es hier klarere Linien gäbe, die genau angeben was man unter was verstehen kann/muss.
    Interessanter Artikel

  12. Dieser Artikel hätte auch gestern und nicht 2006 veröffentlicht worden sein können, so aktuell ist sein Inhalt (leider) immer noch. Die Begriffe IPTV, Internet TV, Web TV, Online TV etc. verschwimmen immer mehr. Erst kürzlich erreichte uns die Anfrage eines Schülers der Deutschen Sporthochschule Köln, der in seiner Abschlussarbeit zu klären hatte, ob es sich bei den vereinseigenen TV-Kanäle des deutschen Profifußballs um IPTV oder WebTV handeln würde und ob hier eine Set-Top-Box auf den selben Content zurückgreift, wie ein PC.

  13. Muss Götz total beipflichten. Auch wenn du diesen Artikel schon vor Jahen geschrieben hast, so hat sich bis auf ein paar kleine Tests wie RTLnow, Zattoo und das IPTV Angebot der TCom nicht viel getan. Keine hohe Durchdringung bzw. Nutzung. Ein Armutszeugnis?

  14. Meiner Meinung nach ist IPTV bzw. Internet TV eine sehr gute Alternative für die Endkonsumenten. Hier bekommen sie mehr Kanäle angeboten und können zu fast jeder Zeit das gucken, was sie wollen. Genau darin liegt der grundsätzliche Unterschied zum herkömmlichen Fernseher.

    So wie es mit dem herkömmlichen Musikfernsehen geschehen ist. Nach und nach liefen ihm neuere Musikfernsehkonzepte den Rang ab, wie z.B. http://qtom.tv/, der als interaktiver Musiksender im Web nur Musikvideos zeigt.

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